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Der Gesichtsverlust für die UBS ist fatal

«Handelszeitung»-Redaktor Claude Baumann.

Seit fünf Jahren torkelt die UBS von einem Skandal zum andern. Nach dem Libor-Fiasko steht die Grossbank nun als gelähmter Gigant da.

Von Claude Baumann
am 19.12.2012

Mit Hiobsbotschaften von der UBS hat man mittlerweile seine Erfahrung. Schlimm ist nur, dass die Realität die vorausgegangenen Vermutungen zumeist übertrifft. Das ist auch diesmal der Fall: Für die dreiste Manipulation des Libor-Zinssatzes wird das internationale Aushängeschild der Schweizer Bankbranche gleich von drei bedeutenden Aufsichtsbehörden massiv gebüsst – und muss sich in Asien erst noch zu einem schuldhaften Verhalten bekennen. Der Gesichtsverlust ist fatal. 

Nach dem Subprime-Fiasko in den USA, dem Offshore-Drama rund um Bradley Birkenfeld, den nicht enden wollenden Steuerhinterziehungs-Querelen in Europa und dem abstrusen Spekulations-Verlust in London muss die UBS nun auch noch im Libor-Fall ganz unten durch.

Dabei zeigt sich nicht nur, dass die UBS-Verantwortlichen in ihren wilden Bonanza-Jahren der Ära Ospel keine Unverfrorenheit scheuten, um die Ertragszitrone bis zum Geht-nicht-mehr auszupressen, sondern es wird auch offensichtlich, dass der seit mindestens einem Jahr herbei geredete Neuanfang einen massiven Rückschlag erleidet.

Denn um die Glaubwürdigkeit der Institution UBS ist es bis auf weiteres ganz schlecht bestellt. Da nützen selbst die Null-Toleranz-Beteuerungen der neuen Führungscrew herzlich wenig.

Gesamte Geschäftstätigkeit torpediert 

Oft genug haben Aktionäre und Öffentlichkeit aus beredtem Munde respektive von höchster Instanz innerhalb der UBS vernommen, dass nun alle nötigen Vorkehrungen getroffen worden seien, damit die Pleiten und Pannen aus der Vergangenheit sich nicht wiederholen – und trotzdem torkelt die Bank seit fünf Jahren von einem Skandal zum andern.

Das Terrain bleibt vermint. Oder mit anderen Worten: In der Stunde Null zwischen 2012 und 2013 präsentiert sich die UBS als gelähmter Gigant. Denn wie sollen sich Top-Management und Verwaltungsrat auf eine neue und sichere Strategie konzentrieren, wenn sie sich dauernd mit Altlasten herumschlagen müssen? Schlimmer noch, das Ausmass der jüngsten Verfehlungen ist dermassen gewaltig, dass die gesamte Geschäftstätigkeit der UBS dadurch torpediert wird. 


Darum wird es im nächsten Jahr wohl weniger darum gehen, wie viel Vermögensverwaltung und Investmentbanking den optimalen Geschäftsmix ausmachen. Sondern eher, wie die UBS ihre Struktur so verändern kann, dass die Bank wieder glaubwürdig wird. Dass das enorm viel Zeit und Management-Kapazität frisst, ist klar. Ob sie dann auch noch dazu kommt, Geld zu verdienen, muss sich noch weisen. 

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