Die Verwerfungen an den Finanzmärkten haben die Hedge-Fonds nicht unberührt gelassen. Nicht nur die Performance dieser alternativen Anlagevehikel ist enttäuschend ausgefallen, auch das zuvor rasante Wachstum wurde abrupt gestoppt. Seit dem Ausbruch der Subprime-Krise haben sich die Volumen deutlich zurückgebildet. Die Mehrzahl der Fund of Hedge Funds wird im abgelaufenen Jahr erstmals seit 1994 wieder ein negatives Jahresergebnis und einen Netto-Mittelabfluss ausweisen. Philipp Cottier, Board Member bei Harcourt, relativiert allerdings die Verluste: «Hedge-Fonds haben bedeutend weniger an Wert eingebüsst als etwa Aktien.»

Illiquidität schlägt durch

Es gibt jedoch Erfahrungswerte, die bei einem künftigen Engagement in dieser Anlageklasse zu beachten sind. Die alternativen Investements wurden bisher mit dem Argument angepriesen, dass die Korrelation zu anderen Anlageklassen relativ gering sei. Die abrupten Marktdislokationen der letzten Monate haben die Korrelation jedoch massiv erhöht. Auch die Illiquidität hat auf die Hedge-Fonds durchgeschlagen. Gleichzeitig gab es die Flucht in die Sicherheit. Es kam zu grossen Positionsverkäufen unter Zeitdruck, die meist nur mit grossen Preisabschlägen realisiert werden konnten. Schliesslich stiegen die operationellen Risiken. Die Gegenparteien, wie Broker, Custodian, OTC-Derivate und Security Lending Counterparties, wiesen in der Krise ein erhöhtes Ausfallrisiko auf.

Insgesamt stuft Philipp Cottier die nächsten Monate für die Hedge-Fonds als schwierig ein. Den Fund of Hedge Funds würden sich im laufenden Jahr aber auch gute Handels- und Investmentmöglichkeiten bieten. Auf lange Frist erwartet er in der Branche eine Trennung zwischen Spreu und Weizen. Daraus werde die Hedge-Fonds-Industrie gestärkt hervorgehen.

Anzeige

Die Branche ist aber auch vermehrt dem Ruf nach zunehmender Regulierung ausgesetzt. Es laufen unterschiedliche internationale Anstrengungen, um qualifizierte Anforderungen in Bezug auf Registrierung, Transparenz und Bewertungsgrundsätze zu definieren und durchzusetzen. Matthäus Den Otter, CEO Swiss Funds Asociation (SFA), verweist allerdings darauf, dass Hedge-Fonds privat gehaltene Vermögens-Pools sind und deshalb nicht mit börsenkotierten Aktien vergleichbar sind: «Die Informationen gegenüber der Öffentlichkeit werden immer limitiert sein.»

Operationelle Risiken

Die Finanzkrise wird unter anderem zur Folge haben, dass operationelle Risiken noch stärker diversifiziert werden. Speziell die Primebroker Services werden bezüglich Handelslimite als auch der Ausscheidung von Sondervermögen in Bezug auf Geldmarktanlagen und sonstige Auflagen kritisch hinterfragt.

Obwohl die Krise auf dem Höhepunkt scheint, dürften die Volatilitäten noch auf absehbare Zeit auf einem höheren Niveau verharren. Marktexperten betonen, dass die Renditeerwartungen an Hedge-Fonds durchaus positiv sind, sobald die Marktmechanismen wieder einigermassen greifen. Allerdings werden nicht alle Strategien gleich attraktive Risikoprämien abschöpfen können. Managed Futures, Global Macro und Distressed Manager dürften voraussichtlich ein attraktiveres Umfeld antreffen als auf Leverage angewiesene Arbitrageure. Der weltweite Deleverage-Prozess wird dafür sorgen, dass der Spielraum für sämtliche Marktteilnehmer massiv eingeschränkt bleibt. In den nachfolgenden Aufschwungphasen können dafür doppelt so hohe Renditen als die normalen 8% erwirtschaftet werden.