Der britische Mobilfunk-Gigant Vodafone verkauft sein US-Geschäft für 130 Milliarden Dollar an den bisherigen Partner Verizon. Verizon gab die drittgrößte Transaktion der Industriegeschichte am frühen Abend bekannt. Über den Verkauf, bei dem Vodafone seine 45 Prozent an dem größten US-Mobilfunkunternehmen Verizon Wireless an Verizon veräußert, war seit Tagen spekuliert worden.

Auch am bisher teuersten Kauf der Geschichte war Vodafone beteiligt. Die Briten zahlten 1999 172 Milliarden Dollar für die Übernahme des deutschen Mannesmann-Konzerns. Die Londoner Börse reagierte heute erfreut auf das sich abzeichnende Riesengeschäft, der Wert der Vodafone-Aktie lag am frühen Nachmittag 4,08 Prozent im Plus. Die US-Finanzmärkte blieben heute wegen des Feiertags Labor Day geschlossen.

Verizon will den Anteil schon seit Jahren

Verizon Wireless ist der grösste Mobilfunkbetreiber in den USA mit 100,1 Millionen Kunden und 73'400 Beschäftigten. Firmensitz ist Basking Ridge im Bundesstaat New Jersey. Der Umsatz belief sich nach Konzernangaben 2012 auf 75,9 Milliarden Dollar.

Der Mutterkonzern, der US-Festnetz-Riese Verizon, will schon seit Jahren die 45 Prozent haben, die Vodafone an der im Jahr 2000 gegründeten Verizon Wireless besitzt. Die Verhandlungen blieben bislang aber ergebnislos; zu Beginn des Jahres hatten die Unternehmen sie sogar abgebrochen. Grund war Berichten zufolge ein Streit über den Kaufpreis. Das Geschäft soll nun so strukturiert werden, dass Vodafone möglichst wenig Steuern darauf zahlen muss.

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Guter Zeitpunkt für Abschied aus den USA

Vodafone könnte mit dem Geld aus dem Verkauf seine Expansion in Europa vorantreiben. Für Kabel Deutschland haben die Briten gerade 7,7 Milliarden Euro geboten. Die Geschäfte in den kriselnden südeuropäischen Ländern Spanien und Italien laufen zudem schlecht.

Der Zeitpunkt, sich aus den USA zu verabschieden, ist Analysten zufolge günstig: Die Konkurrenz durch die Telekom-Tochter T-Mobile US und den US-Anbieter Sprint sowie durch die Kabelanbieter wachse, die fetten Jahre für die beiden Grossen, Verizon Wireless und AT&T, seien vorbei. Der Anteil von 45 Prozent sei ohnehin zu klein, um Einfluss auf die Dividendenzahlungen von Verizon Wireless zu nehmen, urteilen die Experten.

(reuters/jev/se)