Zum 30. Jubiläum gibt sich Emirates betont gelassen, eine Jubelparty bleibt aus. «Der Chairman wird sicherlich eine E-Mail schreiben und sich bedanken», so Emirates-Vizechef Thierry Antinori kürzlich im Interview mit der «Handelszeitung». Es werde aber bestimmt keine grosse Party geben.

Dabei gibt es bei Emirates durchaus Anlass zum Feiern: Am 25. Oktober 1985 nahm die Golf-Airline den Flugbetrieb auf – ein Jahr, nachdem der damalige Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate sowie der damalige Chef des Flughafendienstleisters Dnata Sir Maurice Flanagan einen Businessplan ausgeheckt hatten.

10 Millionen zum Anfang

Mit zehn Millionen US-Dollar begann der Aufbau der Airline. Die Ziele waren hoch, nichts weiter als eine fundamentale Veränderung der Wirtschaft sollte erreicht werden. Denn damals war das Land abhängig vom Öl: Die Hälfte des Bruttoinlandproduktes stammte aus dem Geschäft mit dem schwarzen Gold.

Für die Regierenden des Emirats war aber klar: Öl sollte nicht mehr die Lebensader Dubais sein. Um das Emirat wirtschaftlich voranzubringen, setzten die Scheichs auf den Tourismus und den Ausbau der Flughafeninfrastruktur. Emirates nahm eine Schlüsselrolle in diesem Plan ein.

Zwei Jets und drei Verbindungen

Der Flugdienst begann mit zwei geleasten Jets vom Typ Boeing 737 und Airbus A300. Es gab lediglich drei Verbindungen: Von Dubai nach Karachi, Mumbai und Delhi.Mittlerweile betreibt Emirates die grösste Langstreckenflotte der Welt.

Die Fluggesellschaft bedient – unter der Führung von Emirates-Chef Tim Clark – 147 Destinationen in 79 Ländern und betreibt eine Flotte von 240 Grossraumfliegern. Darunter sind 65 Flieger vom Typ A380. Die Emirates Group erzielte im Geschäftsjahr 2014/2015 mit 84’000 Mitarbeitern einen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar. 

Staatliche Hilfe

Die Regierung unterstützte stets in grossem Stil den Auf- und Ausbau der Arline – sei es mit eigenem Personal der Herrscherfamilie oder einer sehr unternehmerfreundlichen Standortpolitik. Eine Belastung durch Steuern, streikende Gewerkschaftsmitglieder oder ein umfangreicher Kündigungsschutz gibt es in Dubai nicht. Im Vergleich zu Europa existieren auch keine hohen Landegebühren oder Beschränkungen in Sachen Nachtflug.

Kein Wunder, dass Emirates den etablierten Fluggesellschaften, besonders in Europa, in den vergangenen Jahren Marktanteile streitig gemacht hat. Kein Wunder auch, dass die Chefs von europäischen und amerikanischen Airlines ständig über die ihrer Meinung nach unfairen Wettbewerbsbedingungen schimpfen. 

Emirates-Vize kontert Kritik

Emirates-Vize Antinori kontert die Kritik, in dem er argumentiert, dass «wir autonom von der Regierung agieren und liefern müssen». Emirates sei eine der erfolgreichsten Airlines der Welt. «Daran stören sich manche Mitbewerber.»

Emirates habe erst kürzlich mit einem 400 Seiten umfassenden Dokument den Vorwürfen widersprochen, sagt Antinori weiter. Man sei gelassen und arbeite hart weiter. «Die drei grössten US-Airlines hingegen setzen auf immer ältere Maschinen. Sie vergraulen ihre Kunden, während ihre Profitabilität stark zunimmt. Kein Wunder, dass diese irritiert sind», stichelt die Nummer zwei bei der Golf-Airline.

Rückendeckung vom Flughafen-Chef

Genauso argumentiert Paul Griffith. Der Brite ist Chef des Dubai Airports. Im Gespräch mit der «Handelszeitung» sagte er im Frühjahr, dass sämtliche Vorwürfe haltlos seien. Die drei grössten US-Fluggesellschaften United, American und Delta werfen Emirates und Co. unter anderem vor, von subventionierter Flughafeninfrastruktur zu profitieren. Emirates bezahle die vollen Gebühren, niemand werde bevorzugt behandelt, entgegnet Griffith.

Derweil baut Emirates auch hierzulande seinen Einfluss weiter aus. Die Gesellschaft fliegt seit dem Jahr 1992 in die Schweiz – mittlerweile jeden Tag zweimal von Zürich und täglich einmal von Genf nach Dubai.

Konzern im Umbau

Warum die Airline nun keine grossen Ambitionen für eine Party hat, könnte auch mit dem neuen Umbauprogramm zu tun haben. Vor wenigen Tagen verkündete Emirates-Chef Tim Clark «eine konzernweite Transformationsstrategie». Es gehe um nichts weniger als um «Änderungen im ganzen Unternehmen», so Clark.

«Die konzernweite Transformationsstrategie sieht stufenweise Neuerungen in allen Geschäftsbereichen vor», heisst es. Sämtliche Bereiche wären davon tangiert, vom Online-Ticketing über kaufmännische Abteilungen bis hin zum Back Office.