Schon hundert Mal ist der Airbus A340 der Swiss im bunten Flowerpower-Look seit Juni von Zürich nach San Francisco geflogen, sechs Mal pro Woche. «Die Bilanz unserer Direktflüge ist sehr positiv», heisst es bei der Airline. Auch mit der Auslastung der Business Class sei man «sehr zufrieden». Konkrete Zahlen würden indes nicht veröffentlicht.

Ein Augenschein der «Handelszeitung» zeigt, dass der Verkauf der 5000 bis 6000 Fr. teuren Business-Class-Tickets hapert. Die Economy Class mit Preisen ab 1300 Fr. ist hingegen oft voll, manchmal sogar überbucht. Dann kommt es vor, dass die Airline bei Vielfliegern anruft und ein Upgrade für 900 Fr. pro Weg offeriert. «Die Business verkauft sich leider nicht so gut», heisst es im Callcenter.

Gratis-Upgrade am Gate

Offenbar sitzt das Geld nicht so locker, und die Offerte wird oft ausgeschlagen. So erhalten am Gate beim Einsteigen ein paar Glückliche gratis und franko einen Platz in der Business. «Die Economy ist überbucht», sagt das Bodenpersonal. Dazu eine Swiss-Sprecherin: «Es kann sein, dass Upgrade-Aktionen gemacht wurden, nach San Francisco aber nur in sehr wenigen Fällen.» Der «Handelszeitung» liegen Informationen von acht Flügen vor. Auf zwei davon gab es gratis Upgrades. Dennoch blieben in der Business mehrere Plätze leer - wie auf allen übrigen Flügen.Diese Auswahl ist nicht repräsentativ. Und selbstverständlich darf die Swiss-Sprecherin einwenden, «dass die Aussagen einzelner Mitarbeiter des Callcenters oder am Flughafen nicht aussagekräftig sind.» Aber die mässige Auslastung der Business Class ist symptomatisch für das gesamte Fluggeschäft.

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Business-Class-Anteil gesunken

Viele Unternehmen haben die Kostenbremse seit der Krise noch nicht gelockert, wie die beiden grössten Geschäftsreiseveranstalter in der Schweiz bestätigen. «Der grosse Wechsel von der Business in die Economy fand ab 2008 statt und hat sich bisher kaum verändert», sagt Walter Ruggli, Schweiz-Chef von Carson Wagonlit Travel (CWT). Während 2007 noch 30% aller ausgestellten Flugscheine auf Business lauteten, schrumpfte dieser Anteil auf 21% im Jahr 2009. Für dieses Jahr rechnet Ruggli sogar nur noch mit 20%. «Es zeigt sich, dass die restriktiveren Reiserichtlinien noch nicht rückgängig gemacht wurden - obwohl sich die Wirtschaft inzwischen weiter erholt hat.»Nicht ganz so extrem, aber im gleichen Tenor, beschreibt Beat Bürer, Chef Zentraleuropa der Hogg Robinson Group (HRG), die Situation: «Seit Ende 2009 wird wieder vermehrt gereist, und vielerorts werden die Reiserichtlinien gelockert - aber ohne dass die Firmen den Kostenaspekt vernachlässigen würden.»Trotz Sparübungen der Unternehmen im Geschäftsreiseverkehr liegt die Swiss mit der neuen Destination San Francisco wohl goldrichtig. Die Bay Area und das Silicon Valley beheimaten mehr und mehr Firmen in zukunftsweisenden Bereichen wie Klima, Umwelt und Energie. Diese kommen zu den seit 20 Jahren ansässigen Informations- und Biotechfirmen hinzu. Da auch die Schweiz über Clusters in diesen Branchen verfügt, dürfte auf dem neuen Flug an die US-Westküste mittelfristig auch die Business Class rentieren.CWT-Schweiz-Chef Ruggli belegt mit Zahlen, dass sich der Marktanteil der Swiss nach San Francisco seit der Einführung der Direktflüge verdoppelt hat. Im August rückte San Francisco zur US-Geschäftsreisedestination Nummer zwei auf, mit einem Buchungsanteil von 12,4% (nach New York, aber vor Boston). Das bedeutet: Wer früher via Frankfurt, München, New York oder Los Angeles geflogen ist, bucht jetzt den Nonstop-Flug. Das Volumen hat sich allerdings nicht verändert. «Es gab kein organisches Wachstum», sagt Bürer von HRG.Dass die Economy, von Vielfliegern auch Holzklasse genannt, gut gebucht wird, hat mit San Francisco als beliebter Feriendestination zu tun. Zu Swissair-Zeiten war das der Treiber für die Flüge an die US-Westküste. Wirtschaftlich war das Potenzial damals gering. So hatte die Swissair nach dem Grounding im September 2001 den Flug nach San Francisco gestrichen. Er soll nie rentabel gewesen sein.