Die Schweiz ist das wirtschaftlich freiste Land Europas, findet die aktuelle Studie des liberalen Fraser Institutes zu den wirtschaftlichen Freiheiten weltweit. Der Langzeitvergleich zeigt aber: Die Schweiz hat in den letzten Jahren zunehmend schlechter abgeschnitten.

Im Vergleich zum Jahr 2000 – damals erreichte die Schweiz ihre höchste Bewertung – hat die Schweiz 0.61 Punkte eingebüsst. Das mag nach wenig tönen, ein detaillierter Blick auf die fünf bewerteten Bereiche zeigt aber, dass die Schweiz in der aktuellen Studie teils erheblich schlechter abschneidet, als noch vor wenigen Jahren.

So ist im Bezug auf die internationale Handelsfreiheit eine starke Verschlechterung festzustellen und auch im Bereich Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit des privaten Eigentums verschlechterte sich die Bewertung laut den kanadischen Studienherausgebern deutlich.

Regulierungen beschneiden wirtschaftliche Freiheiten

Schuld an dieser Entwicklung sind laut dem Liberalen Institut (die Schweizer Partner der Studie) der landwirtschaftliche Protektionismus und andere nationale Regulierungen, die bei Importen zu einer Verteuerung geführt hätten. «Dazu kommen auch Restriktionen über den Besitz von Immobilien durch Ausländer», so Pierre Bessard, Institutsdirektor zu den Gründen für den Rückgang der internationalen Handelsfreiheit der Schweiz.

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Bei der Rechtsstaatlichkeit hat die Schweiz schlechter abgeschnitten, weil die Bundesgerichte bei ihrer Rechtsprechung häufig Staatsinteressen höher bewerten als die Freiheitsrechte der Bürger. Bei Fragen der Besteuerung sei dies etwa der Fall, so Bessard. Zudem würden Regulierungen wie etwa die Zweitwohnungsinitiative, die Eigentumsrechte schwächen und sich in der Studie daher negativ auswirken.

Unverändert gut steht die Schweiz im Bezug auf die Währungsstabilität da. Beim Umfang der Staatstätigkeit und der Regulierungsdichte konnte die Schweiz sich gegenüber dem Jahr 2000 gar verbessern.

Trotzdem gut klassiert

Auf die Rangierung hat die zunehmende Verschlechterung in der Bewertung bisher keine Auswirkung. Auf Anfrage meinte das kanadische Fraser Institute, dass die Schweiz ihren guten Rang vor allem habe halten können, weil sich andere Topnationen wie beispielsweise die USA noch stärker verschlechtert hätten. Die obige Bildergalerie zeigt, welche Länder sich aktuell direkt vor und hinter der Schweiz einreihen und wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

Die Studie des kanadischen Fraser Institutes vergleicht 157 Länder anhand von fünf Kriterien – gemessen mit 42 Indikatoren auf einer Skala von 0 bis 10 – bezüglich ihrer wirtschaftlichen Freiheiten.

Ein wirtschaftlich freies Land hat laut der Studie einen niedrigen Umfang der Staatstätigkeit (1), ein hohes Mass an Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit des privaten Eigentums (2), eine hohe Stabilität der Währung (3), viel internationale Handelsfreiheit (4) sowie eine niedrige Regulierungsdichte (5). Der Bericht 2015 stützt sich auf Zahlen von 2013. Die Daten stammen unter anderem von der Weltbank und der WTO.