Von der Krise sind Sie kaum betroffen. Letzthin konnten Sie für Ihr Hauptprodukt Tracleer gegen Bluthochdruck im Herz-LungenKreislauf (PAH) sogar die Preise erhöhen. Gelingt das auch künftig?

Jean-Paul Clozel: Darauf können wir nicht zählen. In den meisten Ländern der Welt bleiben die Preise bestenfalls stabil oder fallen sogar. In den USA wird das Klima in Zukunft härter. Daher müssen wir auch für Tracleer auf Wachstum setzen: Neue Patienten und neue Indikationen.

Welche Gefahr sehen Sie durch die Entwicklungen in den USA, insbesondere die geplante Gesundheitsreform der Regierung Obama?

Clozel: Der medizinische Nutzen von Tracleer ist derart gross, dass wir hier kaum gefährdet sind. Die Politik von Präsident Obama kann sogar dazu führen, dass die Patientenzahl noch ansteigt: Wenn er die Versicherungsdeckung für mehr Amerikaner gewährleistet. Jetzt können sich nicht alle die nötigen Medikamente leisten.

Bei der Zulassung in den USA für eine frühe Anwendung von Tracleer bei PAH-Patienten hatten Sie Probleme.

Clozel: Bei der Wirksamkeit gibt es keine Probleme. In Europa ist Tracleer für eine frühzeitige Anwendung zugelassen. Aber die Zulassungsbehörde FDA hat gerade dann ihre Regeln geändert, als wir unsere Dokumente eingereicht haben. Daher die Verzögerung.

Einige sagen, der Umsatz von Tracleer könne sich mit neuen Anwendungen verdoppeln.

In unserer Guidance, die von einem Wachstum von 12 bis 15% ausgeht, ist die frühe Anwendung bereits enthalten. Eine mögliche Verdoppelung der Umsätze bezieht sich auf die in der zweiten Jahreshälfte erwarteten Resultate über einen möglichen Nutzen von Tracleer gegen Lungenfibrose. Das ist eine Gruppe von Patienten, für die es keine Behandlung gibt.

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Für Zavesca, das ebenfalls auf dem Markt ist, streben Sie ebenfalls weitere Anwendungen an. Welche Auswirkungen auf die Verkäufe erwarten Sie im Erfolgsfall?

Clozel: Die US-Zulassungsbehörde prüft unsere Dokumente dazu. Über Jahre hat die US-Behörde die Dossiers nicht untersuchen wollen. In Europa ist das Medikament gegen Niemann-Pick C zugelassen, das war ein wichtiger Durchbruch. In den USA könnte das nun auch folgen. Auch gegen diese schwere und viel zu wenig erkannte Krankheit existiert momentan kein Medikament ausser Zavesca. Hier könnten die Patientenzahlen deutlich zunehmen.

Wo liegt hier der Spitzenumsatz?

Clozel: Das ist schwer zu sagen. Wir wissen erst mehr, wenn das Produkt auf dem Markt ist.

Sie haben eben den Wirkstoff Epoprostenol gegen PAH des privaten Unternehmens GeneraMedix einlizensiert. Wo sehen Sie hier das Potenzial?

Clozel: Der Prostazyklin-Markt, zu dem Epoprostenol zählt, umfasst Umsätze von rund 400 Mio Dollar. Daran wollen wir einen grossen Anteil haben. Das Medikament, das bereits in den USA zugelassen ist, könnte bei erfolgreicher Einführung zu einem bedeutenden Umsatz führen.

Sehen Sie auch weitere Deals, wie Sie ihn für das Schlafmittel Almoxerant mit Glaxo abgeschlossen haben, für andere Mittel in Ihrer Pipeline?

Clozel: Nicht jetzt. Aber für Wirkstoffe in der frühen Entwicklung ist das möglich. Allein für unser Asthmaprodukt in Phase II interessieren sich bereits eine ganze Reihe von Pharmaunternehmen. Doch wir generieren genügend eigenen Cashflow. Daher tendieren wir dazu, eher spät allfällige Partner für Lizenzen zu suchen.

Ihre Börsenbewertung ist momentan ziemlich tief. Mit Ihrer Pipeline werden Sie zu einem attraktiven Ziel von Pharmaunternehmen mit genügend Cash und ungenügenden eigenen Innovationen.

Clozel: Unser Wert hängt von den Leuten ab, die hier sehr produktiv forschen und arbeiten. Diese Produktivität wäre nicht nachhaltig, wenn wir übernommen würden. Ausserdem: Wenn wir gezwungen würden, unsere Kräfte mit nur einem Unternehmen zu vereinen, könnten wir unsere Pipeline nicht mehr optimieren. Das Beste, was wir tun können, ist daher, weiterhin solche Kooperationen einzugehen, die es ermöglichen, für jedes Produkt das Optimum zu erzielen.