Das war schon bei der Ratifizierung der Maastricht-Verträge so, hat sich zum Einführungsdatum wiederholt und wiederholt sich im Rahmen der Griechenland-Krise mit erschreckender Parallelität. Die Befürworter und die Gegner sind immer noch die Gleichen. Ihre Argumente sind fast identisch und die Positionen auch. Dabei würde sich eine nüchterne Analyse der nun fast zwölfjährigen Geschichte des Euro lohnen.

Für Euro-Turobos und Euro-Skeptiker scheinen objektive Daten gleichermassen keine Rolle zu spielen. Man ist entweder für den Euro oder gegen den Euro. Getreu dem Motto «Who is not for me, is against me» hört man der anderen Seite schon gar nicht mehr zu. Für die Skeptiker ist dabei ganz klar: Der Euro kann nicht funktionieren, er setzt die falschen Anreize für mehr Staatsverschuldung und muss daher letztlich eine schwache Währung mit höherer Inflation sein. Die meis-ten Euro-Skeptiker bleiben auch nach Jahren des prognostischen Misserfolgs bei ihrer Erwartung, dass der Euro auseinanderbrechen wird. Für die Turbos hingegen ist der Euro Voraussetzung nicht nur für wirtschaftliches Wachstum, sondern auch für politische Stabilität in Europa.

Als Unternehmer reibt man sich bei so viel ideologischer Voreingenommenheit nur verwundert die Augen. Was soll man denn nun glauben? Betrachten wir doch einmal die einzelnen Hypothesen der Euro-Ideologen und wagen wir den Vergleich der grossen Währungen Euro, Dollar, Yen und Pfund, um festzustellen, wie sich der Euro in den vergangenen sehr turbulenten Jahren seit seiner Einführung geschlagen hat.

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Führt der Euro zu mehr Staatsverschuldung? Schauen wir zunächst auf die Niveaus der Staatsverschuldung gemessen am Volkseinkommens. So wie sie von der OECD berechnet werden. Im Jahr vor der Einführung des Euro lag diese im Euroland auf beachtlichen 80% und damit deutlich über den Werten der USA von 64, Grossbritanniens von 53, aber unter dem damaligen Spitzenwert von 113% aus Japan. Zwölf Jahre später stellt sich die Verschuldungssituation dramatisch anders dar. In Japan ist die Verschuldungsquote um 84%-Punkte angestiegen, in Grossbritannien um 30, in den USA um 28 und im Euroland um lediglich 8. Der Euro-Raum ist also objektiv unter den vier grossen Währungen die Währung mit dem am Abstand geringsten Zuwachs an Staatsverschuldung gewesen. Liegen die Prognostiker der OECD mit ihrem Zahlenwerk halbwegs richtig, wird er im kommenden Jahr sogar diejenige mit der niedrigsten Staatsverschuldung sein.

Ist der Euro eine schwache Währung? Insbesondere die Bewegung des Euro seit dem Beginn der Griechenland-Krise scheint den Skeptikern in diesem Punkt Recht zu geben. Handelsgewichtet hat der Euro seit vergangenem Oktober 6% an Wert verloren. Betrachtet man die Entwicklung aber über einen längeren Zeitraum, sieht das Bild anders aus. Seit Einführung des Euro hat sich dieser gegenüber den wichtigsten Handelspartnern um 7% aufgewertet. Das ist etwas weniger als die 13% Aufwertung des Yen, aber ein deutlich besseres Ergebnis als die für den Dollar und das Pfund registrierte Abwertung von gut 20%. Die Aufwertung des Yen illustriert übrigens, dass der von vielen Laien angenommene Zusammenhang von Staatsverschuldung und Währungsentwicklung wohl eher lose ist.

Führt der Euro zu mehr Inflation? Auch hier schneidet der Euro für viele überraschend gut ab. Mit 1,9% Durchschnittsinflation der letzten zwölf Jahre liegt der Euro knapp besser als die 2,0 oder die 2,3% Inflation im Pfund und im Dollar. Der Yen dagegen ist mit leicht fallenden Preisen in der Deflation verharrt.

Führt der Euro zu mehr Wachstum? Auch hier sind die Ergebnisse unspektakulär. Der Euro hat Europa nicht zu einem wirtschaftlichen Höhenflug verholfen. Seit Einführung des Euro ist Euro-Land jährlich um 1,3% gewachsen. Nur Japan hat mit 0,7% tieferes Wachstum zu verzeichnen. Die USA, Grossbritannien, ja sogar die Schweiz haben sich mit 1,7 bis 1,9% Wachstum deutlich besser entwickelt.

Angesichts dieser Zahlen werden Sie verstehen, wenn der analytische Beobachter sich über Lobgesang oder Abgesang auf den Euro nur wundern kann. Nüchtern betrachtet ist der Euro eine ganz normale Währung mit Vor- und Nachteilen. Dass sich die Diskussion augenblicklich dabei so an der Staatsverschuldung, dem wohl stärksten Punkt des Euro entzündet, lässt vermuten, dass die Diskussion wohl kaum noch rational geführt wird.

Übrigens: In emotional aufgeheizten Situationen lässt sich an den Börsen meist gutes Geld verdienen. Es ist vielleicht kein Wunder, dass der europäische Aktienmarkt seit Einführung des Euro die anderen grossen Märkte geschlagen hat. Solange die Ideologen die Tonart der Diskussion bestimmen, wird das wohl auch so bleiben.