Einfach, verständlich, transparent - so sollen Reverse Convertibles, Zertifikate und Warrants sein, die Anlegern künftig wieder Gewinne mit strukturierten Produkten ermöglichen. Diese Erwartung weist bei näherem Hinsehen jedoch Tücken auf. Wichtiger ist ein klares Bewusstsein für die Risiken von strukturierten Produkten. Der Markt für strukturierte Produkte war stets von zwei Geschwindigkeiten gekennzeichnet: Basisprodukte für Einsteiger und ausgefeilte Lösungen für Professionelle.

Nicht alle bieten Mehrwert

Ob ein Produkt einfach ist, hängt zunächst von den Kenntnissen des Käufers ab: Für einen privaten Anleger, der bisher immer in Staatsobligationen investiert hat, kann bereits ein Discount-Zertifikat komplex sein, während für einen erfahrenen Anleger auch ein Express-Zertifikat mit zwei Chancen und Lookback-Funktion keine Hürde darstellen muss. Dass nicht alle neuen Angebote echten Mehrwert bieten, ist eine berechtigte Kritik - ohne Innovationspotenzial hat der Markt jedoch auch keine Zukunft.

Die häufig diskutierte Wertentwicklung von strukturierten Produkten während der Laufzeit lässt sich selbst durch Szenarioanalysen nur bedingt prognostizieren, weil der Preis bis zur Fälligkeit nicht bloss vom Basiswert, sondern auch von Volatilitäten, erwarteten Dividenden, Zinsen und Laufzeiten beeinflusst wird. Diese derivativen Komponenten sind in ihrer Wechselwirkung von den aktuellen Marktbedingungen abhängig - ohne Aussicht auf völlige Transparenz im Voraus.

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Wichtig ist deshalb etwas anderes, wenn es um die Zukunft von strukturierten Produkten geht: Die Anleger müssen informiert sein und klar verstehen, wie hoch ihr Risiko ist, wenn sich der Basiswert verschlechtert, die Volatilitäten Rekorde markieren oder der Emittent ausfällt. Die Anleger müssen sich bewusst sein, welches maximale Risiko ein Investment im ungünstigen Fall beinhaltet, und bereit sein, dieses Risiko zu tragen.

Anleger kennen Risiko nicht

Hier besteht Nachholbedarf. Einer Studie am Swiss Banking Institute der Universität Zürich zufolge schätzen die Anleger die Risiken bei strukturierten Produkten häufig nicht richtig ein. Bei manchen Produkten bewerten sie das Risiko, dass es zum Beispiel zu einer Barriereverletzung kommt und damit ein Verlust eintreten kann, erheblich zu niedrig.

Selbst für private Anleger besteht aber schon heute die Möglichkeit, unterschiedliche Produkte im Hinblick auf ihr Risiko neutral zu vergleichen. Die Kennzahl Value at Risk zeigt an, welcher Verlust zum Beispiel in den nächsten zehn Tagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% nicht überschritten wird. Die Kennzahl schafft Transparenz und eignet sich als Frühwarnindikator, um auch nach dem Kauf schnell zu erkennen, ob sich das Risikoprofil eines Produktes verschlechtert.