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Mischkonzern
Der Ausverkauf bei Swissport-Mutter HNA setzt sich fort

HNA
HNA: Der Konzern kämpft an vielen Fronten und um die Existenz.Quelle: Keystone

Erstmals seit langem konnten Aktien von HNA-Firmen gehandelt werden. Die Titel stürzten ab. Doch HNA hat noch grössere Probleme.

Gabriel Knupfer
Von Gabriel Knupfer
am 03.08.2018

Erstmals seit Januar konnten Anleger die Aktien von mehreren in China gelisteten Firmen des Konglomerats HNA wieder handeln – und haben die Gelegenheit zu Verkäufen genutzt. Die Papiere der drei Tochterfirmen Hainan Airlines, Caissa Travel und CCOOP brachen am Freitag jeweils um zehn Prozent ein, das ist der maximal mögliche Tagesverlust.

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Doch die chinesische Swissport-Mutter wird noch von anderen Problemen geplagt. HNA ist nach einer 50-Milliarden-Dollar-Einkaufstour auf Pump in Schieflage geraten. Zu den zusammengekauften Firmen gehört auch ein wichtiger Teil des Nachlasses der ehemaligen Swissair.

Schulden angehäuft

In der Schweiz hat HNA die Ex-Swissair-Töchter Swissport, SR Technics und Gategroup gekauft, zudem gibt es Beteiligungen an Dufry und HG Storage International. In anderen Ländern ist HNA unter anderem Grossaktionär der Deutschen Bank und der Hilton Hotelgruppe, sowie Besitzer des US-Elektronikgrosshändlers Ingram Micro.

Um den gewaltigen Schuldenberg abzubauen, auf dem HNA nach der Einkaufstour sitzt, hat der Mischkonzern zuletzt einen Strategiewechsel vollzogen. Die Firma versucht seit Monaten, Beteiligungen und Immobilien zu verkaufen, um an flüssige Mittel zu kommen. Um Zeit für den Umbau des Konglomerats zu gewinnen, wurden zudem die Aktien der HNA-Firmen in China vom Handel ausgesetzt. Einige Titel können weiterhin nicht gehandelt werden. Die geplanten Börsengange von Swissport und Gategroup wurden im Frühling abgeblasen.

Wang Jian
Wang Jian: Der 57-jährige Manager starb während einer Geschäftsreise in Frankreich.
Quelle: Keystone .

Mitgründer in Frankreich gestorben

Zusätzlich zu den finanziellen Problemen kommt eine Führungskrise. Im Juli kam der Mitgründer und Co-Verwaltungsratschef Wang Jian bei einem Unfall in Südfrankreich ums Leben. Wang hielt knapp 15 Prozent an HNA und gehörte neben dem verbleibenden Verwaltungsratspräsidenten Cheng Feng zu den einflussreichsten Figuren im Konzern.

Wangs Anteil dürfte nun an eine der Stiftungen gehen, die HNA kontrollieren. Diese tragen den Namen Hainan Cihang und sind in China und New York domiziliert. Insidern zufolge wird die IRS, die oberste Steuerbehörde der USA, der New Yorker Stiftung jedoch die Zulassung verweigern. Grund für die Verweigerung der Zulassung sei offenbar, dass die HNA-Gruppe die Eigentumsverhältnisse des Konzerns nicht ausreichend darlegen könne, berichtete die deutsche «Wirtschaftswoche» im Juli.

Aktien verpfändet

Wang und Feng hatten HNA mit einigen anderen Investoren in 25 Jahren von einer lokalen Airline der chinesischen Ferieninsel Hainan zum globalen Konglomerat aufgebaut. Erst 2017 geriet die Einkaufstour ins Stocken, nachdem Zweifel über die Fähigkeit von HNA aufgekommen waren, die Schulden zurückzubezahlen.

Laut «South China Morning Post» hatte HNA seine Einkaufstour finanziert, indem Anteile von Tochterfirmen wie Swissport als Pfand für Kredite hinterlegt wurden. Zwar ist die Verpfändung von Aktien an sich nicht ungewöhnlich. Doch der Umfang und die Komplexität von HNAs Kreditaufnahmen sei «ein bisschen besorgniserregend», sagte Analystin Carol Yuan vom Vermögensverwalter Aberdeen damals gegenüber der Zeitung.

(mit Material von Reuters)