Die bis jetzt bekanntgewordenen Resultate der europäischen Hersteller mittelschwerer und schwerer Nutzfahrzeuge können sich durchaus sehen lassen. Scania zum Beispiel meldet ein absolutes Rekordjahr. «Noch nie haben wir einen derart hohen Gewinn erzielt wie im vergangenen Jahr», frohlockt Scanias CEO Leif Östling. Und auch sein Kollege Dieter Zetsche konnte an der Bilanzpressekonferenz des Daimler-Konzerns für den Geschäftsbereich Daimler Trucks sehr gute Zahlen für 2008 präsentieren. Wäre das verheerende 2. Halbjahr nicht gewesen, hätten wohl alle Nutzfahrzeughersteller ein tolles Geschäftsjahr hinlegen können. Vor allem die letzten drei Monate des vergangenen Jahres möchten wohl alle Hersteller möglichst bald vergessen, denn der teils massive Einbruch im Bestellungseingang bereitet Sorgen im laufenden Jahr.

Daimler startete fulminant

Vor Marktrückgang blieb auch der weltweit grösste Hersteller von Trucks nicht verschont. Begonnen hat das Jahr 2008 für den Konzernbereich Daimler Trucks allerdings höchst erfreulich. Die Absatzzahlen für leichte, mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge bewegten sich im 1. Halbjahr 2008 auf ein neues Rekordniveau zu, doch dann folgte im 2. Halbjahr der Schock. «Lehman Brothers kollabierte und der Finanzsektor implodierte», stellt Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstandes des Daimler-Konzerns, fest. Das Resultat lässt sich aus den Abschlusszahlen 2008 ablesen. Bei einem um 4% geringeren Konzernumsatz von 95,87 Mrd Euro schrumpfte das Betriebsergebnis (Ebit) um rund 70% auf 2,73 Mrd Euro. Da-bei verlautete noch Mitte vergangenen Jahres aus Stuttgart, dass man ein Ebit von rund 6 Mrd Euro für 2008 erwarte.

Das wäre eigentlich auch möglich gewesen, wäre da nicht das Sorgenkind Chrysler. Die ehemalige Konzerntochter von Daimler riss ein Loch von nicht weniger als 3,23 Mrd Euro in die Ertragsrechnung der Stuttgarter. Zählt man diesen Betrag, wie die zusätzlichen Aufwendungen für die Neuorientierung des US-Geschäftes von 233 Mio Euro zum ausgewiesenen Ebit, ergibt sich tatsächlich ein Be-triebsergebnis von rund 6 Mrd Euro. Doch trotz dieses negativen Einflusses kann sich das Nutzfahrzeuggeschäft der Stuttgarter sehen lassen. Der Konzernbereich Daimler Trucks verkaufte 2008 total 472100 Nutzfahrzeuge, ein Plus von 1% gegenüber dem Jahr 2007.

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Zu dieser Zunahme trugen höhere Volumina in Brasilien, Indonesien sowie im Nahen und Mittleren Osten bei. Mercedes-Benz Lkw setzte 2008 weltweit 170100 Fahrzeuge ab und hat damit den Vorjahresrekord um 6% übertroffen. Hauptumsatzträger war dabei das Modell Actros. Beinahe einen neuen Rekord erzielte auch der Geschäftsbereich Mercedes-Benz Vans, der insgesamt 287200 Transporter verkaufte, nur gerade 1900 Einheiten weniger als im Rekordjahr 2007).

Lahmer USA-Markt

Keine Freude bereitete der US- Markt dem dortigen Marktleader. Allerdings konnte Daimler Trucks Nafta insgesamt 95100 Fahrzeuge verkaufen, was einem Rückgang von 12% entspricht, während der Gesamtmarkt um 16% zurückging. Mit einer Neuausrichtung des US-Geschäftes sowie der Fokussierung auf zwei Marken - Freightliner und Western Star - will man in den USA wieder bessere Resultate erreichen. Zudem soll ein Teil der Produktion ins kostengünstigere Mexiko verlagert werden.

Ebenfalls gut begonnen hat der zweitgrösste deutsche Nutzfahrzeughersteller, die MAN Nutzfahrzeuge AG. Auch die Münchner steuerten auf neue Rekordergebnisse zu, bis der Finanzcrash diese Pläne durchkreuzte. Das Unternehmen konnte den Umsatz nochmals leicht steigern, ebenso das operative Ergebnis. In Europa steigerte MAN seinen Marktanteil auf 16,6% und ist damit wiederum die Nummer zwei im Nutzfahrzeugmarkt ab 6 t Gesamtgewicht. Der zum Teil starke Rückgang des Auftragseingangs im Nutzfahrzeuggeschäft (-28%) wird sich im laufenden Jahr auf die Auslastung der Fertigungsanlagen auswirken.

Scania mit Rekordjahr

Bei Scania reduzierten sich die Auftragseingänge im letzten Quartal 2008 ebenfalls dramatisch: Lediglich noch 2423 Trucks wurden bestellt gegenüber deren 26007 in der Vorjahresperiode. In Södertälje reagierte man denn auch schon auf diesen Rückgang. Zum einen werden rund 2000 Mitarbeitende mit befristeten Arbeitsverträgen bis Ende März das Unternehmen verlassen haben. Ein grosser Teil der verbleibenden 10000 Mitarbeitenden wird in Weiterbildungskurse geschickt, «um bei Wiederanziehen der Konjunktur die notwendigen Fachkompetenzen auch einsetzen zu können,» wie die Unternehmensleitung betont. Scanias CEO Leif Östling ist denn auch nicht allzu pessimistisch eingestellt.

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Volvo mit Verlust im 4. Quartal

Die Volvo Group - Schwedens grösster Industriekonzern - konnte zwar den Konzernumsatz um 6% auf 303,7 Mrd sKr steigern, musste aber einen Rückgang des Betriebsgewinns um 29% auf 15,9 Mrd sKr hinnehmen. Konzernchef Leif Johansson betont denn auch, dass man bereits im Herbst angesichts der rückläufigen Konjunktur Massnahmen ergriffen habe, um die Kosten zu senken und die Produktionskapazitäten zurückzufahren. Im 4. Quartal 2008 verminderten sich die Auslieferungen neuer Fahrzeuge um 22% auf 59528 Einheiten.

Der Nutzfahrzeugbereich im Konzern - zu dem auch Renault Trucks sowie der US-Hersteller Mack Trucks gehören - erzielte 2008 ein Betriebsergebnis von 1,449 Mrd sKr. Die Umsatzrendite sank von 8,1 auf 6%. Die Auslieferungen von Nutzfahrzeugen konnten um 6% auf 251150 Fahrzeuge gesteigert werden. Rückgänge im Verkauf mussten in Nordamerika (-9%) und in Europa (-5%) in Kauf genommen werden. Deutlich niedriger ist der Auftragseingang im Nutzfahrzeuggeschäft. Per Ende 2008 standen noch 149080 Trucks in den Bestellbüchern, ein Jahr zuvor waren es noch 282996 Fahrzeuge.

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Der zum Fiat-Konzern gehörende Nutzfahrzeughersteller Industrial Vehicles Corporation (Iveco) erzielte im Geschäftsjahr 2008 einen Konzernumsatz von 10,8 Mrd Euro, ein Minus von 3,8%. Ausgeliefert wurden 2008 192143 leichte, mittlere und schwere Fahrzeuge. In Europa gelangten 125152 Einheiten zur Auslieferung, ein Minus von 15%. Ebenfalls rückläufig waren die Verkäufe von Iveco in Osteuropa, nämlich um 5,4%. Deutlich zulegen konnte das Unternehmen dagegen in Lateinamerika, nämlich um knapp 22%.