Für alle grossen Firmen, ob sie nun Credit Suisse, IBM Schweiz oder Syngenta heissen, ist das Internet längst der wichtigste Kanal, um Arbeitskräfte zu rekrutieren. «Wir suchen unsere Leute nur noch selten über Printinserate, sondern schreiben vielmehr die Stellen auf dem firmeneigenen Portal oder auf Jobplattformen wie jobs.ch oder jobwinner.ch aus», erklärt zum Beispiel Marco Steinmann, Sprecher von Siemens Schweiz. Zur gezielten Gewinnung von Hochschulabsolventen schaltet der Konzern auch Inserate direkt auf Studentenplattformen wie students.ch oder diplom.ch online.

Die Bedeutung des Internets bei der Personalrekrutierung belegen etwa Zahlen von Roche. Auf dem eigenen Karriereportal http:// careers.roche.com haben sich seit dessen Aufschaltung vor drei Jahren mehr als 85000 Interessierte mit ihrem Bewerberprofil registrieren lassen. Allein 2007 haben 4,8 Mio Menschen das Portal besucht. Der Pharmakonzern hat laut Sprecher Alexander Klauser über diesen Kanal im letzten Jahr weltweit 2100 neue Mitarbeitende eingestellt.

Firmenportal als erste Adresse

Das Beispiel Roche hat in den meisten Unternehmen längst Schule gemacht: Viele Stellen werden über die firmeneigene Website vergeben, noch bevor sie auf einer externen elektronischen Jobbörse platziert werden.

Die Hochschulabsolventen gehen folglich am gezieltesten vor, indem sie sich direkt auf diese Firmen-Jobbörsen klicken. Diese Art der Suche bedingt allerdings, dass einer sich darüber im Klaren ist, bei welchem Unternehmen er seine berufliche Karriere starten möchte. Und wie bei der traditionellen schriftlichen Bewerbung gilt es auch im Internet, einige Grundsätze zu beachten. Denn das digitale Medium verführt zur Spontaneität, und da sind umso schneller ein paar Fehler passiert. «Schlampigkeit hat bei einer Bewerbung im Internet jedoch nichts zu suchen», warnt Adrian Bührer, CEO von Students.ch.

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Eine Frage der Diskretion

Um die Suche zu automatisieren, empfiehlt es sich nach Möglichkeit, ein Suchprofil einzurichten. So erhalten Sie als Jobsuchender via Mail oder SMS regelmässig Informationen über die zu besetzenden Stellen. Auch beim Einrichten des Suchportals gilt: Keine Flüchtigkeiten, sondern Perfektion! Allenfalls muss sich einer dafür fast so viel Zeit nehmen wie für eine normale Print-Bewerbung.

Verbessern Sie Ihre Chancen auf den erwähnten Spezial-Plattformen für Hochschulabsolventen und für spezifische Ziel- und Berufsgruppen. Beispiel Students.ch. Das grösste Multiservice-Portal für Studierende in der Schweiz hat als eine von acht Funktionalitäten Jobs + Career aufgeschaltet. Aktuelles Angebot: 68 Voll-, 90 Teilzeit- und 40 Praktikastellen. Hinzu kommen zwei Dutzende Links zu Firmen, die sich gezielt an Hochschulabsolventen richten.

Einen Nachteil müssen Online-Bewerber in Kauf nehmen: Die elektronischen Jobbörsen legen zwar auf Sicherheit und Datenschutz grossen Wert. E-Mails können aber prinzipiell leichter an falsche Empfänger gelangen oder gar verloren gehen als etwa Briefe. Wer also eine Bewerbung ins Netz schickt, muss mit unliebsamen Mitlesern rechnen, spätestens dann, wenn die Infos bei der Firma landen.

 

 

nachgefragt


«Studierende sind stets online»

Adrian Bührer, CEO der Plattform Students.ch, über die wachsende Bedeutung von elektronischen Jobbörsen für den Karriereeinstieg.

Wie rege benutzen die Studierenden auf Ihrer Informationsplattform die Jobbörse Jobs + Career?

Adrian Bührer: Jobs + Career wird täglich von über 1000 Studenten besucht. Die Jobbörse ist zur wichtigsten Informationsquelle für Absolventen zum Thema Beruf und Karriere geworden.

Was bietet Jobs + Career zusätzlich über die Stelleninserate hinaus?

Bührer: Die Studierenden finden Firmenporträts von fast allen grossen Unternehmen der Schweiz, die ernsthaft und aktiv Absolventenrecruiting betreiben. Darunter die Schweizerische

Eidgenossenschaft, Accenture, ABB und Hewlett-Packard.

Der direkte Link zu zwei Dutzend Firmen auf Students.ch ist zwar ein hübscher Anfang, aber kann wohl kaum das Ziel sein?

Bührer: Unser Ziel ist es, bis Ende 2008 Links zu allen Firmen zu haben, die regelmässig Studenten oder Absolventen einstellen.

Gesucht sind auf dem Arbeitsmarkt Betriebswirtschaftler, Ingenieure und Informatiker, aber nur wenig Geisteswissenschaftler: Bietet Students.ch Spezielles, um deren Chancen zu verbessern?

Bührer: Tatsächlich haben es Geisteswissenschaftler schwer, aber gerade Beratungsfirmen, welche gut auf Students.ch vertreten sind, suchen zum Teil Quereinsteiger mit alternativen Denkmustern. Zudem: Ich bin selber auch Geisteswissenschaftler und habe meinen Weg gefunden ?

Machen die Unternehmen bei der Rekrutierung alles richtig?

Bührer: Firmen investieren Zehntausende Franken in Printwerbung und Absolventenmessen. Bedenken sollten sie aber, dass sowohl Information, Auswahl und Bewerbung heutzutage vor allem online stattfinden. Manchmal scheint mir, die HR-Abteilungen gäben ihr Geld nach wie vor am falschen Ort aus. Studenten sind online, die Firmen sollten es auch sein.