Am Montag gaben sich die in Basel versammelten Notenbanker alle Mühe, Einigkeit zu demonstrieren. Der Begriff Währungskrieg «wurde überhaupt nicht erwähnt», sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, der das Treffen am Sitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zusammenfasste. «Ich muss sagen, dass alle Beteiligten erklärt haben, keine Politik der schwachen Währung zu verfolgen.»

Die von Trichet beschworene Harmonie kontrastiert scharf mit den Vorwürfen, mit denen sich Regierungsvertreter gegenseitig eindecken. Das billige Geld, mit dem die Notenbanken die Märkte fluten, verursacht zunehmend Verzerrungen. Die Entscheidung der amerikanischen Notenbank, für weitere 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen zu kaufen und so noch mehr Dollar in die Welt zu pumpen, facht den Streit um Währungskriege an.

Die USA werden zum Buhmann

Das Vorgehen des Fed wird in Europa und in den Schwellenländern als Versuch interpretiert, sich durch eine Dollarabwertung Vorteile auf den Weltmärkten zu verschaffen. Die Dollarflut lässt in den Schwellenländern neue Blasen entstehen, die früher oder später platzen müssen. Politiker, die nach mehr Protektionismus rufen, erhalten überall Rückenwind. China hat am Dienstag mit verschärften Kapitalverkehrskontrollen reagiert.

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Am G20-Gipfel der Staatschefs der wichtigsten Länder im südkoreanischen Seoul wird nun über die aggressiven USA diskutiert statt über die Währungsmanipulationen Chinas, wie von den Amerikanern geplant. Die Voraussetzungen für ein Gelingen des Gipfels haben sich verschlechtert. Es gibt keinerlei Übereinstimmung, wie die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte abgebaut werden sollen.

Swiss Life leidet unter tiefen Zinsen

Jetzt trifft der Fluch des billigen Geldes einen Teil der Finanzindustrie besonders hart. Die Tiefzinspolitik bedroht das Geschäftsmodell der Lebensversicherer. Es basiert auf langfristig gewährten Zinsgarantien, die bei anhaltend tiefen Zinsen nicht mehr zu halten sind. So finden die Lebensversicherer am Rentenmarkt Coupons von 2 Prozent für eine 24-jährige Obligation der ZKB - die Garantieleistungen für die Lebenversicherungen betragen bei der Swiss Life 2,6, bei der Bâloise 2,7 und bei der Zurich 3 Prozent.

Als besonders zinsempfindlich gilt die Swiss Life. Sie hat die Versicherungsmakler bereits vertraulich darauf vorbereitet, dass sie auf Anfang 2011 die Überschussrenten kürzen wird. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma beobachtet die Entwicklung genau: Ab Januar 2011 müssen Schweizer Versicherungen neuen Kapitalanforderungen, dem Swiss Solvency Test, genügen.