Vor zwei Jahren, da zeigte - noch unter Ford - die neue Mittelklasse-Limousine XF die zukünftige Designsprache der englischen Traditionsmarke - und jetzt steckt auch unter dem Blech derart viel wegweisende Zukunftstechnologie, dass das langsam verblassende Image Jaguars korrigiert wird. Und zwar deutlich. Denn Jaguar, vor etwas mehr als einem Jahr an die indische Tata verkauft, hat nicht nur den XF als Nachfolgemodell des glücklosen S-Type zum wichtigsten Standbein gepusht, sondern die zugkräftige Modellreihe auch mit neuester Motorentechnologie ausgerüstet. Damit stellen sich die Engländer der Herausforderung, luxusautomobile Leistung mit hoher Kultiviertheit, Dynamik und Komfort zu kombinieren. Bestes Beispiel hierzu ist der neue 3.0-l-Turbodiesel S mit 275 PS Leistung (240 PS in der Normalversion). Er erfüllt nicht nur - zwei Jahre vor ihrer Einführung - die Euro-5-Norm. Seidenweich lässt sich der Wagen fahren, vor allem auf längeren Reisen: Der Diesel schnurrt, auch dann, wenn der Biturbo für die nötige Kraft sorgen muss, so leise wie ein zahmes Kätzchen, keine Spur vom früheren «Nageln» der Selbstzünder.

Flüsterleise und bärenstark

Leistungsmässig hingegen kopiert das XF-Aggregat das Firmenlogo. Ein Turboloch existiert nicht, dementsprechend beschleunigt die Limousine in 6,4 Sekunden auf flotte 100 Stundenkilometer. Diese Leistungsbereitschaft basiert auf der Direkteinspritzung, die den Verbrennungswirkungsgrad optimiert, vor allem aber auf dem dadurch deutlich verbesserten Drehmoment. 600 Nm (Normalversion 500 Nm) stehen im S zur Verfügung. Das sind Werte, die kaum einen Konkurrenten zu scheuen brauchen, auch aus deutschen Landen nicht. Dazu kommt, dass sich der XF mit einem Verbrauch unter der 7-l-Marke begnügt. Setzt man den rechten Fuss sorgfältig ein, lässt sich auf längeren Ausflügen ein Konsum von 6,6 l/100 km «erfahren»; dementsprechend fällt der CO2-Ausstoss gegenüber dem früheren 2,7-l-Dieselmotor um ungefähr 10% auf 179g/km. Das reicht, um sich bei der Energieeffizienz einen B-Schein zu holen.

Ein tiefer Verbrauch ist heute Bestandteil von Lifestyle. Wer hier den XF wählt, liegt deshalb richtig. Auch was die Innenausstattung betrifft. Leder, Chrom und edle Hölzer verbreiten jene Salonatmosphäre, die der britischen Marke eigen ist. In der Verbindung mit der neuen Motorentechnologie, dem in dieser Kategorie üblichen Sicherheitsprogramm und dem leichten Handling holt sich der XF auch im Modelljahr 2010 eine Position, die ihn zu einem starken Partner macht. Der XF bietet Jaguar zudem die Chance, neue Kunden zu gewinnen. Das ist nötig, denn mit einem Minus von 32,5% im Vorjahresvergleich bei den Schweizer Neuimmatrikulationen im Zeitpunkt Januar - Oktober gehören die Briten momentan zu den Verlierern. Immerhin: Bis Ende September (die Oktober-Detailzahlen nach Modellen liegen noch nicht vor) wurden 295 XF eingelöst. Hochgerechnet aufs Gesamtjahr müsste das annähernd reichen, um die budgetierte Zahl von 405 Verkäufen zu erreichen.

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