Ulrich Gygi hat per Anfang Jahr das Präsidium der Schweizerischen Bundesbahnen SBB übernommen - deren Probleme kann er aber nicht einfach mit Personalrochaden lösen. Denn sein Führungsteam ist bereits so gut wie neu. In den zwei Jahren, in denen CEO Andreas Meyer im Amt ist, wurden unter anderem der CFO sowie die Spartenchefs von Cargo und Infrastruktur ausgewechselt. Neu im VR sind zudem der Chef der Cargo-Tochter der Deutschen Bahn, Bernd Malmström, und der frühere Kuoni-Finanzchef Conrad Löffel. Das vergangene Jahr ist an den Neuen vorbeigezogen, ohne dass die Probleme bei der Sorgensparte Cargo, der Pensionskasse mit Unterdeckung oder Cisalpino gelöst werden konnten. Nun soll der Konjunktureinbruch hauptverantwortlich dafür sein, dass SBB Cargo auch 2009 rot schreibt. Nannten die Vorgänger Benedikt Weibel und Thierry Lalive d’Epinay es noch als grösste Herausforderung, die SBB für die Marktöffnung und den liberalisierten Markt in Europa fitzutrimmen, sieht die Aufgabenstellung für Gygi und CEO Meyer heute ganz anders aus: Für die Cargo-Sparte braucht es einen internationalen Allianzpartner. Als potenzielle Partner gelten die RCA (ÖBB), die französische SNCF und die Railion (DB). Schloss Lalive einen Verkauf der Güterdivision im letzten Frühling noch kategorisch aus, muss sich Gygi angesichts der Lage auch diese Option offen halten. Allerdings spricht Gygis Erfahrung mit einem Staatsbetrieb und mit politischen Sensibilitäten gegen einen Verkauf, welcher darüber hinaus von Gewerkschaften wohl bekämpft würde.

Nachdem Gygi bei der Post Kostentransparenz bei den einzelnen Sparten geschaffen hat - auch wenn die Zahlen umstritten sind -, sollte der Finanzexperte auch bei den SBB für mehr Durchblick sorgen. Denn nur so kann die Cargo-Sparte weitere Restrukturierungen rechtfertigen und in die Gewinnzone fahren.