Die Investoren der Berner Pharmagruppe reiben sich verwundert die Augen: Noch im Dezember 2007 verzeichnete die Aktie den bisherigen Höchststand von 625 Fr. Doch bis Anfang April gab der Titel um mehr als 50% auf 300 Fr. nach. Zuletzt konnte er sich wieder leicht auf über 320 Fr. erholen.

Auch Fritz Hirsbrunner, Finanzchef von Galenica, steht vor einem Rätsel. Er betont zwar: «Die Bewertung und Kommentierung des Aktienkurses ist Sache der Finanzanalysten.» Gleichzeitig meint er aber: «Galenica wies 2007 zum zwölften Mal in Folge ein zweistelliges Gewinnwachstum aus. Die Galenica-Aktie unterliegt, wie andere Aktien auch, Kursschwankungen – die Wertentwicklung in den vergangenen zwölf Jahren spricht allerdings für sich.»

Zum Kurssturz beigetragen haben zwei Entscheide der US-Gesundheitsbehörde FDA. Erstens beschloss die FDA, das Galenica-Eisenmittel Ferinject vorderhand nicht zu bewilligen. «Genaueres zur zeitlichen Verzögerung, die damit aufgetreten ist, werden wir spätestens bei der Publikation der Halbjahresergebnisse am 19. August 2008 kommentieren können», sagt der CFO. «Zurzeit laufen Gespräche mit unserer US-Partnerin Luitpold und der Behörde mit dem Ziel, genau zu definieren, welche zusätzlichen Unterlagen und Daten die FDA benötigt.»

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Von Roche vermarktet

Zudem kündigte die US-Behörde eine Untersuchung zum Transplantationsmedikament Cellcept an. Das Produkt wurde in den USA in Zusammenhang mit Fällen von Erkrankungen des Nervensystems gebracht.Cellcept gehört der kanadischen Pharmafirma Aspreva, die Ende 2007 von Galenica übernommen worden ist. Vermarktet wird das Medikament aber von Roche. «Hier sind die Beobachter der Finanzmärkte zum Schluss gekommen, dass der Markt bezüglich Galenica überreagiert hat», sagt Hirsbrunner.

Aufgrund dieser Nachricht senkte aber zum Beispiel der Broker Landsbanki Kepler sein Kursziel für den Titel von 380 Fr. auf 350 Fr. Das durchschnittliche Preisziel aller Galenica-Analysten beträgt momentan 462 Fr.

Aspreva hilft viel

Die Experten glauben also an die langfristig orientierte Strategie der Pharmagruppe. Hirsbrunner bestätigt in diesem Zusammenhang, dass Aspreva «vollumfänglich» in Galenica integriert sei. «Aspreva hat uns bereits auf ganz konkrete Weise unterstützt, so bei den Vorbereitungen für klinische Studien für Ferinject», sagt er. Oder bei neuen Studien für den wichtigen Produktkandidaten PA21, einen Phosphatbinder.