Der Start verlief sehr unglücklich. Am 15. April wurden die Titel des Online-Reiseanbieters Bravofly Rumbo zum ersten Mal an der Schweizer Börse SIX gehandelt. Zwar kam der Börsengang auf ein Volumen von 260 Millionen Franken und 109 Millionen Franken flossen in die Firmenkasse – ein Erfolg war der Börsengang dennoch nicht. Die Aktie kam mit einem Ausgabepreis von 48 Franken auf den Markt, erreichte den anvisierten Kurs nie. Schon am ersten Handelstag ging es abwärts. Heute notiert sie bei weniger als 28 Franken – über 40 Prozent unter dem Ausgabepreis.

Den Kursrutsch ausgelöst haben schlechte Zahlen der Konkurrenz. Vor wenigen Tagen gestand Bravofly dann ein, dass der Markt plötzlich anspruchsvoller geworden sei. Der Wettbewerb mit anderen Reiseportalen sei härter, die Preise unter Druck. Für Branchenkenner ist das allerdings keine Überraschung. Die Margen sind schon länger klein, der Wettbewerb im Internet knallhart. Der Börsengang sei daher für die Investoren eine gute Gelegenheit gewesen, Anteile des Unternehmens zu einem guten Preis zu verkaufen, vermuten Brancheninsider. Bravofly lässt das nicht gelten. Die Firma sei langfristig ausgerichtet.

Wichtige Rolle bei der Finanzierung von Bravofly Rumbo

Der verpatzte Börsengang wirft auch ein Schlaglicht auf die Grossbanken Credit Suisse und UBS, mit denen Bravofly seit langem enge Geschäftsbeziehungen hält. Der Bekanntheitsgrad des Internetreisebüros Bravofly hat in kürzester Zeit rasant zugenommen. Dabei besteht die Firma schon seit 2004. Sie beschäftigt rund 570 Angestellte, 255 davon in Chiasso, und erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 123 Millionen Euro. Damit schafft sie es knapp unter die Top Ten der in der Schweiz niedergelassenen Reiseanbieter. Die wichtigsten Märkte sind Frankreich, Italien und Spanien. Schon 2006 kam das Unternehmen in die Schweiz.

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Spätestens ab 2012 nahmen dann die beiden Schweizer Grossbanken eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der Firma ein. Für die Übernahme des spanischen Online-Reisebüros Rumbo liess sich Bravofly laut Kotierungsprospekt von den beiden Banken einen Kreditrahmen von 38 Millionen Euro zusichern. Davon beanspruchte die Firma 33 Millionen Euro. Rund die Hälfte der Summe ist zurückbezahlt, der Rest muss bis spätestens 2016 abbezahlt werden. Die beiden Grossbanken haben Bravofly nicht nur bei Übernahmen unterstützt, sie haben sie zusammen mit Morgan Stanley und Mediobanca auch an die Börse gebracht.

Sie halfen, den Kurs zu stützen

Weshalb diese Banken zum Zug gekommen sind, kommentiert Bravofly-Chef Francesco Signoretti nicht. Nur so viel: «Für die Wahl unserer IPO-Leadbanken waren verschiedene Gründe ausschlaggebend.» Credit Suisse, UBS und Morgan Stanley sind die einzigen Banken, welche Analystenratings zur Bravofly-Aktie abgeben. Und sie halfen, den Kurs zu stützen. Am 15. Mai haben sie Aktien nachgekauft. Sie bezahlten 48 Franken, zu einem Zeitpunkt, als der Valor mit 38 Franken bewertet war. Ein Insider erklärt, dass mit dem Nachkauf Kurspflege betrieben wird. Das sei üblich und erfolge zum Ausgabekurs. Davon profitierten Erstkäufer, die kotierte Firma und die mit dem Börsengang betrauten Banken.

Es gibt noch eine weitere Verbindung zu einer der Grossbanken. Christian De Prati ist bei Bravofly Rumbo im Verwaltungsrat und laut NZZ gilt er als enger Vertrauter von UBS-Chef Sergio Ermotti. De Prati ist zudem für Investor Tito Tettamanti tätig. Tettamanti hielt 3 Prozent an Bravofly, er hat seinen Anteil aber verkauft. Beim Börsengang habe man ihn gefragt, ob er bereit sei, die Aktien für den Börsengang zur Verfügung zu stellen. «Wir haben zugesagt», so Tettamanti.

Konkurrenten sind skeptisch

Der Verkauf könnte zum richtigen Zeitpunkt erfolgt sein. Insider aus der Schweizer Reisebranche sind bezüglich der Zukunft von Bravofly Rumbo skeptisch. Die Margen für Flugreisen seien sehr klein, ein Insider spricht von rund 0,5 Prozent des Flugtarifs. Die Konkurrenz steigt durch Metasearch-Portale, welche die günstigsten Flüge verschiedener Anbieter anzeigen. «In den vergangenen Monaten haben wir stärkeren Wettbewerb durch kleinere Akteure festgestellt, die mit sehr aggressiven, nicht kostendeckenden Preisen in den Markt eingetreten sind», so Bravofly-Chef Signoretti. Einige Metasearch-Anbieter arbeiteten gar mit Verlust. «Das kann auf Dauer nicht gut gehen.» Verschliessen kann er sich dem Trend aber nicht. Bravofly hat 2013 das Portal Jetcost übernommen – eine Metasearch-Site.

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