Noch hofft Valora-Investor Franz Gyger auf einen Verkauf des Berner Handelskonzerns. Doch die Indizien sprechen zurzeit dagegen. Interims-Valora-Verwaltungsratspräsidentin Beatrice Tschanz erklärt: «Ein Verkauf von Valora ist keine Option. Zuerst muss sich der neue Verwaltungsrat als Team konstituieren, erst dann kann er sich Partnerschaften oder Teilverkäufe überlegen.»

Am 30. Januar soll der neue VR an einer ausserordentlichen Generalversammlung bestimmt werden (siehe Kasten). Selbst beim Verkauf der Sparte Own Brands mit den Produktionsgesellschaften Kägi, Roland, Gillebagaren, Sörlandschips und Cansimag hat Tschanz , wie sie sagt, «den Fuss vom Gas genommen». Trotzdem soll diese Division laut Tschanz in den nächsten Monaten verkauft werden.

Hachette und Rautakirja

Gar kein Interesse mehr an einem Kauf von Valora zeigt der französische Kioskbetreiber Hachette, der im Oktober 2006 noch eine unverbindliche Interessensbekundung geäussert hatte. Jean-Louis Nachury, Chef von Hachette Distribution Services, erklärt gegenüber der «Handelszeitung»: «Wir arbeiten mittlerweilen an anderen Projekten und haben weder ein Interesse an einem Kauf noch an Partnerschaften mit Valora.» Hachette möchte weiterhin international wachsen und ist bereits mit der Kioskkette Naville in der Romandie präsent.

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Verschlossener gibt sich die finnische Kioskkette Rautakirja, die ebenfalls als potente Käuferin gehandelt wird. «Gemäss unserer Unternehmensgepflogenheit kommentieren wir keine Gerüchte», sagt Jukka Nikkinen, Senior Vice Präsident von Rautakirja, auf die Anfrage der «Handelszeitung», ob sein Unternehmen an einem Kauf von Valora interessiert sei. Die finnische Kioskgruppe würde mit ihren Sparten Kioskbetrieb, Pressedistribution und Bücherläden zu Valora passen. Sie ist zudem ausser in Finnland auch in den Niederlanden, dem Baltikum, in Rumänien und in Russland aktiv.

Neuwahl verhindert Aktionen

Klar ist: Kaum einer der möglichen Käufer würde Verkaufsabsichten deklarieren. Wer möchte schon mit Äusserungen in den Medien den Aktienkurs vor einem Kauf in die Höhe treiben. Trotzdem scheinen Valora bis zur Wahl des neuen Verwaltungsrates bezüglich Verkaufsgesprächen oder möglichen Partnerschaften die Hände gebunden.

 

Im Valora-Verwaltungsrat stehen spannende Kampfwahlen an

Obwohl der Verwaltungsrat von Valora die Zuwahl von Adriano Agosti ablehnt, scheint dieser siegesbewusst: «Ich bin überzeugt, dass der Verwaltungsrat in seiner neuen Zusammenstellung ein starkes Team bilden wird. Dabei werde ich mich voll einbringen.» Auch die Wahl von Geltrude Renzi lehnt der VR ab.

Für die ausserordentliche Generalversammlung vom 30. Januar 2008 schlägt der Verwaltungsrat die Zuwahl von Rolando Benedick (Manor-Gruppe), Markus Fiechter (Jacobs Holding) und Conrad Löffel vor. Löffel war bis zu seiner Pensionierung vor einem Jahr Partner sowie Mitglied des VR bei Ernst & Young und zuvor als Finanzchef bei Danzas und Kuoni tätig.

VR-Präsidentin Tschanz lässt noch offen, ob sie bereits an der ausserordentlichen GV aus dem Verwaltungsrat zurücktreten will. Ursprünglich beabsichtigte sie, erst an der ordentlichen Generalversammlung von 29. April 2008 ihren Abschied zu nehmen. An dieser Generalversammlung ist auch offen, ob die beiden bisherigen Verwaltungsräte Werner Kuster und Andreas Gubler sich nochmals als Verwaltungsräte wählen lassen wollen.