1. Home
  2. Unternehmen
  3. Der Kampf um Sika ist noch nicht entschieden

Reaktionen
Der Kampf um Sika ist noch nicht entschieden

Klebstoff-Produktion in Düdingen: Wem gehört die Sika?   Keystone

Der Übernahmekrieg zwischen dem Sika-Management und der Familie Burkard ist ein grosses Thema in der Sonntagspresse. Gleich drei Zeitungen bringen ausführliche Hintergründe.

Veröffentlicht am 01.02.2015

Die Sika-Führung wehrt sich gegen die Übernahme durch die französische Saint-Gobain-Gruppe. Die Front gegen den Kauf wird dabei immer stärker der Sika-Verwaltungsrat schart immer mehr Mitstreiter hinter sich. Mittlerweile proben Vertreter von 40 Prozent des Aktienkapitals den Aufstand.

In der Sonntagspresse nehmen sowohl Vertreter der Eigentümerfamilie Burkhard, als auch VR-Präsident Paul Hälg, sowie Ethos-Direktor Dominique Biedermann Stellung zum schmutziger werdenden Übernahmekrieg.

Eigentümerfamilie kritisiert Verwaltungsrat

«Einige Sika-Verwaltungsräte führen sich so auf, als ob ihnen das Unternehmen gehören würde», sagt Andreas Durisch, Sprecher der Schenker Winkler Holding, der «NZZ am Sonntag». Die Schenker-Winkler Holding hält 16 Prozent des Aktienkapitals und 52,4 Prozent der Stimmrechte an Sika und will ihr Aktienpaket an die französische Saint-Gobain verkaufen.

«Die Schenker-Winkler Holding ist seit Gründung der Sika als Namenaktionärin eingetragen. Die Sika wusste stets, dass die Familie Burkard die Schenker Winkler Holding verkaufen kann und akzeptierte dies», erklärt Durisch weiter. «Heute ignoriert die Sika diese Fakten und will sich nicht mehr an die Rechtslage halten. Dies ist unzulässig.»

Am vergangenen Sonntag hat der Verwaltungsrat entschieden, das Stimmrecht der Schenker-Winkler Holding auf 5 Prozent zu beschränken. «Diese Beschränkung gilt bis auf Weiteres», sagt Sika-Sprecher Dominik Slappnig.

Paul Hälg sieht wachsende Unterstützung

Im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» sagt Paul Hälg, dass er «fest davon ausgehe, dass die Unterstützung noch wachsen wird». Inzwischen hätten sie die Hälfte der Publikumsaktionäre hinter sich. «Das ist eine ganz anständige Unterstützung, mit der wir bereits sehr zufrieden sind.»

Er geht davon aus, dass die geforderte ausserordentliche Generalversammlung möglicherweise nicht stattfinden wird. «Es läuft ein Gerichtsverfahren, das an Fristen gebunden ist. Dieses hat die Familie einberufen. Es kann durchaus sein, dass der Entscheid des Gerichts zeitlich sehr nahe an die ordentliche GV herankommen wird. Dann würde eine ausserordentliche GV wohl wenig Sinn mehr machen.»

«Chancen bei fifty-fifty»

Zu den Chancen, dass der Deal platzt, sagt Hälg im Interview: «Die einen Analysten schreiben, unsere Chance liege bei 70 Prozent. Andere vertreten die Ansicht, dass der Deal zu 70 bis 80 Prozent durchkommt. Wenn man die Mitte nimmt, dann dürften die Chancen bei fifty-fifty liegen.»

Der Sika-Präsident weiss, dass er mit dem Oppositionskurs gegen die Besitzerfamilie grosse persönliche Risiken eingeht. «Wir sind uns bewusst, dass wir als Verwaltungsräte haftbar gemacht werden könnten und dass wir ein Risiko eingehen. Wir setzen uns aber für sämtliche Stakeholder ein, für alle Aktionäre und die Firma.»

Biedermann: «Familie Burkard nur am Geld interessiert»

Erstmals äussert sich auch Dominique Biedermann zum Kampf um den Schweizer Bauchemiekonzern Sika. Der Direktor der Anlagestiftung Ethos wirft der Sika-Besitzerfamilie Burkard im Interview mit «Sonntags Blick» Geldgier vor: «Die Familie Burkard ist nur am Geld interessiert und handelt rein egoistisch.»

Biedermann ist überzeugt, dass sich der Kampf gegen die Übernahme von Sika durch den französischen Konzern Saint-Gobain gewinnen lässt. «Wenn eine grosse Mehrheit der Minderheitsaktionäre unsere Anträge unterstützt, wird das sehr viel bewirken. Saint-Gobain kann sich eine derart starke Opposition nicht leisten.»

Der Aktionärsschützer ruft weitere Fonds und Pensionskassen dazu auf, sich seiner Gruppe anzuschliessen. Die Pensionskassen der Kantone Zürich und Basel sowie Tochterfirmen von Swisscom, Migros und der UBS unterstützen bereits die Ethos-Anträge. SBB, Suva und Swisscanto fehlen hingegen.

(gku)

Anzeige