Seit Herbst 2008 «verzeichnen wir eine Steigerung der Anmeldezahlen um 20%», erklärt Sabrina Berndt, Sprecherin von Elitepartner.ch. Das Portal ist seit 2005 in der Schweiz aktiv und gehört zur deutschen Tomorrow Focus, einem Unternehmen der Hubert-Burda-Media-Gruppe. «Unsere Branche ist krisensicher, denn die Liebe ist ein Grundbedürfnis, und in unsicheren Zeiten steigt das Bedürfnis nach Geborgenheit in einer Partnerschaft», betont Berndt weiter. Elitepartner.ch mit seinen aktuell 125000 Mitgliedern rechnet in diesem Jahr in der Schweiz denn auch mit einer Umsatzverdoppelung, ohne allerdings genaue Zahlen zu nennen. 2008 habe der Umsatz im einstelligen Millionenbereich gelegen, lässt Sabrina Berndt immerhin durchblicken.

Im Dschungel der Anbieter

Mehr als zwei Drittel der rund 1,1 Mio Schweizer Singles klicken sich heute zwecks Partnersuche durchs Internet. Dort finden sich inzwischen mehr als 500 Kontaktanzeigen-Portale, Partnervermittlungen, Seitensprung-Agenturen und ähnliche Services. Viele von ihnen sind Nischenanbieter, die sich nur an bestimmte Interessengruppen richten. In diesem Dschungel die Übersicht zu gewinnen, ist folglich gar nicht so einfach. Elitepartner.ch zählt zu jenem halben Dutzend grösserer Anbieter, die den Markt dominieren. Bei diesen Mainstream-Vermittlern liegen grundsätzlich alle richtig, die einfach auf der Suche nach dem richtigen Partner oder der richtigen Partnerin sind, ohne spezifischere Neigungen und Vorlieben.

Online-Dating hat sich längst von einem Nischendasein für Computerfreaks zum Volkshobby entwickelt. Die Marktforschungsdaten des Portals singlebörsen-vergleich.ch zeichnen ein deutliches Bild: Die Zahl der sich monatlich auf den Dating-Portalen tummelnden Surfer ist in der Schweiz von weniger als 100000 im Jahr 2001 auf weit über 750000 bis Ende 2008 angestiegen. Die Kenner der Szene sind sich einig: In diesem Jahr dürfte die Wirtschaftskrise der Branche gar noch einen Extraschub verleihen. Schliesslich lasse sich eine Menge sparen, wenn man zum Knüpfen von Kontakten sein Geld nicht erst in Bars und Kneipen ausgeben müsse, schätzt Branchenexperte Henning Wiechers, der Betreiber der Seite singlebörsen-vergleich.ch.

Anzeige

Die Schweizerinnen und Schweizer sind - zusammen mit den Schweden - europaweit offenbar die fleissigsten Flirter im Netz. Dies hat eine Studie der Parship GmbH ergeben, eines Unternehmens der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Das europaweit tätige Portal mit 10 Mio Mitgliedern wird auch als «Mercedes der Branche» bezeichnet. Und es profitiert offenbar ebenfalls von der Krise. «Wir zählen gegenüber dem Vorjahr 10 bis 15% mehr Nutzer», sagt Martin Dobner, Länderchef Schweiz. Parship.ch dürfte nach Zahl der registrierten Mitglieder die Nummer eins auf dem Schweizer Markt sein. Die Parship-Klientel gilt als besonders anspruchsvoll, denn die meisten Nutzer werden über die Online-Portale renommierter Printmedien - «Neue Zürcher Zeitung», «Die Zeit», «Spiegel» - gewonnen. «Unsere Mitglieder sind aktive und dynamische Singles mit gehobenem Bildungs- und Einkommensniveau», betont Dobner. Er verweist auf eine kürzlich gemachte eigene Umfrage: Das Internet ist - nach dem Kennenlernen im Ausgang oder bei Freunden und Bekannten - zum drittwichtigsten Kanal für die Partnersuche geworden.

Der Wettbewerb verschärft sich

Den Erfolg des elektronischen Mediums erklärt sich Dobner mit dessen Effizienz: «Jeder kann hier zeitlich und örtlich unabhängig suchen, eine Vielzahl potenzieller Partner kontaktieren und dann stufenweise kennenlernen.» Um eine möglichst hohe Erfolgsquote zu erzielen, setzt Parship auf ein wissenschaftliches Verfahren mit psychologischen Tests. Dieses Verfahren eruiert Singles, die zueinander passende Persönlichkeitsmerkmale und ähnliche Wunschvorstellungen haben.

Waren in den Anfängen des virtuellen Beschnupperns im Internet verschiedene Portale noch gratis, so verlangen heute die meisten Anbieter monatlich zwischen 30 und 120 Fr. für eine Mitgliedschaft. Obwohl der Markt gerade in der Krise kräftig wächst, verschärft sich der Wettbewerb im Zuge der internationalen Konsolidierung. Nebst den bereits erwähnten deutschen Kontaktbörsen Parship und Elitepartner ist in der Schweiz die französische Meetic auf dem Vormarsch. Sie hat vor einem Jahr die Plattform Neu.ch und im Juni 2009 Match.ch geschluckt. Nun dürfte sie bezüglich Mitglieder in der Schweiz die Nummer zwei oder drei sein. Der börsenkotierte Konzern gibt allerdings für die einzelnen Länder keine genaueren Zahlen bekannt.

Schweizer in der Defensive

Die zunehmende internationale Konkurrenz spüren vor allem die rein schweizerischen Anbieter. Seit Anbeginn vor rund zehn Jahren ist zum Beispiel Swissflirt.ch auf dem Markt. Das Portal, das der Firma Puzzle ITC Gmbh in Bern gehört, hat eben einen kompletten Relaunch hinter sich. Allerdings sieht es sich nicht als Krisengewinner. «Die Wirtschaftskrise hat sich bei uns bisher weder positiv noch negativ bemerkbar gemacht», sagt Puzzle-ITC-Sprecherin Regula Aeberli.

Die Zahl der Schweizer Anbieter ist zudem geschrumpft, weil zwei der populärsten Schweizer Portale im Soge des Übernahmedeals Tamedia-Edipresse im März 2009 fusionierten. Der Tamedia-Verlag hat Partnerwinner.ch an die Edipresse-Tochter Comfriends SA verkauft, welche Swissfriends.ch betreibt. Solche Marktbereinigungen und Übernahmeschlachten deuten an, dass auf Dauer nur Erfolg hat, wer über eine gewisse Grösse verfügt. Denn klar ist: Die Attraktivität einer Plattform steigt mit der Zahl der möglichen Partner, die sie den Nutzern vermitteln kann.

Für die Zukunft sehen alle Anbieter noch grosses Wachstumspotenzial. «Wir wissen, dass von den über 50-Jährigen rund 10% einen ihrer bisherigen Partner übers Internet kennengelernt haben. Dieser Prozentsatz dürfte weiter ansteigen», glaubt Martin Dobner. Und Sabrina Berndt prognostiziert, dass die Marktsegmentierung der Branche weiteren Schub verleihen werde. «Ob Flirt oder feste Beziehung, Hundefreund oder Akademiker - für jede Zielgruppe gibt es mittlerweile das richtige Angebot», sagt sie. Zudem versichert die Branche einmütig, dass die boomenden sozialen Plattformen wie Facebook oder Twitter nicht etwa Gift seien, sondern nur gut fürs Geschäft: Diese Webseiten tragen dazu bei, dass das Internet gesellschaftsfähig wird - in jeder Beziehung.