Schon von weitem sieht man sie, die auf einem exponierten Felsvorsprung thronende Ruine Greifenstein, hoch über dem Dorf Siebeneich, das auf halbem Weg zwischen Bozen und Terlan liegt. Dichter Wald umgibt das alte, längst verlassene Gemäuer, weiter unten am Fuss der schroffen Felsformationen dehnen sich Rebberge aus, und immer noch leicht erhöht über dem Talgrund sind, versteckt hinter alten Baumriesen, das imposante Wohnhaus und das langgestreckte Kellereigebäude des herrschaftlichen Ansitzes Kornell auszumachen.

«Archäologische Funde lassen darauf schliessen, dass auf dem Gebiet von Siebeneich bereits vor über 2000 Jahren Rebbau betrieben wurde», erzählt Hausherr Florian Brigl. Und ergänzt: «Die Ursprünge des Gutshofes Kornell dagegen gehen bis auf das 14. Jahrhundert zurück. 1912 wurde dieser in ein Benediktinerkloster umgewandelt, und nach dessen Schliessung 1927 erwarb ihn schliesslich mein Ururgrossvater.»

Vorerst klassischer Mischbetrieb

1996, nach dem frühen Tod s eines Vaters, übernahm Florian Brigl zusammen mit seiner Frau Manuela den Ansitz, mit der Absicht, sich auf den Weinbau zu konzentrieren. Zwar wurden auf dem Gut von Beginn an Reben kultiviert und Wein erzeugt, doch wie die meisten Höfe und Güter war auch Kornell ein Mischbetrieb. Zudem wurden die geernteten Trauben während über 30 Jahren nicht mehr selbst gekeltert, sondern weiterverkauft.

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Mit viel Elan und Begeisterung machte sich Florian Brigl mit seinem Team an die Arbeit, um das, was bereits sein Vater in Angriff genommen hatte, zu vollenden: Die Tenuta Kornell in ein Weingut zu verwandeln, dessen Weine den Vergleich mit jenen von bestandenen Qualitätswinzern nicht zu scheuen brauchen.

Als Erstes erneuerte man die verschiedenen Rebparzellen und bestockte sie – den Lagen entsprechend – teils mit neuen Sorten.

Die Vernatsch-Reben, die bis in die 1980er Jahre das Rückgrat der Südtiroler Weinwirtschaft bildeten (St. Magdalener und Kalterersee), wurden ausgerissen und durch den ebenfalls autochthonen Lagrein sowie die beiden internationalen Erfolgssorten Merlot und Cabernet Sauvignon ersetzt.

Vervollständigt wird der Sortenspiegel durch die beiden weissen Varietäten Sauvignon blanc und – noch nicht in Ertrag stehend – Gewürztraminer.

Gleichzeitig mussten auch die Kellerräumlichkeiten auf Vordermann gebracht und mit neuen Apparaturen und Gerätschaften ausgestattet werden. 2001, im gleichen Jahr, in dem Florian Brigl sein Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Innsbruck abschloss, war es dann so weit. «Erstmals seit 1968 konnte man hier auf Kornell wieder den Geruch von gärendem Wein riechen», erinnert er sich.

Wurden vor sieben Jahren nur gerade 6000 Flaschen abgefüllt, so hat sich inzwischen die Produktion laufend erhöht und liegt zurzeit bei rund 70000 Flaschen. «Da aber noch nicht alle der 11 eigenen und der 4 gepachteten Hektar Rebpflanzungen den vollen Ertrag liefern, wird sich die Jahresproduktion in den nächsten Jahren noch weiter erhöhen», kommentiert Brigl.

Mit historischem Hintergrund

Zum Ansitz Kornell gehören ferner 15 ha Obstkulturen und 40 ha Wald, der sich bis zur Ruine Greifenstein hinauf erstreckt. Die erstmals 1159 erwähnte Burg, die auch unter dem Namen «Sauschloss» bekannt ist, wurde im Laufe ihrer wechselhaften Geschichte mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Der Name «Sauschloss» basiert auf einer Legende aus der Zeit des Adelsaufstandes gegen den Landesfürsten Herzog Friedrich IV. von Österreich. Dieser soll um 1423 die Burg mit seinen Leuten mehrere Wochen lang belagert und auszuhungern versucht haben.

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Als die Verteidiger praktisch ihre gesamten Vorräte aufgebraucht hatten, versuchten sie sich in ihrer Not durch eine List zu retten. Anstatt das letzte ihnen verbliebene Schwein zu schlachten und zu verzehren, warfen sie dieses lachend über den Burgfelsen den Belagerern vor die Füsse. Im Glauben, dass die Verteidiger der Burg noch über unerschöpfliche Lebensmittelvorräte verfügten, zogen daraufhin die Angreifer entmutigt ab ...

«Auch wenn sich dies alles in längst vergangenen Zeiten abgespielt hat, so dient uns heute das Wappentier der Burg als Signet», ergänzt der Südtiroler Winzer. Dieses ist aber nicht die Sau, sondern der Greif!

Schwergewicht beim Rotwein

Bislang ziert der Greif die Etiketten von sechs verschiedenen Weinen, einem weissen und fünf roten. Der Weisswein – ein reinsortiger Sauvignon blanc – wird im Edelstahltank vergoren und ausgebaut und überzeugt durch seine fruchtige Frische. Die Palette der Rotweine, die rund 70% der Produktion ausmachen, setzt sich aus den beiden saftig-fruchtigen Basisweinen Greif (ein reinsortiger Lagrein) und Zeder (eine Cuvée) sowie den drei hochkarätigen Staves-Riservas zusammen.

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Während erstere beide im Edelstahltank vergoren und anschliessend während acht Monaten in grossen Holzfässern und gebrauchten Barriques ausgebaut werden, erfolgt die Vinifizierung der Staves-Weine (Staves ist die Flurbezeichnung des Gebiets um den Ansitz Kornell) in Holzbottichen, teils mittels Spontanvergärung. Anschliessend reifen sie 17 Monate lang in neuen und gebrauchten Barriques und danach weitere zwölf Monate in der Flasche. Ihnen gemeinsam ist eine stoffige, harmonisch-elegante Struktur, eine komplexe Aromatik und ein beachtliches Alterungspotenzial.