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Der Barriquepionier vom Bielersee

Seit nunmehr 30 Jahren keltert der initiative Winzer auf seiner Domaine Schernelz Village eine ansehnliche Palette von ausgezeichneten Gewächsen. Mit von der Partie sind auch seine Frau Annemarie und

Von Rudolf Trefzer
am 29.07.2008

Die Domaine Schernelz Village von Charles Steiner liegt hoch über dem Bielerseee im zur Gemeinde Ligerz gehörenden Weiler Schernelz. Ihr Mann Charles sei nicht – wie abgemacht – zu Hause, entschuldigt sich Annemarie Steiner. Er habe überraschend wegfahren müssen, um als Experte einen Hagelschaden zu beurteilen. «Nein, nicht bei den eigenen Reben, sondern bei jenen eines Kollegen. Unsere eigenen Rebkulturen sind bereits vor zwei Wochen von einer durchziehenden Hagelfront stark geschädigt worden, sodass wir wohl dieses Jahr gewisse Weine nicht werden erzeugen können», erklärt Annemarie Steiner.

Chasselas und Pinot noir

Bis noch vor wenigen Jahre waren es vor allem zwei Weine, die man in den steilen Rebbergen auf den kargen, kalthaltigen Böden am steilen Westufer des Bielersees kelterte: Weissen Chasselas und roten Pinot noir. Noch heute sind 80% des insgesamt 225 ha umfassenden Reblandes am Bielersee mit diesen beiden traditionellen Sorten bestockt. Auch die Eltern der beiden Brüder Charles und Kurt Steiner, die in Schernelz das Restaurant Aux trois Amis betrieben, erzeugte mit diesen beiden Sorten ihren eigenen Hauswein. Nachdem Kurt Steiner Koch gelernt hatte, übernahm er den elterlichen Restaurationsbetrieb.

Vor genau 30 Jahren Premiere

Charles dagegen entschied sich für den Weinbau. Ende der 1960er Jahre absolvierte er als Erster im Kanton Bern eine Winzerlehre. 1978 erzeugte er, nach Fertigstellung des eigenen Rebhauses, seinen ersten eigenen Jahrgang. Doch Steiner ist nicht einer, der sich mit dem, was man schon immer gemacht hat, zufrieden gibt. Als einer der ersten in der Region wagte er es auch, Pinot noir in burgundischer Manier im Barrique auszubauen und den Anbau von neuen Sorten in Erwägung zu ziehen.

Doch das damals noch restriktive Berner Weingesetz, das neben den beiden klassischen Sorten Chasselas und Pinot noir nur gerade Riesling x Silvaner und Gewürztraminer zuliess, stand dem initiativen Winzer im Wege. Die Steiners erwogen deshalb ernsthaft, nach Australien auszuwandern. Gerade rechtzeitig wurde 1995 dann aber im Kanton Bern ein liberales Weinbaugesetz verabschiedet, das auch die Kultivierung von anderen Varietäten zuliess. «Nach vielen Diskussionen», so Annemarie Steiner, «beschlossen wir, in Schernelz zu bleiben.»

Heute kultivieren die Steiners auf 7,5 ha Rebland 13 verschiedene Sorten. Neben Chasselas und Pinot noir, die nach wie vor den Löwenanteil stellen, runden bei den weissen Sorten, die insgesamt zwei Drittel der Rebfläche ausmachen, der leicht restsüss ausgebaute Müller-Thurgau, Chardonnay, Pinot gris, Sauvignon blanc, Gewürztraminer, Rheinriesling sowie süsse, mittels Cryo-Extraktion gekelterte Freisamer die Palette ab.

Bei den roten Varietäten ergänzen Syrah und der auf Wunsch von Tochter Sabine gepflanzte Malbec den Rebsortenspiegel. Letztere beide werden nicht reinsortig abgefüllt, sondern zusammen mit Pinot noir zur Cuvée Steiner assembliert.

Syrah und Malbec am Bielersee? Reifen die jedes Jahr aus? «Wenn man den Ertrag stark reduziert, reifen die gut aus», antwortet Annemarie Steiner. «Doch sie geben uns viel Arbeit, sodass wir die beiden Sorten wohl nicht mehr anpflanzen würden.»

Wichtige Güterzusammenlegung

Zusätzliche Arbeit beschert den Steiners – und ihren Kollegen – die Zerstückelung der Rebfläche auf viele Klein- und Kleinstparzellen. Als Folge unzähliger Erbteilungen bewirtschaften die Steiners über 50 verschiedene Parzellen. Eine merkliche Verbesserung wird die Güterzusammenlegung bringen, die ab Januar 2009 in Kraft treten und die Zahl ihrer Reblagen auf fünf reduzieren wird. Dies bietet zugleich die Gelegenheit, das Weinangebot zu straffen. «Wir werden zwar weiterhin unsere Spezialitäten pflegen», erklärt Annemarie Steiner, «doch wollen wir uns noch mehr auf den Pinot noir sowie die drei weissen Sorten Chasselas, Chardonnay und Sauvignon blanc konzentrieren.»

Eine besondere Affinität hat Charles Steiner für die klassischen Burgundersorten Chardonnay und Pinot noir. Von Letzterem pflanzte er Ende der 1990er Jahre aus dem Burgund stammende Klone. Und bestimmt ist es nicht nur Einbildung, dass dem Chardonnay jene nuancenreiche Frische und den Pinot noirs (insbesondere dem im Barrique ausgebauten) die samtene und zugleich stoffige Eleganz eigen ist, die gute Burgundergewächse auszeichnet.

Der Sauvignon blanc ist dagegen Tochter Sabines Steckenpferd. Wenn sie an der Universität Freiburg ihr Studium im Bereich Medien und Kommunikation abgeschlossen hat, wird sie demnächst als dritte Kraft im Steinerschen Familienbetrieb mitarbeiten.

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