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Uhrenbranche
Der Genfer SIHH ist der Baselworld einen Tick voraus

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Uhrenmesse Genf: Heuer gab es einen BesucherrekordQuelle: Keystone

In der Schweiz gibt es zwei grosse Uhrenmessen. Während die Baselworld ums Überleben kämpft, hat der Genfer SIHH Erfolg.

Von Marc Bürgi
am 31.07.2018

Die beiden grossen Schweizer Uhrenmessen haben sich in den letzten Jahren gegensätzlich entwickelt. Die Baselworld kriselt seit längerem. Immer mehr Aussteller verzichteten auf eine Teilnahme an der Uhrenschau. Weil nun sogar die Swatch Group aussteigt, ist die Zukunft der weltgrössten Uhrenmesse in Frage gestellt. Der Genfer Salon International de la Haute Horlogerie SIHH ist in den letzten Jahren hingegen stetig gewachsen und schloss dieses Jahr mit einem Besucherrekord.

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Die Basler Messebetreiber sind es gewohnt, mit den erfolgreichen Genfern verglichen zu werden – und wehren sich dagegen: «Die Baselworld und der SIHH lassen sich nicht miteinander vergleichen», sagte der Chef der MCH Group, René Kamm, im März der «Basler Zeitung».

Der SIHH richtet sich an Branchenvertreter

Tatsächlich unterscheiden sich die beiden Uhrenschauen: Der SIHH konzentriert sich auf Luxusuhren und ist viel kleiner. 2018 nahmen 35 Aussteller und 20'000 Besucherinnen und Besucher teil. In Basel waren heuer immer noch 650 Unternehmen vertreten – obwohl es ein Jahr zuvor noch doppelt so viele waren. Der SIHH steht zudem nur einem Tag der Öffentlichkeit offen, und die Eintritte sind beschränkt. In Basel pilgern über 100'000 Uhrenfans in die Hallen auf dem Messegelände.
 

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LVMH-Uhrenchef Jean-Claude Biver an der Baselworld: Der bekannte Uhrenmanager hält der Messe die Treue.
Quelle: Keystone

Den Vergleich mit Genf muss sich die Baselworld aus Sicht des Experten aber dennoch gefallen lassen. «Die Verantwortlichen haben viele Entwicklungen verschlafen und haben es verpasst, das Konzept zu modernisieren», sagt Pierre-André Schmitt, Co-Chefredaktor des Uhrenmagazins «Watch Around». «Heute reicht es nicht mehr, den Besuchern nur Uhren in Vitrinen zu zeigen.» In Genf werde den Uhrenfans etwas geboten. «Das luxuriöse Ambiente alleine ist bereits ein Erlebnis», findet Schmitt.

Genf profitiert vom Niedergang der Baselworld

Die beiden Messen stehen durchaus auch im Wettbewerb: So wechselten in den letzten Jahren einige Marken vom Rheinknie in die Rhonestadt, etwa Hermès, Ulysse Nardin oder Girard-Perregaux. «Die Schwierigkeiten (der Baselworld) bewegte einige dazu, bei uns anzuklopfen», sagte SIHH-Direktorin Fabienne Lupo gegenüber Journalisten. Der LVMH-Konzern mit den Marken Tag Heuer, Hublot und Zenith ist der Baselworld zwar treu geblieben, führt aber seit einigen Jahren zusätzlich eine Parallelveranstaltung zeitgleich zur SIHH in Genf durch.

Dass nun die Swatch Group an die SIHH wechselt, hält Uhrenexperte Schmitt aber für unwahrscheinlich. Auch die Mitteilung von Swatch von dieser Woche lässt nicht nach einem Wechsel schliessen: Jährliche Uhrenmessen, wie sie heute stattfinden, ergäben für Swatch derzeit keinen Sinn. Der SIHH wird überdies von Marken des Swatch-Konkurrenten Richemont dominiert.

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Uhrenexperte Pierre-André Schmitt: «In dieser Form hat die Baselworld jedenfalls keine Zukunft.»
Quelle: ZVG

«In dieser Form hat die Baselworld keine Zukunft»

Die Baselworld müsse nun eine neue Identität finden, sagt Pierre-André Schmitt. Die Veranstalter sollten neue Konzepte prüfen – etwas mit Vintage-Uhren vielleicht oder einen Fokus auf unabhängige Uhrenmarken. Auch das Datum muss aus Sicht des Experten wieder hinterfragt werden. Der SIHH findet im Januar statt, die Baselworld im März. Seit langem steht die Idee im Raum, die Uhrenmessen kurz nacheinander abzuhalten, so dass ausländische Branchenvertreter an beiden Messen teilnehmen können. «In der heutigen Form hat die Baselworld jedenfalls keine Zukunft mehr», findet Schmitt.