Neben der Schweizer Börse interessiert ihn noch eine ganz andere Börse - jene für Schmetterlinge: Peter Gomez, Verwaltungsratspräsident der SIX Swiss Exchange, war schon als Bub mit der Botanisierbüchse und dem Fangnetz unterwegs. Sein spärliches Sackgeld investierte er in den Kauf von schönen exotischen Exemplaren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur, dass er sich nicht mehr mit stark verbilligten, weil beschädigten Objekten für 50 Rp. begnügen muss.

Wer jetzt aber davon ausgeht, der Bubentraum hätte sich in eine gewinnbringende Geldanlage verwandelt, liegt voll daneben. Gomez denkt nicht im Traum daran, seine Sammlung zu versilbern. Dafür hängt er viel zu sehr an seinen Exoten.

Wie bei vielen Sammlern konzentriert sich sein Interesse auf eine spezielle Nische: Ihm haben es afrikanische Schmetterlinge angetan. Das hängt damit zusammen, dass sie den Grundstock seiner ersten grossen Erwerbung bildeten. Zudem wird es immer schwieriger, wenn nicht gar unmöglich, aus dieser Region überhaupt noch Angebote zu bekommen - man denke nur an die Kriegswirren im Kongo. «Exklusivität und eine schwierige Verfügbarkeit erhöhen den Reiz des Sammelns», sagt Gomez. Da schimmert sein betriebswirtschaftlicher Background durch: Dem harschen Gesetz von Angebot und Nachfrage unterliegen selbst jene, welche nur ihrer Passion frönen und sich damit keine goldene Nase verdienen wollen.

Auf den Spuren von Darwin

Ansonsten ist von pekuniären Überlegungen im Gespräch mit dem Sammler nichts zu spüren. Der frühere Rektor der Universität St. Gallen (HSG) versteht es sogar, jemanden in die seltsame Welt der grössten Insektenordnungen auf allen Erdteilen einzuführen, der nur zwischen Zitronenfaltern, Kohlweisslingen und Pfauenaugen unterscheiden kann. Gomez lässt sich normalerweise nie zu überschwänglichen Reaktionen hinreissen, auch nicht, wenn es an der Börse strub zu und her geht. Doch er kann begeistert schildern, nach welchen Kriterien sich Sammlungen anlegen lassen: Auf die Idee, Schmetterlinge nach Buchstaben auf ihren Flügeln zu sammeln, bis man das gesamte Alphabet zusammenhat, muss man erst mal kommen. Schon naheliegender ist die Einordnung nach Farben, Kontinenten oder Abarten. «Nicht zu vergessen Kriterien, die einen evolutionären Hintergrund haben», sagt Gomez und erinnert an jene Spezies, die Teil der Darwin’schen Erkenntnisse waren, weil sie sich als Überlebensstrategie an ihre Umgebung angepasst und eine andere Farbe als ihre Artgenossen angenommen haben. Als schlagendes Beispiel erwähnt er jene ursprünglich weissen Falter, welche in einer total verschmutzten Gegend im «Ruhrpott» von England immer dunkler wurden. «Damit waren sie für ihre Fressfeinde fast unsichtbar, weil sie sich von der Umgebung nicht mehr stark unterschieden.» Dieses Mimikri-Thema, also das Anpassen von Tieren an ihr Umfeld, um Widersacher zu täuschen, fasziniert den Professor für Betriebswirtschaft.

Anzeige

5000 Exemplare aus aller Welt

Das ist die Gelegenheit, um einen Bogen zur Wirtschaft und einigen Exponenten zu schlagen. Gibt es da nicht Parallelen? Auch wenn es nur Chamäleons und nicht Schmetterlinge sind? Das geht dem Börsenchef dann doch etwas zu weit, wenngleich er nicht abstreitet, dass dieser Gedanke zum Weiterspinnen verleitet.

Aber nüchtern, wie er nun einmal ist - schon damals, als er gegen grossen Widerstand an der HSG die Bologna-Reform durchzog -, hält er sich lieber an Tatsachen. Und die sehen so aus: Er besitzt eine Sammlung von ungefähr 5000 Schmetterlingen, weiss über sie genau so gut Bescheid wie über das Geschehen an internationalen Börsen und verwahrt sie in kleinen Kästen, deren Betrachtung ihm zur Entspannung dient und zum Nachdenken anregt. Zum Beispiel über die topografischen Ausprägungen der Länder, aus denen sie kommen, oder über ihre unglaubliche Leistungsfähigkeit: «Der Totenkopfschwärmer bringt es auf 50 Stundenkilometer. Oder der amerikanische Monarch, der fliegt zur Fortpflanzung über 4600 km weit.

«Wie in der Wirtschaft»

Mit der Botanisierbüchse ist der bald 63-Jährige heute nicht mehr unterwegs, dafür aber immer häufiger mit dem Fotoapparat. Aber nicht in der Heimat seiner liebsten Sorten: Seiner Passion mitten in Afrika zu frönen, ist ihm denn doch etwas zu riskant. Und wer würde ihm im Kongo schon abnehmen, dass er wirklich hinter Schmetterlingen und nicht hinter militärischen Geheimnissen her ist?

Darauf angesprochen, lacht Gomez zwar, findet die Idee aber gar nicht so abwegig. «Ich ziehe das Engadin als Jagdgründe für meine Kamera vor - nicht zuletzt wegen der intakten Landschaft, wo sich diese Tierchen wohl fühlen. Das ist wie in der Wirtschaft, auch ihr geht es gut, wenn ihr Umfeld für sie favorabel ist.»