Die Rollende Autobahn (Rola) ist kein Auslaufmodell; dies schon deshalb nicht, weil sie einen problemlosen Umstieg auf den Kombiverkehr ermöglicht. Denn Kunden, die sich dafür entscheiden, müssen weder neue Kooperationen schmieden oder Schnittstellen schaffen, noch in spezielle Hardware wie kranbare Sattelauflieger investieren. Diese Faktoren stellen für die Rola eine grosse Chance dar. Sollten jedoch widrige Rahmenbedingungen ihr Preis-Leistungs-Verhältnis ins Wanken bringen, so kehren solche Transporte prompt wieder auf die Strasse zurück. Das inhärente Geschäftsrisiko bereitet René Dancet, dem Geschäftsführer der RAlpin AG, Sorgen.

4 Meter Eckhöhe: Kein Problem

Das Unternehmen setzt für den Lastwagentransport achtachsige Niederflurtragwagen ein. Dank ihrer extrem tiefen Bauweise können sie Fahrzeuge mit bis zu 4 m Eckhöhe aufnehmen. Wegen des geringen Raddurchmessers von 36 bis 38 cm - jener normaler Güterwagen bringt es auf das Zweieinhalbfache - verursachen Niederflurtragwagen relativ hohe Beschaffungs- und Instandhaltungskosten.

Abgesehen davon, dass Rola-Fahrten eine ökologisch sinnvolle Alternative zur Strasse seien, brächten sie Kunden handfesten Nutzen, betont Dancet. Firmen, die im Alpentransit für den Begleiteten Kombiverkehr optierten, erhielten gleich vier Trümpfe: Sie brauchen keine Leistungsabhängige Schwerverkehrsab- gabe (LSVA) zu entrichten und können - jedenfalls für die rund 400 km des Transits - hohe Treibstoffkosten vergessen;

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sie profitieren auf Strecken zwischen zwei Ländern der Europäischen Union vom Fortfall der Grenzzollformalitäten, was angesichts der chronischen Staus in Basel und Chiasso «auch eine Zeitfrage ist»;

sie können das Sonntags-/Nachtfahrverbot für Lastwagen umgehen, wodurch sich Transporte vor/nach Wochenenden verlängern lassen und gegenüber der Strasse ein erheblicher Vorsprung herauszuholen ist;

sie ziehen finanziellen Nutzen durch Zeitersparnis, was nicht zuletzt für die etwa zehnstündige Bahnpassage gilt, die den Fahrern voll als gesetzliche Ruhezeit angerechnet wird.

Rolas dienen der Überwindung topografischer Hindernisse. «Ihre Funktion ähnelt jener von Fähren», vergleicht Dancet, «nur dass sie nicht Meere, sondern ökologisch sensible Alpenregionen durchqueren.» Das europäische Angebot im Begleiteten Kombiverkehr (BKV) - es wird gelegentlich als «anachronistisch» verteufelt, da beladene Lastwagen nebst Chauffeuren statt nur deren Güter auf die Bahnreise gehen - umfasst elf Verbindungen in Österreich sowie seit Anfang 2009 nur noch zwei in der Schweiz.

Die gesetzlich verankerte Verkehrsverlagerung zugunsten der Schiene könne dem Unbegleiteten und Begleiteten Kombiverkehr (UKV/BKV) nur gelingen, wenn entsprechende politische Rahmenbedingungen herrschten und Massnahmen implementiert werden, Eisenbahnen ihre Kapazitäten steigerten sowie die Wettbewerbsparität zwischen Strasse und Schiene gewährleistet bleibe, konstatiert Dancet.

Zu den verkehrspolitisch erforderlichen Leitplanken des UKV und BKV zählt er die seit Anfang dieses Jahres fällige LSVA-Erhöhung, die Beibehaltung des Sonntags-/Nachtfahrverbots für schwere Lastwagen, die Modernisierung und Kapazitätsverbesserung der Bahninfrastruktur, die Fortsetzung der Subventionen für den Kombiverkehrsbetrieb, die Anpassung des Trassenpreissystems sowie die Neuregelung der Prioritäten im schienengebundenen Personen- und Güterverkehr.

Drei Massnahmen sind wichtig

Auf die Rola bezogen, sind seiner Meinung nach drei Massnahmen vorrangig:

Ausbau der Infrastrukturen, insbesondere auf der italienischen Strecke zwischen Domodossola und Novara, um Züge mit 25 Wagen statt zurzeit maximal 20 fahren zu können;

Erweiterung der Terminalanlagen im Norden und Süden zwecks Betriebsoptimierung und Kapazitätserhöhung;

langfristige Garantie des Rola-Angebots zur Absicherung von Investitionen in Niederflurtragwagen, Begleitwagen und Terminals.