Der verheerende Hagelzug vom 23. Juli sorgt für einen Prämienanstieg bei der Fahrzeugversicherung. «Die Hagelschäden werden in der Motorfahrzeugversicherung sicher ihre Spuren hinterlassen», sagt Severin Moser, Leiter Produkte bei der Allianz Suisse.

Eine Umfrage der «Handelszeitung» bei den vier grössten Schweizer Nichtlebenversicherern belegt die Auswirkungen des Hagelgewitters: Die geschätzte Schadenssumme beträgt zwischen 30 und 60 Mio Fr. pro Versicherer (siehe Tabelle). Zwar machen diese Summen weniger als 5% der durch die Versicherer im letzten Jahr gesamthaft bezahlten Schäden aus. Doch der Hagelzug von Ende Juli war einer der grössten in den letzten 20 Jahren, wie Bâloise-Sprecher Amos Winteler bestätigt.

Gemäss Winteler hatten Konkurrenten bereits vor dem Hagelgewitter leichte Prämienerhöhungen vorgenommen, denn das Geschäft mit den Autoversicherungen ist schon länger unter Druck. So ist der Neuwagenverkauf eingebrochen, was weniger Abschlüsse von neuen Motorfahrzeugversicherungen bedeutet. Zudem erhöht sich der Bestand an Altwagen, wodurch es häufiger zu einer Verschiebung von der Voll- zur Teilkaskodeckung kommt.

Anzeige

«Bei Reparaturen sind allgemeine Preissteigerungen zu sehen», fügt Severin Moser von Allianz Suisse hinzu. Einzelne Versicherungsgesellschaften erklären hinter vorgehaltener Hand, dass bei der Motorfahrzeugversicherung die Reparaturkosten teilweise durch die Autoreparaturwerkstätten künstlich oben gehalten werden, um der Rezession zu trotzen. Umso weniger dürfte der Hagelschlag vom Juli die Schweizer Versicherer kalt lassen.

Wettbewerbsdruck

Trotz erhöhter Schadenszahlungen bekriegen sich die hiesigen Assekuranzen besonders im Nichtlebenbereich noch immer bis aufs Blut. «Der Motorfahrzeugversicherungsmarkt ist nach wie vor hart umkämpft», sagt Ruggero Lattanzio, Leiter Mobilitätsversicherung bei der Mobiliar. So hat nicht zuletzt die Rezession den Wettbewerbsdruck angeheizt. Ob das noch lange so weitergehen kann, ist fraglich. «Praktisch alle Gesellschaften sprechen heute von der Notwendigkeit von Preis- beziehungsweise Prämienerhöhungen», sagt Moser.

Absicherung bei Jobverlust

Um die negativen Folgen eines solchen Prämienanstiegs abzudämpfen, werden neue Modelle entwickelt. Besonders schwerwiegend wäre ein Prämienanstieg etwa für Versicherte, die infolge der Rezession arbeitslos sind. Um zusätzliche Kosten wieder einzusparen, reduzieren solche Kunden vielfach ihren Versicherungsschutz. Dem versucht Allianz Suisse seit Ende Juni zumindest in der Motorfahrzeugversicherung mit einer Zusatzversicherung entgegenzuwirken. Dabei wird dem Kunden die Prämie rückerstattet, sollte er durch Entlassung arbeitslos oder arbeitsunfähig geworden sein.

«Die Markteinführung ist erfolgreich angelaufen», sagt Moser. Davon zeigt sich die Konkurrenz allerdings wenig beeindruckt. «Ein solches Produkt ist derzeit nicht geplant, sagt Olivier Michel, Mediensprecher bei Axa Winterthur. Auch Mobiliar plant derzeit keine derartige Zusatzversicherung.
 
Krankenkassen bieten Entlastung

Auf das Thema Arbeitsunfähigkeit setzt derzeit auch Krankenversicherer Helsana. Durch die sogenannte Prämienbefreiung, ein neuartiges Versicherungsprodukt, wird die Prämie für die obligatorische Krankenversicherung sowie allfällige Zusatzversicherungen bei Erwerbsunfähigkeit von Helsana übernommen.

Der Ausgabenanteil für die Gesundheitspflege in der Schweiz ist sehr hoch. Im Warenkorb zur Erhebung des Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) werden die Ausgaben mit über 14% gewichtet. Nur gerade fürs Wohnen geben Herr und Frau Schweizer mit 25% ihrer Gesamtausgaben mehr aus.

Umso grösser dürfte demnach die Nachfrage nach Prämienbefreiung bei Helsana sein. «Das Produkt wurde erst Anfang Juli lanciert, daher ist es noch zu früh, um über dessen Anlaufen etwas zu sagen», sagt dazu Helsana-Mediensprecher Rob Hartmans. Er ist aber überzeugt, dass das Produkt in unsicheren Zeiten wie diesen gut ankommt.

Konkurrentin Visana sieht das anders. «In der Grundversicherung besteht sicherlich kein Bedürfnis nach einem solchen Produkt», sagt Mediensprecher Christian Beusch. So komme bei finanziellen Engpässen die Prämienverbilligung zum Tragen. Diese ist jedoch zeitverzögert - und sie greift nur für die Grundversicherung. «In der Zusatzversicherung dürften die Kunden künftig ihren Versicherungsschutz anpassen, beispielsweise durch Heraufsetzen der Franchise», so Beusch.

Einen Haken hat die Prämienbefreiung von Helsana. Diese greift nur bei Erwerbsunfähigkeit durch Krankheit oder Invalidität. Das Risiko der Arbeitslosigkeit durch Entlassung ist noch nicht abgesichert. «Wenn sich das bisherige Produkt bewährt, werden wir uns sicher weitere Innovationen überlegen», so Hartmans. (mw)