Der Schweizer Immobilienmarkt hat in der Krise Stärke bewiesen: Eine moderate Kreditausweitung während der Boomjahre, Preise, die mit den Löhnen Schritt hielten, sowie eine sorgfältige Kreditvergabe machen den Markt stabil. Die historisch niedrigen Zinsen und die vergleichsweise gute wirtschaftliche Lage der Schweizer in der Rezession brachten 2009 sogar einen Anstieg des Kreditvolumens. 2010 allerdings dürfte die Phase der tiefen Zinsen auslaufen. Gleichzeitig sind die Auswirkungen der Rezession noch längere Zeit spürbar. Die Zahl der Arbeitslosen wird auch in diesem Jahr noch nicht nennenswert sinken. In dieser Konstellation erwarten wir einen leichten Rückgang der privaten Bautätigkeit.

Der Preis entscheidet

Der Hypothekarkredit ist eines der am meisten standardisierten Produkte des Finanzmarktes. Zwei Produktvarianten machen 95% aller Verkäufe aus: Feste und variable Hypotheken. Der Preis entscheidet über die Wahl der Hypothekarbank. Zusammen mit der gestiegenen Transparenz durch das Internet führt das zu einem harten Preiskampf, der vor Dumpingangeboten nicht Halt macht. Auch vor dem Hintergrund des aktuellen Finanzmarktes bleibt da für die Banken kein Spielraum zur Ausdehnung ihrer Margen. Um in Zukunft auf diesem Markt zu bestehen, der aufgrund seiner regelmässigen Einnahmen dennoch lukrativ ist und als vergleichsweise sicher gilt, müssen sich Hypothekarfinanzierer Gedanken um die Ausrichtung ihres Geschäftes machen. So lassen sich gesellschaftliche Trends feststellen, die auf längere Sicht die heute doch recht homogene Gruppe der privaten Hypothekarkunden aufbrechen könnten. Diese sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, verheiratet und haben ein oder zwei Kinder im Kleinkind- bzw. Vorschulalter. Während der Bedarf an selbstgenutztem Wohneigentum trotz Krise, sinkender Geburtenraten und abnehmender Zuwanderung steigt, differenziert sich die Gruppe der Eigentümer hinsichtlich Alter und Lebensbedürfnissen aus. Und mit ihnen die Wohn- und Kreditmodelle. Die Zielgruppe wird älter, mobiler und umweltbewusster.

Der klassische Neubau eines Eigenheims - heute noch das Schwergewicht im Portfolio vieler Retailbanken - wird an Bedeutung verlieren. Modernisierungen sowie Stockwerkeigentum werden zunehmen. Kreditgeber müssen zukünftig mit Schuldnern mit schwankenden bzw. fehlenden Einkommen umgehen können. Bauherren legen mehr Wert auf nachhaltiges Bauen. Energiesparhypotheken wie die Minergie-Hypothek gewinnen an Bedeutung.

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Bewegte Zeiten stehen bevor

Die Abschaffung des Eigenmietwertes - zurzeit als Vorschlag des Bundesrates in der Vernehmlassung - könnte in nächster Zeit ebenfalls für Veränderungen im Hypothekarmarkt sorgen. Alles in allem also bewegte Zeiten in einem traditionellen Geschäft.