STRATEGIEFONDS. Die letzten zwölf Monate waren für einige Anleger wohl ein Jahr der Ernüchterung. Zahlreiche renommierte Investmentbanken sahen sich gezwungen, Milliardenbeträge abzuschreiben. Auch unter den privaten Investoren haben sich manche mit strukturierten Produkten die Finger verbrannt. Dagegen zeigen Strategiefonds auch in schwierigen Phasen ihre Stärken.

Der Börsenboom der letzten Jahre hat etliche Anleger unvorsichtig werden lassen. Das gleichzeitig tiefe Zinsniveau und die bescheidenen Renditen der Obligationen verleiteten ebenfalls zu einem grösseren Risikoappetit. Entsprechend gefragt waren die vielen neu lancierten Finanzprodukte. Deren Konstruktionsweise, so wurde zum Teil suggeriert, erlaube eine hohe Rendite bei gleichzeitig geringem Risiko – eine Quadratur des Zirkels. Hinzu kommt: Bei einigen dieser Produkte lässt sich das Risikoprofil nur mit grossem Fachwissen korrekt beurteilen. Entsprechend anspruchsvoll ist es für den Privatanleger, sie innerhalb der definierten Portfoliostrategie sinnvoll einzusetzen.

Trügerische Sicherheit

Bei den boomenden Barrier Reverse Convertibles zum Beispiel wirkte der hohe, oftmals gar zweistellige Coupon auf den ersten Blick durchaus attraktiv. Durch die vermeintlich tiefe Barriere, die der Basiswert allerdings nicht berühren oder unterschreiten darf, wähnten sich zahlreiche Käufer zudem in einer trügerischen Sicherheit. Einige dieser neuen Finanzprodukte haben in den volatilen Märkten der letzten Monate Schwächen gezeigt. So haben zahlreiche Barrier Reverse Convertibles auf Finanzwerte ihre Barriere unterschritten. Strategiefonds hingegen sind so konzipiert, dass sie auch bei einem rauen Börsenklima ein günstiges Rendite-Risiko-Profil aufweisen. Die wichtigsten Gründe:

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• Breite Diversifikation Bei einem Strategiefonds ist das Portfolio bereits bei einem geringen Anlagevolumen optimal diversifiziert, während etwa Reverse Convertibles meist auf einer einzigen oder ein paar wenigen Aktien basieren. Bei solchen Produkten mit mehreren Basiswerten gingen etliche Käufer gar von der falschen Annahme aus, dass ihr Investment dadurch breiter abgestützt sei. Das Gegenteil ist der Fall: Bei einem Worst of Barrier Reverse Convertible steigt das Risiko mit der Zahl der Basiswerte an. Es genügt, dass ein Titel die Barriere berührt, und das gesamte Kapital wird in die Aktie mit der schlechtesten Performance umgetauscht. Somit kann im Depot ein Klumpenrisiko bestehen, ohne dass sich der Anleger dessen bewusst ist. Diese Gefahr ist bei einem Strategiefonds weniger ausgeprägt.• Systematischer Vermögensaufbau Den grössten Einfluss auf die Rendite hat die strategische Vermögensaufteilung (Asset Allocation), welche unter Berücksichtigung des jeweiligen Anlagehorizonts sowie der Risikofähigkeit und Risikotoleranz des Anlegers definiert wird. Genau hier spielt der Strategiefonds seine Stärke aus: Mit ihm hält der Investor konsequent an der auf ihn zugeschnittenen Anlagestrategie fest.

Diese Konsequenz in der Umsetzung hat wohl dazu beigetragen, dass Strategiefonds mancherorts ein eher verstaubtes Image haben. Doch über die lange Frist zahlt sich eine solche konsequente Strategieverfolgung aus: Der Anleger schützt sich vor dem oft beobachteten prozyklischen Investitionsverhalten. Er kauft beispielsweise keine Technologieaktien, nachdem diese bereits überdurchschnittliche Gewinne verzeichnet haben. Und er läuft nicht Gefahr, seine Fehlentscheide just in dem Moment zu korrigieren, da eine Baisse ihren Tiefpunkt erreicht hat.

Angst und Gier

Letztlich sind es stets die gleichen Fussangeln, welche zu einer unterdurchschnittlichen Performance führen: Mangelnde Diversifikation und Selbstüberschätzung des Anlegers, gekoppelt mit einem abwechselnd von Angst und Gier geprägten Investitionsverhalten. Diese Gefahren lassen sich mit einem Strategiefonds eindämmen. Das regelmässige Rebalancing bei diesen Fonds sorgt sogar für zusätzliche Sicherheit: Erzielt eine Anlageklasse eine überdurchschnittliche Rendite, wird ihr Anteil im Portfolio automatisch reduziert. Auf diese Weise können Kursgewinne nach einer Euphoriephase bei einzelnen Anlageklassen realisiert werden, bevor die zu erwartende Korrektur erfolgt. Bei strukturierten Finanzprodukten hingegen verändert sich das Risikoprofil des Portfolios fortlaufend, je nach Entwicklung der Börse. Dies verlangt vom Anleger eine ständige Überwachung seines Depots. Je komplexer die Konstruktionsweise des Produkts, desto mehr Fachwissen muss der Investor mitbringen, um diese Veränderungen in der Risikostruktur des Portfolios nachvollziehen und überwachen zu können. Mit einem Strategiefonds kann der Käufer diese anspruchsvolle Arbeit bequem an den Fondsmanager delegieren.

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• Transparenz Im Trend liegende, stark beworbene Finanzprodukte haben oftmals den Nachteil hoher Gebühren, die nicht immer transparent ausgewiesen werden. Viele Anleger unterschätzen zudem den negativen Einfluss dieser Kosten auf die Performance. Bei den Strategiefonds sind die Gebühren dagegen klar deklariert. Der Käufer hat somit die Möglichkeit, die Produkte der verschiedenen Anbieter zu vergleichen und einen günstigen Fonds auszuwählen.

Zwar stehen die Strategiefonds kaum je in den Schlagzeilen. Trotzdem haben sie im Anlagefondsmarkt ihren festen Platz behauptet. In den 90er Jahren kletterte ihr Anteil am gesamten Fondsvolumen in der Schweiz in kurzer Zeit von unter 5 auf über 20%. Die anhaltende Popularität der Strategiefonds zeigt, dass sie sich – trotz ihrer unspektakulären Wesensart – sowohl in guten als auch in schlechten Börsenzeiten bewähren. Sie bilden ein erstklassiges Fundament für jedes Portfolio. Wer zusätzlich etwas Action beim Anlegen sucht und über Möglichkeiten verfügt, das Börsengeschehen aufmerksam zu verfolgen, kann daneben durchaus mit einem Teil des Ersparten aktiv an der Börse handeln. Mit einem soliden Strategiefonds als langfristiger Kernanlage muss man aber selbst in schwierigen Börsenjahren wie 2007 und 2008 nicht mit schlaflosen Nächten rechnen.

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