«Eine unpassende Liaison.» So tönt es hinter den Kulissen der Bekleidungsbranche über das Zusammenspannen der eher biederen Modekette Schild und der schillernden Lifestylemarke Navyboot. Während das Modehaus Schild in der Mitte positioniert ist und sich auf die Schweiz konzentriert, bewegt sich die trendige Navyboot-Marke Richtung Luxus und Ausland.

Neuer Besitzer, neuer Vertrag

Die Gaydoul Group, die vor kurzem 90% der Aktien der Navyboot AG übernommen hat, will die Schuh- und Modemarke international ausrichten und in Zukunft stärker nach oben positionieren. «Demokratischen Luxus» nennt Hendrik Gottschlich, der Geschäftsführer der Gaydoul Group, das Upgrade der Navyboot-Marke. Die neuen Aktionäre setzen im Zuge der Internationalisierung auf Schuhe und Accessoires. Dazu will die Kleiderkollektion der auf die Schweiz ausgerichteten Modekette Schild nicht so recht passen. Ein neuer Vertrag wurde nötig.

Mindestens 5-Jahres-Vertrag

Spekulationen, wonach die Zusammenarbeit zwischen Navyboot und Schild deshalb aufgekündigt werden sollte, dementiert Gottschlich: «Die Zusammenarbeit wird fortgesetzt.» Anfang dieser Woche wurde der auf Ende 2009 auslaufende Vertrag nun verlängert. «Auf fünf bis sechs Jahre hin und mit der Option auf eine weitere Verlängerung», sagt Navyboot-Sprecher Alfredo Schilirò. Fragt sich nur, unter welchen Bedingungen: «Vertragsdetails geben wir nicht bekannt, aber der Vertrag wurde optimiert», sagt Schilirò. Im Vertrag geht es auch um Lizenzgebühren. Doch wie hoch diese Gebühren sind, wollen die Partner nicht verraten.

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Thomas Herbert, Geschäftsführender Partner, Verwaltungsrat und Mitinhaber der Modekette Schild, ist froh, dass die Zusammenarbeit fortgeführt wird. Schild erzielt mit Kleidern der Navyboot-Marke einen substanziellen Umsatzanteil, Herbert spricht von «weniger als einem Drittel». Schild liefert das Know-how im Textil, bestimmt das Design der Damen- und Herrenkollektion, ist zuständig für Produktion, Logistik und Vertrieb. Die Kleider unter der Marke Navyboot werden zu 90% in Europa produziert, etwa in Italien und Spanien.

2005 startete die Zusammenarbeit mit Navyboot mit der Herrenbusinesslinie bei Schild. 2006 folgte eine Lizenz für Damenkleider. Heute führt Schild bereits fünf Navyboot-Linien. Dabei ist Navyboot verantwortlich für Marketing und PR, finanziert die Markenkommunikation. Navyboot erhält dafür eine Lizenzgebühr, die vom Umsatz abhängig ist.

«Wir werden in der Zusammenarbeit mit Schild die Kollektion optimieren», sagt Navyboot-Sprecher Schilirò. «Das Designteam wird jetzt aufgestockt. Navyboot soll nicht nur als Etikette auf den Kleidern prangen, sondern der Marke entsprechend moderner und trendiger werden.» Eine Aussage, die andeutet, dass bisher nicht alles rund gelaufen ist. Schild-Chef Herbert: «Über eine Optimierung der Kollektion wird laufend verhandelt.»

Die Gaydoul Group hat weitere Zukäufe angekündigt. Hat der Denner-Erbe die Modekette Schild im Visier? «Ein Kauf von Schild ist nicht geplant», verneint Gaydoul-Geschäftsführer Gottschlich.