Als Teufelszeugs wurden sie bezeichnet, zu schwarzen Schafen der Anlageprodukte und ebenso als Sündenböcke abgestempelt. Die Rede ist von den strukturierten Produkten. Die Vorteile der modernen Anlagevehikel sind nach wie vor intakt - bieten sie doch individuelle Auszahlungsprofile, die mit herkömmlichen Instrumenten kaum erreicht werden können.

Das zuvor eher als hypothetisch eingestufte Emittentenrisiko bei strukturierten Produkten wurde mit dem «Lehman-Ausfall» ins Rampenlicht gestellt. «Strukis» sind rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibungen. Obwohl Anbieter und Medien seit Jahren darauf hingewiesen haben, erntete die Branche harte, teilweise sogar undifferenzierte Kritik.

Übers Ziel hinausgeschossen

In der «Hausse-Euphorie» schossen Emittenten gewiss über das Ziel hinaus. Die Produktvielfalt nahm zu und entsprechend musste mit einer zunehmenden Produktkomplexität gerechnet werden. Das führte dazu, dass Investoren inhärente Risiken vernachlässigten. Teilweise wurde sogar das Verlustpotenzial erhöht - durch eine Risikoakkumulation von Multi-Asset-Vehikeln. Denn in der Boomphase waren Renditeoptimierungsprodukte mit bis zu fünf Basiswerten en vogue. Aktienlieferungen waren an der Tagesordnung, das Investorenvertrauen zerbröckelte zunehmend.Die Branche hat inzwischen viel dazu gesteuert (zum Beispiel die Einführung von Qualitätsmerkmalen zum sogenannten Market Making der Börse Scoach), um das Vertrauen zurückzugewinnen. Dessen ungeachtet fanden in den vergangenen Monaten einfache Produktstrukturen vermehrt den Weg in die Depots. Eines haben die Vehikel gemein: Die Bedingungen müssen in fünf Punkten rasch erklärt werden können. Ein liquider Sekundärmarkt ist ebenso substanziell. Anleger müssen sich aber auch an der Nase nehmen. Während Boomzeiten haben sie zuwenig Eigenverantwortung gezeigt. Das Emittentenrisiko wurde sträflich ausgeblendet.

Anzeige

Anlagekontext ist zentral

Das Gebot, «diversifiziere nach Schuldner», wurde vernachlässigt. Seit kurzem kann das Ausfallrisiko aber mittels pfandbesicherten Zertifikaten minimiert werden. «Investiere nur in das, was du verstehst» gehört auch ins Anleger-Einmaleins. Funktionsweise, Chancen, ebenso Risiken der Investmentlösung gilt es zu verstehen. Dies ist insbesondere bei Multi-Assets-Produkten (sogenannte Worst-of-Strukturen) zentral. Unterschätzt wird da oft die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Worst-of-Basket eine der Aktien die Barriere (Sicherheitspuffer) durchbricht. Ein «sexy» Coupon leitete viele irre. Vor allem bei komplexen Anlageklassen wie Rohstoffen müssen zusätzlich die Markteigenheiten verstanden werden.