Die Wirtschaftskrise hat auch die Hupac-Gruppe voll erfasst, ein Minus von rund 22% ist die Folge. Mit welcher Entwicklung rechnet man bis Ende Jahr?

Bernhard Kunz: Wir gehen für das ganze Jahr von einem Minus in der Grössenordnung von etwa 13 bis 5% aus. Im Laufe der Monate Juni und Juli haben sich die Rückgänge zum Teil deutlich verkleinert. Vieles hängt von der Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Monaten ab. Es sind erste Anzeichen einer Erholung sichtbar. Erfreulich ist auch, dass wir in jüngster Zeit einige Anfragen seitens der Kundschaft für neue Verkehre erhalten haben.

Welche Massnahmen wurden ergriffen, um dem Negativtrend entgegenzuwirken?

Kunz: Durch die Konsolidierung unseres Netzwerkes konnten wir Züge einsparen, ohne dass sich dies jedoch negativ auf das Angebot an unsere Kunden ausgewirkt hat. Dadurch und dank vieler anderer Massnahmen konnte vermieden werden, dass noch mehr Volumen verloren gingen. Ein spezielles Lob geht an unsere Bahnpartner, die in dieser schwierigen Zeit dank viel Flexibilität mitgeholfen haben, den Volumenrückgang zu bremsen.

Welche Rolle spielte die stärkere Konkurrenz der Strasse?

Kunz: Unsere Kunden sind auch als Strassentransporteure tätig, die in erster Linie danach trachteten, die eigenen Ressourcen auszulasten. Die Strasse hat dank ihrer Flexibilität in dieser Phase einen grossen Vorteil gegenüber dem System Schiene, zumal der Preiszerfall des Lastwagen-Gewerbes als «selbstzerstörend» zu bezeichnen ist. Trotzdem ist es uns gelungen, die Abwanderung von Transporten auf die Strasse in Grenzen zu halten.

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Hupac hat zusammen mit DB Intermodal vertaktete Kombiverkehre von Skandinavien bis Süditalien entwickelt. Wie erfolgreich sind diese?

Kunz: Mit dieser Verbindung können wir Verkehre von Norwegen, Finnland und Schweden Richtung Südeuropa anbieten. Dazu zählt auch die Verbindung von Taulov nach Verona. Aber auch diese Länder sind derzeit von der rückläufigen Wirtschaftsentwicklung betroffen.

Derzeit steht in der Schweiz eine Erhöhung der Trassenpreise im Raum. Wohl eher eine unzeitgemässe Idee?

Kunz: Absolut, was wir jetzt brauchen, sind Anpassungen der Trassenpreise und keine Erhöhung. Schon heute zahlen wir in der Schweiz im Güterverkehr auf der Schiene europaweit betrachtet die höchsten Trassenpreise. Hier bedarf es einer Anpassung des Systems an unsere Nachbarländer. Nur so können wir den Güterverkehr nachhaltig stützen.

In Antwerpen befindet sich ein Hupac- Terminal im Bau und in Busto wird der seit 15 Jahren genutzte Terminal saniert. Gehen diese Arbeiten planmässig voran?

Kunz: Diese Arbeiten laufen unverändert weiter, denn mittelfristig bestehen nach wie vor Engpässe im Bereich leistungsfähiger Terminals in Nord- wie in Südeuropa. Sowohl der HTA Hupac Terminal Antwerp wie auch der Combinant Terminal, an dem Hupac beteiligt ist, werden im kommenden Jahr in Betrieb genommen.

Um SBB Cargo ist es eher ruhig geworden. Gleichzeitig ist das Unternehmen der Haupttraktionär von Hupac. Wie beurteilt man die Zukunft von SBB Cargo aus der Sicht der Hupac SA?

Kunz: Der Partnerschaftsprozess der SBB Cargo läuft zurzeit noch, und wir gehen davon aus, dass gegen Ende Jahr ein Entscheid gefällt werden dürfte. Wir selber haben ebenfalls einen Vorschlag für eine Zukunftslösung eingebracht, der zur Diskussion steht.

Hupac baut eine eigene Werkstätte in Busto, in der kleinere Revisionen an den eigenen Wagen durch Dritte vorgenommen werden sollen. Läuft dieses Projekt bereits?

Kunz: Diese Werkstätte ist noch nicht ganz fertiggestellt. Die Infrastruktur mit den zusätzlichen Gleisen kann teilweise schon für kleinere Instandhaltungsarbeiten genutzt werden. Wir werden aber nach wie vor grössere Instandhaltungsarbeiten an unseren Waggons, die auf der Nord-Süd-Achse eingesetzt werden, in den Werkstätten von Bellinzona durchführen lassen.

Die EU will im kommenden Jahr mit einem neuen Weissbuch die weitere Marschroute in der europäischen Verkehrspolitik aufzeigen. Was erwarten die KV-Operateure von diesem Vorhaben?

Kunz: Im europäischen Schienengüterverkehr bestehen noch einige Problembereiche, in denen Lösungen erarbeitet werden müssen. Stichworte sind Trennung von Infrastruktur und Betrieb, spezielle Trassen für den Güterverkehr, technische Vorschriften für Rollmaterial und Verkehr sowie die Konsolidierung bei den Güterverkehrsgesellschaften. Eine Bestandesaufnahme dieser Probleme ist sicher begrüssenswert und wird auch von uns unterstützt.

Der Unfall im Bahnhof Viareggio hat vor kurzem zu Diskussionen zum Thema Sicherheit im Schienengüterverkehr geführt. Welchen Stellenwert hat dieser Aspekt?

Kunz: Dieses Thema beschäftigt auch uns stark, denn wir sind als Wagenhalter heute für die Sicherheit des Rollmaterials verantwortlich. Ein solcher tragischer Vorfall darf sich nicht mehr wiederholen. Vor allem muss in Zukunft ein stärkeres Gewicht auf die Einhaltung der bestehenden Sicherheitsvorschriften gelegt werden. Dabei darf aber keine Überregulierung entstehen, vielmehr müssen europäische Richtlinien erarbeitet und in Kraft gesetzt werden, um somit nationale Insellösungen zu vermeiden. Dies wäre nicht praktikabel und würde noch zusätzliche Kosten auslösen.

 

 

NACHGEFRAGT Alessandro Valenti, Business Manager, Shuttle Net Hupac AG, Chiasso


«Mit neuen Destinationen gegen die Krise»

Denkt man trotz Krise an neue Verkehrsverbindungen?

Alessandro Valenti: Aber sicher, eine positive Entwicklung verzeichnen wir beispielsweise im transalpinen Verkehr über den Brenner, dort wurde ein Plus von über 20% erreicht. Gegen Ende Jahr planen wir eine zusätzliche Verbindung zwischen Rotterdam und Verona. Vorgesehen ist aber auch ein 4-m-Korridor ab Köln durch die Schweiz via Lötschberg-Simplon nach Novara.

Hupac hat in den vergangenen zwölf Monaten verschiedene neue Verbindungen von und nach Osteuropa eingeführt. Könnte sich Osteuropa zum zweiten starken Standbein für die Verkehre von Hupac entwickeln?

Valenti: Die Verbindungen nach Osteuropa werden auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen, werden aber volumenmässig nicht an diejenigen auf der Nord-Süd-Achse herankommen. Wir wollen jedoch in diesem interessanten Zukunftsmarkt unsere Position weiter ausbauen und verstärken. Wir können heute schon Transporte im UKV bis Russland anbieten. Auch der Zugang zu der transsibirischen Route steht uns offen. Ein Problem stellen in dieser Region die unpaarigen Verkehre dar. Deshalb sind wir daran, die Vernetzung der einzelnen Destinationen auf der West-Ost-Achse zu intensivieren.

Der Bund will bis Ende dieses Jahres zusätzliche 33 Mio Euro für die stärkere Subventionierung freigeben. Hilft dies ebenfalls dem KV?

Valenti: Hier handelt es sich nicht um zusätzliche Subventionen, sondern die bestehenden Mittel werden voll ausgeschöpft. Diese Massnahme hat mit dazu beigetragen, dass sich der Negativtrend im Kombiverkehr abschwächte. Diese zusätzlichen Beiträge haben wir dann auch vollumfänglich an unsere Kunden weitergegeben.

Wie beurteilt die Hupac generell die Konkurrenzfähigkeit des Kombinierten Verkehrs in Europa?

Valenti: Der Kombinierte Verkehr ist unverändert eine attraktive Alternative im europäischen Güterverkehr, besonders auf langen Distanzen. Deshalb werden wir auch unsere Investitionen in neue Destinationen weiterführen.