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Verlust
Der Doyen der Schweizer Bankenwelt ist nicht mehr

Bankier Hans J. Bär, aufgenommen 1996 (Bild: Keystone)

Mit Hans J. Bär verliert die Schweiz einen der letzten Vertreter des traditionellen «Swiss Banking». Als Mitglied einer grossen Schweizer Banken-Dynastie war Bär nicht nur leidenschaftlich Privatbanki

Von Christian Schmid
am 22.03.2011

Hans J. Bär starb 83-jährig nach langer Krankheit. In den letzten Jahren lebte er zurückgezogen, sein Name aber stand und steht immer noch für das renommierte Schweizer Privatbanken-Geschäft. «Hans J. Bär war einer der letzten Vertreter des klassischen Swiss Banking», sagt der Finanzjournalist und Buchautor Claude Baumann, der Bär seit Jahren kannte.

«Hans J. Bär war nicht nur ein Vertreter der grossen Schweizer Bank-Dynastien, er zählte auch zu den ersten Bankiers, die schon früh eine internationale Sicht des Bankgeschäftes hatten», sagt Baumann, so habe er über sehr gute Beziehungen zu Amerika verfügt. Von den heutigen Bankern habe sich Bär dadurch abgehoben, dass er sich auch stark für Kunst und Kultur engagiert und eine gesellschaftliche Gesamtsicht gehabt habe.

Mit Hans J. Bär verliert die Schweiz aber auch eine kritische Stimme, die schon vor Jahren das Schweizer Bankgeheimnis hinterfragte. «Bär sah, dass eine Ära zuende ging - und er war der erste Bankier, der dies öffentlich sagte», so Baumann weiter. Für seine offenen Worte handelte sich Hans J. Bär harsche Kritik ein, nicht nur von seinen Berufskollegen, sondern auch vom damaligen Finanzminister Hans-Rudolf Merz.

«Die Angriffe aus den eigenen Reihen, die Tatsache, dass viele Bankier-Kollegen auf Distanz gingen, das hat Hans J. Bär persönlich sehr getroffen», sagt Baumann. Das sei auch der Grund gewesen, dass er sich in den letzten Jahren fast völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen habe.

Volcker-Kommission und Musik

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte sich Bär für die klassische Musik - er präsidierte zehn Jahre lang die Tonhallegesellschaft  und war 1997 Gründerpräsident der Zürcher Festspiele. 

Einen Namen macht sich Hans J. Bär in den 1990er-Jahren auch durch sein Engagement in der Volcker-Kommission. Er leistete einen wesentlichen Beitrag dazu, dass der Konflikt um die nachrichtenlosen Vermögen gelöst werden konnte.

Hans J. Bär wuchs in Zürich und New York auf und studierte Ingenieurwissenschaften und Ökonomie. Er trat 1947 in die Bank Julius Bär ein und setzte damit die Bankierstradition seines Grossvaters fort. Von 1975 bis 1993 war er Vorsitzender der Geschäftsleitung, bis 1997 war Hans J. Bär auch Verwaltungsratspräsident. (rcv)

 

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