In Nantes, der fünftgrössten Stadt Frankreichs, einem Ballungsraum mit rund 850000 Einwohnern, bewährt sich seit zwei Jahren das neue, innovative Verkehrssystem Bus-Way, das auf dem aus Südamerika stammenden Bus-Rapid- Transit-System beruht. In der Stadt an der Loire wurde es mit Gelenkbussen des Typs Mercedes-Benz Citaro mit Erdgasantrieb realisiert und stellt heute schon ein erfolgreiches und nachahmenswertes Beispiel für ein Nahverkehrskonzept mit Tram und Bus dar.

Die Herausforderungen an den öffentlichen Personennahverkehr gleichen sich in vielen Städten dieser Welt: Wachsender Mobilitätsbedarf, der früher oder später zum Verkehrskollaps führt und gleichzeitig eine höhere Umweltbelastung auslöst. Zur wirksamen Abhilfe werden deshalb Verkehrssysteme (Fahrzeuge in unterschiedlicher Kapazität und mit notwendiger Taktfrequenz sowie einem rechnergesteuerten Verkehrsmanagement) erforderlich, die moderne Infrastrukturen (Fahrwege und Haltestellen) benötigen. Ohne derartige Investitionen ist die Personenbeförderung in Ballungsräumen, besonders in Hauptver-kehrszeiten, aktuell nicht mehr zu bewältigen. Eine eigene Fahrspur benötigen dabei alle Systeme, denn dies ist die Voraussetzung für einen fliessenden Verkehr.

Eine der möglichen Antworten und Lösungsansätze auf diese Problematik heisst Bus Rapid Transit (BRT), ein System, das seine Wurzeln in Lateinamerika hat und heute weltweit Anerkennung findet. Für die Städte Nantes (Frank-reich), Istanbul (Türkei), Bogota (Kolumbien) und Mexiko Stadt wurde dieses flexible Bus-Verkehrssystem in enger Zusammenarbeit mit Daimler Buses, Stuttgart, entwickelt. In Bangkok (Thailand), Guadalajara (Mexiko) und in den Städten der Fussball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika (u.a. Johannesburg, Kapstadt und Pretoria) ist Daimler Buses bereits projektbegleitend in die Umsetzung solcher Systeme eingebunden. BRT ist eine Chance, mit intelligenten Verkehrssystemen einem rapid wachsenden Personen-Beförderungsaufkommen gerecht zu werden und gleichzeitig durch Reduzierung des Individualverkehrs einen wirksamen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

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Dem Tram überlegen

Bus-Rapid-Transit-Systeme bestehen aus einer oder mehre- ren Verkehrsachsen, auf denen Grossraum-Busse wie der Mercedes-Benz-Citaro-Gelenkzug oder der 24 m lange Mercedes-Benz CapaCity in hoher Taktfrequenz verkehren. Vom Individualverkehr getrennte Busfahrspuren sowie ein bequemes und sicheres Einsteigen an Plattform-Haltestellen gewährleisten einen schnellen und reibungslosen Fahrgastfluss. BRT ist schneller und vor allem kostengünstiger als jedes Bahnsystem mit starren Schienenwegen umzusetzen und flexibler in seiner Weiterentwicklung. Darüber hinaus ist seine individuelle Anwendbarkeit auf jede Stadt und die Anpassung an örtliche Gegebenheiten ein weiterer Vorteil des Systems.

Michael Göpfarth, Leiter Mercedes-Benz Omnibusse im Konzerngeschäftsfeld Daimler Buses, sieht den Erfolg von BRT in Nantes darin, «dass zu keiner Zeit ein Konkurrenzdenken zwischen den Systemen geherrscht habe, sondern von Anfang an auf Integration gesetzt wurde. In Deutschland ist das oftmals ganz anders, und deshalb ist auch häufiger eine gewisse Inkompatibilität festzustellen».

Täglich fahren 25000 Fahrgäste

Im November 2006 wurde BusWay in Nantes eröffnet und findet sei dem regen Zuspruch seitens der Fahrgäste im öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Nach Darstellung des Betreibers Nantes Métropole ist Bus-Way bereits ein fester Begriff in der Öffentlichkeit. Auch das Image der insgesamt 20 Mercedes-Benz-Citaro-Gelenkzüge in Iridiumsilber und mit ihrem umweltfreundlichen Erdgasantrieb ist ausgeprägt gut. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt bei 21 km in der Stunde, und ein zügiger Fahrgastwechsel wird über vier Türen ermöglicht. Der Erdgasmotor leistet 240 kW (326 PS). Der Treibstoff, auf 200 bar verdichtetes Compressed Natural Gas (CNG), befindet sich in acht Tanks auf dem Fahrzeugdach. Ihr Fassungsvermögen von insgesamt 1520 l reicht für einen vollen Arbeitstag. Geschaltet wird der Bus über ein Sechsgang-Automatikgetriebe.

Bus-Way verbindet als Linie 4 die Innenstadt von Nantes mit dem Vorort Vertou. Ergänzt wird das Nahverkehrsangebot der westfranzösischen Metropole durch drei Strassenbahnlinien in der Innenstadt und 63 weiteren Buslinien. Dazu kommen noch drei Schnellzuglinien und vier Regionalexpresslinien, die auf dem Streckennetz der Staatseisenbahn fahren. Insgesamt 110 Mio Fahrgäste nutzten im Jahr 2007 das ÖPNV-Angebot. Die Investition in die Infrastruktur der Linie 4 mit 7 km Länge, 15 Haltestellen sowie vier P+R-Parkplätzen mit 1100 Stellplätzen belief sich auf 50 Mio Euro. Die 20 Mercedes-Benz-Citaro-Gelenkzüge haben 9,3 Mio Euro gekostet. Und um den Kauf eines ausländischen Produkts im Autoland Frankreich zu rechtfertigen, fügt der Sprecher der Nantes Métropole ausdrücklich hinzu: «Mercedes-Benz war der einzige Hersteller, der allen unseren Innovationsvorgaben entsprochen hat.»

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