Nach dem abrupten Wechsel an der Spitze von Nobel Biocare werden die Beobachter des Marktes für Zahnimplantate die anstehenden Halbjahreszahlen des Konzerns mit Doppelsitz in Göteborg und Zürich noch aufmerksamer analysieren. Domenico Scala, ab 1. September 2007 neuer CEO von Nobel Biocare, präsentiert die Ergebnisse zusammen mit seiner Vorgängerin Heliane Canepa und Finanzchef Thomas Bögli am 9. August. Nur einen Tag zuvor wird der Basler Konkurrent, Straumann, seine Ergebnisse für die gleiche Periode vorlegen.

Damit werden innerhalb von 24 Stunden die beiden globalen Marktführer für Dentalimplantate (siehe Kasten) über den bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres informieren. Nobel Biocare hat bereits angekündigt, dass die Investoren mit einem «über dem Markt liegenden Umsatzwachstum» rechnen können. Dieses dürfte über 20% betragen, während der Markt um 15% wachsen könnte.

Rabatte für US-Kunden

Daniel Jelovcan, Analyst beim Broker Helvea, rechnet mit einem Umsatz von 353,5 Mio Euro für das 1. Semester. Zum Vergleich: Im 1. Halbjahr 2006 erzielte Nobel Bio-care einen Umsatz von 296,5 Mio Euro. Gleichzeitig geht Jelovcan davon aus, dass Nobel Biocare die Ziele für das laufende Geschäftsjahr erfüllen könne. Diese besagen ein Umsatzwachstum von bis zu 25% und eine Betriebsgewinnmarge von bis zu 35%. Gleichzeitig wird eine genauere Bilanz der Jahreskonferenz des Unternehmens vom Mai in Las Vegas (USA) erwartet. Dort tauchte das Problem auf, dass die anwesenden Zahnärzte gewisse neue Produkte wie das Implantat «Nobel Active» nicht gleich bestellen konnten. Das Unternehmen kurbelte den Umsatz an, indem es vor allem US-Kunden Rabatte auf bisherige Produkte anbot.
Auch bei Konkurrent Straumann ist Helvea-Analyst Jelovcan positiv gestimmt. Der Umsatz im 1. Halbjahr dürfte 357,4 Mio Fr. betragen (zum Vergleich: In der entsprechenden Vorjahresperiode betrug er 305,4 Mio Fr.). Der schwache Geschäftsverlauf in den USA bereitet den Anlegern mittlerweile nicht mehr so grosse Sorgen, weil der neue Länderchef Jim Frontero dem Vernehmen nach gute Arbeit leis-tet. Dafür ist der asiatische Markt ein Sorgenkind geworden: Straumann kündigte im Februar an, die japanische Vertriebsgesellschaft Daishin Implant System (DIS) zu kaufen. Abgeschlossen wurde diese Akquisition aber erst Anfang Juli. Nun kursieren Vermutungen, dass die DIS-Mitarbeiter durch diese lange Zeitspanne verunsichert worden seien was den Umsatzrückgang erkläre.
Die Worte von Rolf Soiron, VR-Präsident von Nobel Biocare, sind klar: Der neue CEO Domenico Scala sei jemand, der das «proaktive Arbeiten mit regulatorischen Behörden» gut kenne. Damit spielt Soiron auf den seit bald zwei Jahren schwelenden Streit von Nobel Biocare mit der schwedischen Agentur für Medizinprodukte an. Diese stuft die Bedienungsanleitungen für die beiden Produkte «Nobel Direct» und «Nobel Perfect» als ungenügend ein.

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Die Regelung dieser Angelegenheit gehört zu den Herausforderungen, die auf Domenico Scala warten. Am 20. Juli war er unerwartet als Finanzchef von Syngenta zurückgetreten, ebenso abrupt wurde er am 30. Juli zum neuen Chef von Nobel Biocare ernannt. Rolf Soiron hatte ihm diesen Job als Nachfolger von Heliane Canepa diesen Frühling angeboten. In der Zwischenzeit realisierte Scala, dass er nicht wie erhofft zum neuen Chef von Syngenta aufsteigen würde. Der neue CEO war bereits Verwaltungsrat von Nobel Biocare und soll den eingeschlagenen «Wachstums- und Rentabilitätskurs» weiterführen. Dieses Jahr wird das Unternehmen erstmals mehr als 1 Mrd Euro Umsatz erzielen; in vier Jahren könnten es 2 Mrd Euro sein.
Auf den neuen Konzernchef wartet eine weitere wichtige Aufgabe: Er muss das Image von Nobel Biocare ändern. Das Unternehmen pflegt eine aggressive Vermarktungsstrategie. Diese Politik stösst aber nicht nur bei den Kunden (Zahnärzten), sondern immer mehr auch bei Investoren auf Widerstand.