Nach dem milliardenschweren Rettungspaket des Bundes für die UBS wird das Vertrauen von Kunden und Aktionären zur Schicksalsfrage. Der Zürcher Bankenprofessor Hans Geiger ist überzeugt: «Es schadet dem Image, wenn eine Bank Staatshilfe in Anspruch nehmen muss.» Entscheidend sei deshalb, dass die UBS das in der Krise verlorene Vertrauen rasch wieder zurückgewinnen könne.

«Die UBS kann das Vertrauen nur schrittweise erarbeiten, indem sie transparent und kompetent informiert», rät der Ex-Notenbanker und Basler Wirtschaftsprofessor Kurt Schiltknecht. Imagemässig profitieren nach Schiltknecht die Banken, die ohne Staatshilfe durch die Krise kommen. Seine Schlussfolgerung: «Übersteht die Credit Suisse die Krise ohne Staatshilfe – und davon gehe ich aus –, dann zählt sie zu den Gewinnern.»

In den letzten Tagen wurde selbst über eine Fusion der beiden Grossbanken spekuliert. Ein solcher Schritt wäre für Schiltknecht jedoch «nur eine temporäre Notlösung». Der CEO der Valiant Bank, Kurt Streit, hält das Zusammengehen der beiden Schweizer Grossbanken gar für undenkbar: «Das Klumpenrisiko wäre zu gross.»

Anzeige

Schadenfreude über die Probleme der Grossbanken kennt Regionalbanker Streit nicht. Im Gegenteil. Für alle seien die Bedingungen am Markt «wesentlich härter» geworden. «Entsprechend bezahlen wir alle indirekt die Zeche der Intervention.»

Lob und Rüge für die Schweiz

Adolf E. Real, CEO der Liechtensteiner VP Bank, lobt gegenüber der «Handelszeitung» den Bundesrat dafür, «dass er nicht von Anfang an in das internationale Konzert von Hilfeleistungen und Garantien eingestimmt hat».

Völlig anderer Ansicht ist der frühere deutsche Bundesfinanzminister Hans Eichel. Die Schweiz mit ihrem in Europa fest integrierten Bankensystem hätte sich am EU-Massnahmenpaket beteiligen müssen, meint Eichel. «In dieser globalen Krise gibt es keine nationalen Lösungen. Denn nationale Eigenwege bergen die Gefahr in sich, dass sie bei anderen neue Probleme schaffen, wodurch das Gesamtproblem verschärft wird.» Die Finanzmarkt- und Bankenkrise werde den Druck auf das Bankkundengeheimnis verstärken. «Das ist kein Geschäftsmodell mit Zukunft», sagt Eichel.

Massiven Druck auf die Schweiz baut nun auch die deutsche Bundesregierung auf: Finanzminister Peer Steinbrück fordert jetzt, dass die Schweiz auf die «Schwarze Liste» kooperationsunwilliger Steuerparadiese der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gesetzt wird.

Finma unter Beobachtung

Die weltweite Bankenkrise hat auch Folgen für die schweizerische Finanzmarktaufsicht. Ab kommendem 1. Januar 2009 ist dafür neu die Finma zuständig. Bereits heute mehren sich die kritischen Fragen, ob die neue Super-Behörde angesichts der gestiegenen Anforderungen personell genügend dotiert sei.