Bis anhin «war AWD für Mobiliar keine Konkurrenz», sagt Urs Berger, CEO der Mobiliar-Genossenschaft in Bern. Doch das dürfte sich ändern. Mit der verstärkten Einbindung von AWD in Swiss Life könnten der Mobiliar bald aus den eigenen Reihen Neugeschäfte abgeluchst werden.

Seit 2007 führt Mobiliar eine Kooperation mit Swiss Life. Gegenstand der Zusammenarbeit ist die gegenseitige Vermittlung von Versicherungsprodukten. Dabei vermittelt Swiss Life Versicherungsprodukte von Mobiliar im Nichtleben-Bereich. Im Gegenzug leitet Mobiliar Kunden an Swiss Life weiter, deren Bedürfnisse ausserhalb der eigenen Produktepallette in der privaten Vorsorge liegen und BVG-Lösungen für kleine- und mittlere Unternehmen.

Was harzig begann, scheint sich erfreulich zu entwickeln. «Gegenüber 2007 sind die von der Mobiliar vermittelten Neugeschäfte 2008 deutlich gewachsen», sagt Frank Keidel, Mediensprecher Swiss Life. Dies wiederum bestätigt auch Urs Berger. Dennoch sorgt die im vergangenen Jahr gestartete Verbindung zwischen Swiss Life und dem deutschen, unabhängigen Finanzvertrieb AWD bei den Genossenschaftern für gemischte Gefühle. «Die AWD-Akquisition ist für uns nicht die glücklichste Aktivität gewesen, welche wir von Swiss Life bis anhin gesehen haben», sagt der Mobiliar-CEO.

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Zunehmende Konkurrenz

Zwar überschneidet sich gemäss Berger die AWD-Übernahme bis anhin nicht mit der eingegangenen Swiss-Life-Kooperation. «Wie die Zusammenarbeit aber zukünftig genau funktionieren soll, wenn AWD verstärkt in Swiss Life eingebunden wird, ist derzeit unklar», sagt er. Beruhigt wird der CEO zumindest, was den Austausch der Kundendaten anbelangt. «AWD und Swiss Life bearbeiten weiterhin selbstständig den Markt Schweiz. Ein Austausch von Kundendaten findet nicht statt, auch nicht, um Kunden Nichtleben-Produkte zu vermitteln», erklärt Mediensprecher Keidel.

Fakt ist aber, dass Swiss Life mit ihrem Zukauf einem weiteren Konkurrenten den Zutritt auf dem bereits gesättigten Schweizer Versicherungsmarkt erleichtert.

Mit drei Vierteln der Prämieneinnahmen konzentriert sich Mobiliars Haupttätigkeit auf das Nichtleben-Geschäft. Bereitet den Genossenschaftern nun der Produktevertrieb von AWD im Nichtleben-Bereich zunehmend schlaflose Nächte? «Jeder Verkäufer hat Angst davor, einen Kunden an die Konkurrenz zu verlieren und damit ein mögliches Geschäft zu verpassen», sagt Berger. Unglücklich sei dabei vor allem, wenn nun Kunden quasi aus den eigenen Reihen abgeworben werden, so der Mobiliar-CEO.

Dieser Konkurrenzdruck dürfte sich mit der vorgeschlagenen Wahl von AWD-Gründer Carsten Masch-meyer in den Swiss-Life-Verwaltungsrat noch verstärken. Davon zeigt sich Mobiliar aber unberührt. «Wir haben eine starke Position auf dem Schweizer Versicherungsmarkt», sagt Berger (siehe «Nachgefragt»).

Klar ist, dass den Berner in Sachen Leben-Produkte kaum eine andere Wahl bleibt, als auf den reinen Lebenversicherer Swiss Life zu setzen. So wäre die Ausdehnung der bereits bestehenden privaten Vorsorge mit einem erheblichen Kostenaufwand verbunden.

 

 

NACHGEFRAGT Urs Berger, CEO Mobiliar


«Werden vermehrt Beteiligungen sehen»

Wird AWD zunehmend zu einer Konkurrentin von Mobiliar?

Urs Berger: Klar ist, dass AWD Interesse hat, sowohl ihre Leben- als auch Nichtleben-Produkte zu vertreiben. Wir haben aber eine starke Position auf dem hiesigen Versicherungsmarkt und machen uns daher keine weiteren Sorgen.

Zieht Mobiliar andere Kooperationspartner in Betracht?

Berger: Swiss Life ist unser bevorzugter Partner. Die Kooperation ist für beide eine interessante Ergänzung zu den bestehenden Geschäftstätigkeiten.

Ist es eine Alternative die Ausdehnung der privaten Vorsorgeprodukte im eigenen Haus zu forcieren?

Berger: Dafür müssten wir sehr viel in Produkte- und Systementwicklungen investieren. Der Kostenaufwand würde sich in der heutigen Zeit nicht lohnen.

Nun hält AWD-Gründer Carsten Maschmeyer Einzug in den Swiss-Life-Verwaltungsrat. Was hat der Schweizer Markt den Deutschen zu bieten?

Berger: Der Schweizer Versicherungsmarkt ist ein Markt mit guter Entwicklung und soliden Renditen. Daher überrascht es mich nicht, dass die Deutschen Interesse an uns haben.

Werden die Schweizer Versicherer zunehmend deutsch?

Berger: Ich denke, dass wir in Zukunft vermehrt strategische Beteiligungen sehen werden. Dies ist aber eine gute Sache. Damit erhöht sich die Schlagkraft, ohne dass die Identität einer Unternehmung verloren geht, im Gegensatz zu Übernahmen/Fusionen.