Shinichi Nishikubo mag das Risiko und die Aufmerksamkeit. Als die japanische Billig-Airline Skymark am Boden war, wurde er 2003 zu deren Hauptaktionär und Berater. Das grosse Geld hatte der studierte Computer-Ingenieur zuvor mit dem Aufbau des Internet-Provider Masternet verdient, der 2000 an die Börse ging. Bereits im ersten Jahr brachte er die kriselnde Airline zum ersten Mal in ihrer Geschichte in die Gewinnzone.

Die Airline baute in den Folgejahren ihr Angebot an Inlandsflügen aus. In der Zwischenzeit gab sich Nishikubo auch formal den Titel des CEO. Lukrative Geschäftsverbindungen wie auch der Fokus auf kleinere, weniger benutzte Flughäfen sind das Rezept von Skymark (Asienspiegel berichtete). Sapporo, Tokio, Kobe, Fukuoka und Naha auf Okinawa bilden die Hauptachse von Skymark.

Der Coup mit der A380

Doch seit einigen Jahren ist die inländische Konkurrenz mit Airlines wie Jetstar, Peach oder Vanilla Air grösser geworden. Nishikubos Antwort darauf war erneut das Risiko und die Aufmerksamkeit. Als erste japanische Fluggesellschaft überhaupt kündigte er vor drei Jahren den Kauf des Airbus-Giganten A380 an, um Destinationen wie New York oder London anfliegen zu können. Die Auslieferung ist auf die zweite Jahreshälfte 2014 angesetzt. Mit dem Deal wagt Nishikubo auch den Bruch mit der amerikanischen Boeing, dem bisherigen Zulieferer vonSkymark.

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Hinzu kommt eine neue Flotte von 10 geleasten Airbus A330-300. Die erste Maschine dieses Typs ist nun ausgeliefert worden. Sie wird ab Frühling auf der Strecke zwischen Haneda und Fukuoka eingesetzt. Und damit auch jeder von dieser Neuigkeit Notiz nimmt, setzt Nishikubo auf Bequemlichkeit und Miniröcke.

Protest der Gewerkschaft

So ist die Economy-Klasse des A330 von Skymark mit ungewöhnlich breiten Sitzen inklusive ausfahrbaren Beinlehnen ausgestattet. «Green Seats» nennt die Airline dieses Konzept, mit der sie die japanischen Geschäftsleute überzeugen möchte. Doch für die richtige mediale Aufmerksamkeit waren die neuen Minirock-Uniformen im 60er-Look besorgt, welche die Flight Attendants im A330 tragen sollen.

Mit dieser Neuerung hat Nishikubo gleich für einen globalen medialen Wirbel gesorgt. Der Minirock ist zum Gesprächsthema der Medien im In- und Ausland geworden. Die Gewerkschaft der japanischen Flight Attendants, die Japan Federation of Cabin Attendants, hat gar Protest bei der Regierung eingelegt, wie die Mainichi Shimbun berichtet.

Zum Objekt degradiert

Mit dieser Kleidung würden die Flight Attendants zu einem Objekt degradiert. Der Minirock lade geradezu zur sexuellen Belästigung ein, die Sicherheit im Flieger sei damit nicht mehr gewährleistet. Es handle sich um ein Verstoss gegen das Luftverkehrsgesetz. Ausserdem schränke man die Frauen in der Ausübung ihrer Arbeit ein, bei der man sich viel strecken und niederknien müsse. Auch bei der Benutzung der Notrutsche wäre die Verletzungsgefahr erhöht.

Das japanische Transport- und Verkehrsministerium hat angekündigt den Fall zu untersuchen. Skymark gibt sich derweil gelassen. Man glaube nicht, dass der Rock eine Gefahr für die Sicherheit sei. Ausserdem habe man das Einverständnis der Personals eingeholt. Und ja überhaupt, die Uniform werde ohnehin nur für sechs Monate eingesetzt, als PR-Aktion für den neuen A330 von Skymark.

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Nishikubo wird es freuen

Die Aktion ist ganz im Sinne von Besitzer Shinichi Nishikubo. Der Minirock hat für eine globale Aufmerksamkeit gesorgt, wie esSkymark noch gar nie erlebt hat. Plötzlich spricht alle Welt über die bislang unbekannte japanische Billig-Airline. Selbst Richard Branson von Virgin oder Toni Fernandes von AirAsia werden sich den Namen Shinichi Nishikubo inzwischen notiert haben.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf asienspiegel.ch - News aus Japan, China und Korea.