Swiss-Re-CEO Stefan Lippe wartete jüngst mit erfreulichen Nachrichten auf: Der Konzern habe schon wieder einen deutlichen Kapitalüberschuss erwirtschaftet. Welchen Beitrag konnte Ihr Asset Management hierzu leisten?

David Blumer: Wir haben sicher einen wichtigen Beitrag geleistet. Für das Asset Management gilt dies besonders im Bereich des Risikoabbaus, was schliesslich auch die Kapitalstärkung unterstützt.

Aber unterstützen Sie Swiss Re auch mit Gewinnen?

Blumer: Ja, der unter klaren Risikovorgaben erwirtschaftete Anlageertrag ist ein wichtiger Teil des Resultats der Swiss Re.

Dann haben Sie von der Erholung an den Märkten profitiert?

Blumer: Das war gerade im 2. Quartal sicher der Fall. Ausserdem haben wir durch aktives Bewirtschaften jener Anlagen, die wir in Abstimmung mit den Risiken im Kerngeschäft der Rückversicherung verwalten, Mehrwert für die Gruppe erzielen können.

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Wo liegen derzeit die Chancen für einen institutionellen Investor wie Swiss Re?

Blumer: Ein grosser Treiber für uns ist sicher das Zinsumfeld. Rund 90% unserers Portefeuilles sind in festverzinslichen Anlagen investiert, denn die oftmals auf Jahrzehnte eingegangenen Versicherungsverpflichtungen des Konzerns lassen sich langfristig fast nur durch Bonds decken. Gerade gegenüber Unternehmensanleihen haben wir unsere vorsichtige Haltung beibehalten, auch wenn manche Anzeichen eine wirtschaftliche Erholung erwarten lassen.

Wenn diese Erholung dann eintritt ?

Blumer: Tatsächlich sind die Investoren derzeit in einer schwierigen Lage, denn die Entwicklungen lassen sich sehr schwer abschätzen. Nur schon die Zinserwartungen der Finanzmarktanalysten für das 4. Quartal gehen weit auseinander. Immerhin können wir sagen, dass sich die Lage von der akuten Krise her stabilisiert hat. Nach wie vor gibt es jedoch Elemente, die es mit Vorsicht zu beobachten gilt.

Welche?

Blumer: Die Erholung des Konsums in den USA, die Arbeitsmarktentwicklung und die Staatsverschuldung sind Faktoren, die wir in unseren Marktszenarien besonders genau betrachten - und wenn nötig mit entsprechenden Massnahmen im Portefeuille begleiten.

Wo mussten Sie schon Änderungen vornehmen?

Blumer: Aufgrund der Aussicht auf ein mittel- bis langfristig steigendes Zinsniveau haben wir die Laufzeiten der Anleihenpositionen verkürzt.

Bei den Anleihen drohen noch andere Gefahren, so Pleiten bei Firmenbonds und Länderrisiken bei Staatsanleihen. Wie reagieren Sie?

Blumer: Der Punkt ist, wir kommen nicht um diese Anlagen herum, da wir unsere Anlagen konsequent auf die langfristigen Verpflichtungen aus dem Versicherungsgeschäft ausrichten. Wir müssen uns jedoch in beiden Bereichen vergewissern, wo wir stehen. Die Ausgabe von Staatsanleihen in den USA etwa hat zwar massiv zugenommen - aber am Markt ist derzeit immer noch eine Nachfrage da, welche die Preise dieser Papiere stützt. Wenn es Anzeichen einer Blase gäbe, würden wir dort reduzieren. Wir haben zudem unsere Anlagen in Firmenanleihen sehr breit mit Derivaten geschützt. Insbesondere sichern wir die Positionen im Non-Investment-Grade-Bereich umfassend ab.

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Die Absicherung kommt Swiss Re teuer zu stehen: Im 2. Quartal resultierte wegen dieses «Hedge» auf Unternehmensanleihen ein Verlust. Setzt sich dieser Trend fort?

Blumer: Unter dem Strich haben wir mit den Obligationen Geld verdient, dieser Verlust kam aufgrund der Buchhaltungsregeln zustande. Während sich die Hedges direkt auf die Erfolgrechnung auswirken, wurden die Gewinne auf den Papieren dem Eigenkapital angerechnet. Ich denke, dass eine gewisse Volatilität bei Anleihen bleiben wird und dass die eine oder andere Firma noch in Schwierigkeiten kommen könnte. Deshalb werden wir weiterhin Absicherungen vornehmen.

Wie teuer sind Hedges heute?

Blumer: Interessanterweise war der Derivatebereich auch mitten in der Krise liquide, mittlerweile sind Hedges etwas günstiger geworden. Dass der Schutz nicht gratis ist, müssen wir aber akzeptieren. Viel wichtiger ist, dass wir nicht in eine Situation geraten, bei der wir keinen Spielraum mehr haben.

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So wie bei den toxischen Papieren, die 2008 illiquide wurden und Swiss Re Milliardenverluste bescherten. Sie sind mit dem expliziten Auftrag angetreten, diese Risiken zu minimieren. Wie weit sind sie vorangekommen?

Blumer: Wir haben bei Swiss Re immer die Haltung vertreten, dass es keinen Sinn macht, diese Papiere wahllos in den Markt zu werfen. Die Qualität dieses Portefeuilles ist gut, und wir haben die Investments auch konservativ bewertet.

Aber wir reden hier doch von Kreditderivaten mit sehr zweifelhaften Basiswerten?

Blumer: Es gibt durchaus Tranchen, die qualitativ gut sind. Das zeigt nur schon der Umstand, dass Assets vor drei Monaten noch tiefer gehandelt wurden, als sie nun verkauft werden könnten. Es besteht wieder eine gewisse Nachfrage - denn die Rendite von Staatsanleihen ist tief und die Liquiditätsprämie ist gesunken, sodass sich manche Investoren nach lukrativeren Anlagen umschauen. In der Folge haben wir im 2. Quartal Papiere über dem Wert verkaufen können, zu dem wir sie bis vor kurzem bewertet hatten.

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Also wird gehandelt, wie wenn es die Subprime-Krise nie gegeben hätte?

Blumer: Der Markt kommt sachte zurück. Es gibt ganz unterschiedliche Basiswerte, die wieder besichert werden - Autokredite, Kreditkartenschulden. VW hat vor einigen Wochen eine Auto-Loan-Securitization emittiert. Trotzdem muss sich die Industrie wandeln: Was sich grundlegend ändern wird, sind die Anforderungen an die Transparenz, dies gerade in Bezug auf die zugrundeliegenden Risiken.

Das dürfte schwierig sein, bei diesen zigmal gestückelten Anlageprodukten.

Blumer: Investoren werden künftig den Wert der Transparenz ganz anders einschätzen. Wo sie nicht vorhanden ist, werden sie die Finger davon lassen. Um solche Produkte zu bewerten und zu verstehen, müssen aber künftig massiv mehr Ressourcen aufgebaut werden.

Lässt sich auf die Papiere nicht einfach verzichten?

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Blumer: Es kommt immer auf den Risikoappetit an. Wir haben bei Swiss Re das Ziel, diese Positionen stark zu reduzieren.

Sind weitere Abschreiber auf den strukturierten Assets zu befürchten?

Blumer: Wir haben diese Papiere bereits konservativ bewertet, die Liquidität kehrt in den Markt zurück. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Märkte volatil bleiben. Ich gehe aber auch dank der globalen geldpolitischen Massnahmen davon aus, dass wir in absehbarer Zukunft keine solchen Vorkommnisse mehr sehen werden wie Ende 2008 und Anfang dieses Jahres.

Nur abgebaut wurde seit 2008 auch Ihre Asset-Management-Einheit. Welchen Stellenwert hat sie künftig im Konzern?

Blumer: Das Asset Management ist Teil des Kerngeschäfts von Swiss Re und dementsprechend in das Unternehmen eingebettet. Wir haben innerhalb der letzten 18 Monate jene Ziele erreicht, die wir uns gesetzt haben. Wir haben unser Geschäftsmodell vereinfacht und konzentrieren uns voll und ganz auf die klassischen Asset-Management-Aufgaben. Trotzdem wollen wir uns konstant verbessern: Wir werden weiterhin zur Stärkung der Kapitalbasis des Unternehmens beitragen, die Risiken im Anlageportefeuille reduzieren und die Effizienz unseres Geschäfts steigern. Konkret bedeutet dies beispielsweise, laufend zu überdenken, welche Funktionen wir noch selber ausführen wollen.

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Das heisst, Sie möchten Dienste auslagern?

Blumer: Das ist ein Ansatz, den wir verfolgen. In Frage kommen gewisse Portefeuille-Management- und administrative Prozesse.

Dazu passt, dass Conning, eine Asset- Management-Tochter der Swiss Re in den USA, die auch Drittkunden betreut, abgestossen werden soll. Wann geht der Deal über die Bühne?

Blumer: Der Verkauf wurde bereits in diesem Sommer angekündigt, das Closing sollte nächstens erreicht sein. Damit können wir uns voll und ganz auf die Betreuung eines einzigen Kunden konzentrieren: Swiss Re.

Ihr Übertritt von der Credit Suisse zu Swiss Re mitten in der Krise hat für Aufregung gesorgt, auch wegen der Antrittsentschädigung. Wie hat das Ihre Arbeit beeinflusst?

Blumer: Ich fühle mich in der Swiss Re sehr wohl und konnte in den letzten 18 Monaten mit Freude meinen Beruf leben. Ich habe hier ein Team mit verlässlichen, hochkalibrigen Mitarbeitenden, das mich in den schwierigen Zeiten des Umbruchs und der Neuausrichtung mit seiner Professionalität beeindruckt hat. Und es bereitet mir ganz einfach Spass, das neue Asset Management im Konzern zu verankern.

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