Erneut befinden sich die Zentralbanken in einer heiklen Situation. Die wichtigsten Indikatoren deuten auf eine wirtschaftliche Erholung hin, offen ist jedoch, wie robust diese Entwicklung ausfallen wird. Vor diesem Hintergund stellen in den nächs-ten Tagen die bedeutendsten Notenbanken die Weichen für die nächsten Monate. Am Donnerstag, 3. Dezember, entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über den Leitzins, am Donnerstag, 10. Dezember, findet die nächste geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) statt. Am Mittwoch, 16. Dezember, macht die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Abschluss.

Für Experten ist derweil schon heute klar: Die SNB wird die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Sie wird deshalb den expansiven Kurs vorerst weiterverfolgen. Allerdings werde die SNB auch darauf hinweisen, dass die expansive Geldpolitik nicht endlos weitergeführt werden könne, so Giovanni Staunovo, Ökonom bei der UBS. Der Dubai-Schock der vergangenen Tage habe verdeutlicht, dass bei einem plötzlichen Anstieg der Risikoaversion die SNB rasch reagieren und sich daher alle Op-tionen offen halten sollte.

Abschöpfen fällt leichter

Doch die umfassenden Interventionen der Notenbank müssen dereinst rückgängig gemacht werden. Die in die Wirtschaft gepumpten Mittel müssen wieder entfernt werden, ohne dabei die Konjunktur abzuwürgen. «Es wurde bereits Liquidität abgeschöpft, und es ist für die SNB vergleichsweise einfach, weitere Geldmittel aus den Märkten zu nehmen», so Staunovo. Durch Repogeschäfte oder die Emission von Schuldverschreibungen, sogenannten SNB Bills, könne sie Kapital binden. Gegenüber anderen Zentralbanken ist sie damit in einer vorteilhaften Position. Doch die Notenbanker werden vorerst das Ziel für den Drei-Monats-Libor bei 0,25% belassen. «Wir gehen in der Schweiz nur von sehr graduellen Zinserhöhungen aus und denken, die SNB werde sich erst in der 2. Jahreshälfte 2010 von ihrer Quasi-Nullzinspolitik verabschieden», so Thomas Herrmann, Ökonom bei der Credit Suisse. Die UBS-Experten gehen davon aus, dass Zinsschritte der SNB im September und dann noch einmal im Dezember erfolgen könnten. Die Anpassungen dürften jeweils bei 50 Basispunkten liegen.

Anzeige

EZB und Fed in Lauerstellung

Auch in der Eurozone deuten die neusten Daten zum europäi-schen Einkaufsmanagerindex auf eine Erholung hin. Die Währungshüter in Brüssel könnten daher bereits auf den möglichen Aufschwung reagieren. «Die EZB wird eine restriktivere Geldpolitik verfolgen als die SNB», so Staunovo. Im 1. Halbjahr 2010 bleiben die Zinsen jedoch unverändert.

Doch könnte die Notenbank eine res-triktivere Geldpolitik andeuten und zudem detaillierter über die Exit-Strategie aus den unkonventionellen Massnahmen informieren. Jedoch habe die EZB im Vergleich zur Fed oder der Bank of England nur relativ geringe Bondvolumen am Markt gekauft.

Laut Herrmann mehren sich auch in den USA die positiven Signale. So deute sich zumindest eine Stabilisierung des Arbeitsmarkts an. «Die kommenden Beschäftigungszahlen könnten unseres Erachtens eine positive Überraschung bringen, und dies wäre sowohl positiv für die Stimmung an den Märkten als auch für die sich verbessernde Einschätzung der Wirtschaftslage durch die US-Notenbank», so der CS-Ökonom. Doch die Fed habe etwa durch das grosse Engagement bei den Staatsanleihen ein neues Prob-lem geschaffen: Das Ausbleiben der gewaltigen Regierungsstimuli könnte in Zukunft negative Effekte auf die US-Wirtschaft haben.

Andere Notenbanken reagieren

Die Credit Suisse verfolgt mit Interesse die unterschiedliche Entwicklung der globalen Zinspolitik. Während der Krise wurden die Zinsen zumeist gemeinsam gesenkt. Nun sei wieder ein unterschiedliches Vorgehen in der Zinspolitik zu erkennen. Vor allem Volkswirtschaften, die nur eine sehr milde Rezession erlebt hätten und etwa von der Widerstandsfähigkeit Chinas oder dem Anstieg der Rohstoffpreise profitiert hätten, würden als Erste wieder die Zinsen erhöhen. Beispiele dafür sind etwa Australien und Norwegen, welche als erste Zentralbanken die Zinszügel angezogen haben. Die Credit Suisse erwartet, dass in den kommenden Quartalen weitere Notenbanken folgen werden. Korea könnte ein weiterer Kandidat sein. Das könne zu Bewegung bei den Währungen führen.

UBS-Ökonom Staunovo geht davon aus, dass Interven- tionen bei den Wechselkursen Dollar/Franken und Euro/Franken jederzeit möglich sind. Es sei jedoch vorstellbar, dass die SNB früher oder später ihr Ziel aufgeben werde, einen Anstieg des Frankens um jeden Preis zu verhindern. Der Fall unter die Grenze von 1.50 Fr. pro Euro sei etwa möglich, wenn sich die globale Wirtschaftslage weiter normalisiert und der Euro-Franken-Kurs dadurch wieder zulegen wird. «Vor Zinserhöhungen dürfte die SNB zunächst damit aufhören, sich gegen eine Frankenaufwertung zu stellen», erwartet auch Thomas Herrmann.

Anleihen unter Druck

In diesem Umfeld, so die Analys-ten der Bank Sarasin, könne es in den ersten Monaten des neuen Jahres für die globalen Anleihenmärkte schwierig werden. Die Wirtschaftsaussichten könnten sich immer wieder eintrüben. Vor allem die Anleihenrenditen von US-Bonds dürften darauf sehr volatil reagieren. Jedoch könnten Schweizer Anleihenrenditen im 1. Quartal 2010 steigen, da eine Erholung der Weltwirtschaft auch dem Schweizer Export helfen würde.