1. Home
  2. Unternehmen
  3. «Der Import brummt nach wie vor»

Interview
«Der Import brummt nach wie vor»

Peter Bauer, Geschäftsführer Dachser Schweiz

Dachser-Schweiz-Chef Peter Bauer erklärt, wie sich die Logistikbranche im unsicheren wirtschaftlichen Umfeld schlägt, wie sich die Krise auf Margen auswirkt und wo er noch Wachstumspotenzial sieht.

Von Frederic Spohr
am 09.07.2013

Herr Bauer, die Logistikbranche ist sehr konjunkturabhängig. Derzeit steckt fast ganz Europa in der Krise. Dachser Schweiz konnte sich gut halten. Wie kommt das?
Peter Bauer: Natürlich ist die Logistik sehr konjunkturabhängig, aber man muss zwischen den einzelnen Bereichen differenzieren. Der Import brummt beispielsweise nach wie vor. Die Schweizer konsumieren viel und auch das nationale Geschäft läuft sehr gut. Allerdings schwächelt unser Exportgeschäft, vor allem aufgrund des starken Frankens und der aktuell schwachen Konjunktur in einigen europäischen Volkswirtschaften.

Wie macht sich die Krise hier bemerkbar?
Die Transportgewichte sinken, ausserdem verlagern sich viele Transporte von Flugzeugen auf Schiffe. Die Güter können wieder länger unterwegs sein, weil im Gegensatz zur Hochkonjunktur auch die Produktion langsamer läuft. In der Flaute muss nicht immer gleich sofort geliefert werden, also nutzen die Kunden lieber den günstigeren Seetransport. Diese Verschiebung ist ganz natürlich.

Sie drückt allerdings Ihre Margen.
Der Lufttransport ist in dieser Hinsicht tatsächlich ein bisschen interessanter für uns, obwohl mit allen Verkehrsträgern zufriedenstellende Margen erwirtschaftet werden. Wenn die Wirtschaft heiss läuft und die Ware schnell transportiert werden muss, dann sind die Unternehmen bereit, dafür auch mehr zu bezahlen. Aber als Dienstleister müssen wir alle Lösungen anbieten, die unsere Kunden wollen. Und wir haben sowohl in der See- als auch in der Luftfracht grosse Erfahrung.

Trotz eines unsicherem wirtschaftlichen Umfeldes wollen Sie auch in neue Immobilien oder Erweiterungen investieren. Haben Sie keine Angst, sich zu übernehmen?
Wir gehen davon aus, dass unser Kerngeschäft weiter wachsen wird und wir wollen uns darauf einstellen. Die steigende Arbeitsteilung der Wirtschaft erfordert mehr Transporte. Aber die müssen mit hoher Leistungssicherheit geschehen, denn Störungen können diese hochsensiblen Lieferketten schnell zerreissen. Um die sichere und pünktliche Lieferung zu garantieren, brauchen wir Knotenpunkte. Allerdings stehen wir im Management auch vor der grossen Herausforderung keine Überkapazitäten zu schaffen. In der Logistik kann man sich die nicht leisten.

Wo sehen Sie zukünftig noch Wachstumspotential?
Wir spüren derzeit eine starke Nachfrage nach zusätzlichen Dienstleistungen. Die Kunden wollen, dass wir uns beispielsweise auch um die Paketierung, Etikettierung und Lagerung kümmern. Nehmen wir als Beispiel die Stecker von Elektronikartikeln, die in der Schweiz ja ein anderes Format haben. Es ist beispielsweise ein zusätzlicher Service, wenn wir nicht nur den Artikel transportieren, sondern schon während der Transportzeit auch den Stecker austauschen. Das ist simpel, aber jemand muss es tun.

Anzeige