Interio wird verkauft. Diese Ankündigung machte die Migros heute. Der Satz stammt aber aus einer Ausgabe der «Sonntags-Zeitung» von 2016: Beobachter spekulieren seit Jahren über einen Verkauf der Möbelkette. Erst jetzt will der Detailhändler die Verlustserie aber offensichtlich nicht mehr tragen. Die Migros sucht einen Käufer für Interio – doch dies dürfte schwierig werden.

Nicht nur Interio, auch der übrige Schweizer Möbelhandel steht unter grossem Druck. «Die ganze Branche hat ein Problem. Es laufen Rabattschlachten und es herrscht ein Konsolidierungsprozess», sagt Hannes Vifian, Präsident des Branchenverbandes Möbelschweiz. «Viele kleinere Möbelgeschäfte müssen schliessen.»

Der Einkaufstourismus macht den Schweizer Anbietern schon seit Jahren zu schaffen, zudem wächst die Konkurrenz für die etablierten Geschäfte durch Onlinehändler. Und letztes Jahr erhielt Interio einen neuen Wettbewerber durch den Markteintritt des österreichischen Schwergewichts XXXLutz.

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Die Entwicklung der Filialen: 2011 spaltete Migros die Deko-Filialen von Interio ab.

Quelle: Statista

2018 schrumpfte der Schweizer Möbelmarkt laut den Marktforschern von GfK um ein Prozent auf 5,2 Milliarden Jahren, 2017 betrug das Minus zwei Prozent.

«Wohnen ist zu wenig sexy. Die Konsumenten geben ihr Geld lieber für Autos, Ferienreisen, Lifestyle und ähnliches aus», glaubt Vifian.

Die Probleme reichen Jahre zurück

Die ganze Branche kriselt, doch bei Interio sind die Probleme ausgeprägt.

Ein Rückblick: Der Umsatzschwund setzte vor über zehn Jahren ein. 2009 versuchte die Migros einen ersten Befreiungsschlag: Sie beteiligte sich an der deutschen Deko-Kette Gries Deco (Depot), und integrierte deren Produkte bei Interio. In den Möbelgeschäften gab es neben Sofas und Schränken nun auch Duftkerzen und Kunstblumen zu kaufen.

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Ikea ist Marktführer - Interio rangiert abgeschlagen weiter hinten.

Quelle: Statista

Nur zwei Jahre später die Kehrtwende: 2011 trennte die Migros die 24 Depot-Läden wieder von Interio ab. «Die beiden Marken haben sich nicht ergänzt wie erhofft», hiess es beim Detailhändler. In den Folgejahren kam das Geschäft nicht in die Gänge, 2016 prüfte Migros eine Fusion mit seiner anderen Möbelkette Micasa. Die Pläne verschwanden in der Schublade.

Erst letzten Sommer versuchte die Migros erneut, das Einrichtungshaus aufzumöbeln. Sie lancierte ein neues Konzept in Spreitenbach. Mit dem Geschäft versuchte Interio, den angestammten Ladenverkauf mit dem Onlinegeschäft zu verbinden.

Micasa ist eine Erfolgsgeschichte

Nebst Interio will Migros auch Gries Deco/Depot verkaufen, nicht aber Micasa. Mit dieser Kette beweist der Detailhändler, dass er den Möbelhandel doch beherrscht. Die Umsätze von Micasa steigen, das Filialnetz wächst. Unter der Marke Micasa Home verkauft Micasa erfolgreich auch Wohnaccessoires. Dies dürfte Migros die Trennung von Depot einfacher machen.

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«Bei Micasa ist vermutlich mehr DNA von der Migros drin. Ich kann mir vorstellen, dass die Migros nicht ganz aus dem Möbelgeschäft aussteigen will», sagt Verbandspräsident Hannes Vifian.

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Umsatzentwicklung: Die Erträge schrumpfen seit Jahren.

Quelle: Statista

Für Interio einen Käufer zu finden «wird für die Migros sicher nicht einfach sein», sagt Vifian.

Konkurrenten wie Conforama oder die Coop-Ketten Lipo und Livique sind mit eigenen Problemen beschäftigt, für Möbel Pfister dürfte nach der Übernahme von Möbel Hubacher weitere Zukäufe momentan wohl nicht nicht in Frage kommen.

Denkbar ist auch, dass Migros die elf Filialen einzeln verkauft oder schliesst. Eines der Geschäfte gibt das Unternehmen bereits nächstes Jahr auf. Die Standorte hätten unter einem neuen Eigentümer oder Betreiber bessere Entwicklungschancen, heisst es in der Migros-Mitteilung.