Anfang des Monats haben spektakuläre Übernahmevorstösse für Aufsehen gesorgt: Disney zahlt 4 Mrd Dollar für das Comiche-Heldenheim Marvel. Der Öldienstleister Baker Hughes legt 5,5 Mrd Dollar für BJ Service hin. Und Kraft Foods bot sogar 16 Mrd Dollar für den Süsswarenhersteller Cadbury.

Firmen sind noch günstig

Während der Finanzkrise waren die Unternehmen darauf konzentriert, die eigene Liquidität zu sichern. Noch im 1. Halbjahr 2009 lag das Volumen der angekündigten Deals laut Datendienst Dealogic mehr als 60% unter dem Niveau des Rekordjahrs 2007. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verbessert: Die Konjunktur hat sich stabilisiert.

«Die Erträge der Unternehmen schwanken nicht mehr so stark. Ausserdem ist es leichter geworden, Kapital aufzunehmen», erklärt Wilhelm Schulz von der Citigroup die Dynamik im internationalen M&A-Markt. «Die Zeit für eine Belebung ist gekommen», sagt auch Stratege Andrew Garthwaite von Credit Suisse.Was ebenfalls für frischen Wind bei Übernahmen spricht: Viele Unternehmen sind trotz der deutlichen Kurssteigerungen an den Börsen im historischen Vergleich noch immer günstig. Und da die Banken wieder offensiver Kredite gewähren, sind selbst grosse feindliche Übernahmen ein Thema, wie die Attacke auf Cadbury belegt. Eine Rückkehr zu den Extremen vergangener Jahre, als Unternehmen hohe finanzielle und strategische Risiken in Kauf nahmen, dürfte es allerdings nicht so schnell geben. «Der Fokus bei Übernahmen liegt derzeit vor allem darauf, über Synergien die Kosten zu senken. Durch Übernahmen neue Geschäftsfelder zu erschliessen, wäre angesichts der noch immer unsicheren Konjunkturlage riskant», erklärt Experte Schulz. Die Krise hat zudem die Machtverhältnisse innerhalb vieler Branchen verschoben: Finanziell schwache Unternehmen sind nicht nur potenzielle Opfer feindlicher Übernahmen. Manche Firmen stehen unter so hohem finanziellen Druck, dass sie freiwillig Unternehmensteile verkaufen, um so Schulden abzubauen.Ähnlich geht es den Private-Equity-Gesellschaften. Sie hatten während der Finanzkrise keine Chance, Beteiligungen abzustossen und sind zum Teil hoch verschuldet. Arabische Staatsfonds dürften dank des gestiegenen Ölpreises offensiver investieren, etwa als Ankerinvestor bei Konzernen, die eine feindliche Übernahme fürchten. Zudem könnten Konzerne, die Minderheitsbeteiligungen halten, die Gunst der Stunde für eine Komplettübernahme nutzen.

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Gut 20 Prozent Rendite

Für Anleger können Übernahmekandidaten ein attraktives Investment sein. Disneys Offerte bescherte Marvel ein Kursplus von 25%. Cadbury schmetterte ein Gebot von 30% über Börsenwert als zu niedrig ab. Laut Citigroup bringen feindliche Übernahmen den Aktionären des aufgekauften Unternehmens im Schnitt gut 20% Kursplus.