Für Post-CEO Michel Kunz ist die Übernahme des Dokumenten- managements der Zurich Financial Services Group (ZFS) in sechs europäischen Ländern der bisher grösste Deal im Bereich Geschäftskundenlösungen. Inzwischen setzt die Sparte Strategische Kunden und Lösungen (SKL) über 700 Mio Fr. im Jahr um (siehe Tabelle). Kunz betont gegenüber der «Handelszeitung»: «Wir sind zwischenzeitlich weltweit eine führende Anbieterin von internen Postdienstleistungen für grosse Firmen bis hin zur Digitalisierung und Archivierung von Dokumenten.»

ZFS spart Millionen dank Post

In diesem Geschäft profitiert die Post vom Kostendruck der Firmen und der Auslagerung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Geschäftsprozessen rund um die Dokumentenverwaltung. Für ZFS ist die Dienstleistungsvereinbarung Teil der betrieblichen Optimierungsbestrebungen. Zurich-Sprecherin Sylvia Gäumann führt aus: «Wie rechnen mit jährlichen Einsparungen in Millionenhöhe.» Eine Erweiterung des Vertrages auf andere Kontinente werde sorgfältig geprüft.

Die europaweit 320 ZFS-Mitarbeitenden, die bisher täglich 400000 Dokumente verwalteten, werden zur Post wechseln. SKL beschäftigt bereits 6109 Personen, davon 87,9% im Ausland, unter anderem auch in Vietnam. Kunz spricht von «laufend neuen Aufträgen».

So mache SKL beispielsweise für eine Autoversicherung in Deutschland die gesamte Vorerfassung der Schadenfälle. «Wir erhalten die Briefe, öffnen und scannen sie. Unsere Sachbearbeiter können in klaren Fällen sogar entscheiden, ob der Antrag weiterverfolgt oder bereits abgelehnt wird», sagt Kunz.

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Mit einer Ebit-Marge von 1,3% (2008), verglichen mit 8,5% von PostMail, ist die Sparte zwar wenig profitabel. Allerdings wird SKL laut Post-Prognosen dieses Jahr die Marge auf 1,8% steigern, während die Marge bei PostMail auf 5,3% sinken wird. Dieses personalintensive Geschäft muss man gemäss Kunz am richtigen Ort betreiben. Die sehr einfachen Arbeiten könne man heute an Standorten machen, wo die Personalkosten tief seien. In anderen Worten: SKL wird im Ausland Arbeitsplätze schaffen.

Die zeitgenössische Verarbeitung physischer und digitaler Dokumente bietet die Post neuerdings auch Privaten an. Letzten Monat wurde der elektronische Briefkasten SwissPostBox lanciert. In den USA ist der digitale Briefkasten bereits seit zwei, drei Jahren populär bei mobilen Menschen, die keine physischen Dokumente mehr wollen. «In diesem Zusammenhang bieten wir auch die Möglichkeit der elektronischen Archivierungen an.»

Ebenfalls auf eine Nachfrage bei den Endkonsumenten stossen die digitalen Briefmarken. Mittlerweile sind fast 120000 User registriert, davon über 100000 Private, die seit der Lancierung 2006 mehr als 15 Mio Briefmarken heruntergeladen haben.

Briefpost nicht kompensieren

Die Erfolge in diesem Hightechgeschäft können allerdings das Problem der rückläufigen Briefvolumen nicht lösen. Die neuen Angebote sind nicht profitabler als die althergebrachten. Kunz erklärt: «Die Margen in diesem Sektor sind deutlich kleiner, also können wir den Volumenrückgang der physischen Briefpost im traditionellen Bereich nicht vollständig mit neuen Produkten im elektronischen Bereich kompensieren.»