An Daniel Goleman kommt man nicht vorbei, wenn es um das Thema «Emotionale Intelligenz» geht. Sein Bestseller gleichen Namens liest sich auch nach 13 Jahren noch so spannend wie damals. Angesichts des Sympathie- und Akzeptanzverlustes, den ehemalige autoritäre Führungskräfte in den letzten Jahren hinnehmen mussten ? nicht zuletzt weil inzwischen immer häufiger in Matrixorganisationen und Projekten gearbeitet wird, und das auf globaler Ebene ? ist das Buch aktueller denn je.

Erfolg nach dem Lustprinzip

Für die Verantwortlichen im Unternehmen wird es immer schwieriger, alle Faktoren zu bestimmen, die den künftigen Erfolg des Unternehmens beeinflussen und somit entscheidungsrelevant sind. Besonders gefordert sind Schlüsselpersonen, wie Führungskräfte und Projektmanager, aber auch Mitarbeiter, die in der Aussenwelt als Spiegelbild des Unternehmens wahrgenommen werden: Verkäufer beispielsweise, speziell die von komplexen und erklärungsbedürftigen Gütern, oder Consultants von Beratungsunternehmen. Sie müssen die Bedürfnisse ihrer Kunden kennen oder erkennen, wissen, welche Relevanz die einzelnen Bedürfnisse für deren Kaufentscheidung haben, wissen, wer an dieser Entscheidung beteiligt ist und wie diese getroffen wird.

Von ihnen wird emotionale Kompetenz verlangt und auch, eigene Stärken und Schwächen zu kennen. Es ist kein Zufall, dass Weiterbildungsangebote und Seminare besonders oft von Mitarbeitern im oberen und mittleren Kader im Detailhandel besucht werden, aber auch von Aussendienstmitarbeitern und Consultants. Da ist Intuition, Motivation und Empathie gefragt. Ingo Vogel, Autor des Bestsellers «Das Lustprinzip ? Emotionen als Karrierefaktor» erklärt, was da vorgeht: «Unsere Gefühle prägen unser Verhalten und bestimmen somit auch unsere Wirkung auf andere Menschen. Folglich können wir, wenn wir mal lustlos, unsicher oder mutlos sind, indem wir unsere Gedanken ändern, auch unser Befinden beeinflussen ? und damit unsere Ausstrahlung verbessern und unseren Erfolg steigern.»

Anzeige

Lediglich eine Voraussetzung

Dass emotionale Intelligenz Unternehmen erfolgreich macht und nicht nur akademische oder technische Fertigkeiten zählen, weiss heute jeder Hochschulabsolvent und auch jeder Human Resources Manager ? egal ob bei ABB, Google, CS, Ernst & Young oder Novartis. Kurz gesagt: Akademische Fertigkeiten sind nur die Voraussetzung, um überhaupt Interviews in den Chefetagen zu bekommen.

In einem umkämpften Wirtschaftsumfeld sind es vor allem die emotional intelligenten Fähigkeiten, die ein Unternehmen erfolgreich machen. Was erfolgreiche Menschen im Beruf jedoch besonders auszeichnet, sind Eigenschaften wie Durchhaltevermögen, Tatkraft, Optimismus, Anpassungsfähigkeit und Empathie.

Der Kopf zählt nur ein Viertel

Goleman ist der Auffassung, dass der Intelligenzquotient nur für 25% der Arbeitsleistung eines Menschen zuständig ist. Entscheidend sind für ihn die emotionalen und sozialen Kompetenzen, die Führungskräfte auszeichnen, so das Fazit einer Untersuchung des Bestsellerautors bei 200 interna-tionalen Grossunternehmen. Neben Fachwissen und Ehrgeiz werden von Spitzenkräften emotionale Eigenschaften verlangt: Die Fähigkeit, Entscheidungen für die Zukunft aus einer Vielzahl von Informationen abzuleiten. Sie sollten ebenfalls eine Vorstellung davon haben, wie Menschen oder Gruppen interagieren. Sie sollten einen starken Glauben an das eigene Leistungsvermögen besitzen sowie die Fähigkeit, Intuition in die Entscheidungen einfliessen zu lassen. Diese Führungspersönlichkeiten sind erfolgreicher, denn sie fördern Teamgeist und Visionen, schaffen ein Klima, in dem sich Kreativität entfalten kann, sie verstehen ihre Mitarbeiter, können sie für eine Sache begeistern und strahlen bei aller Verantwortung grosse Offenheit und Freude aus.

Heute erscheinen die sogenannt weichen Faktoren für erfolgreiches Führen unabdingbar: Beim Vergleich von Top-Managern mit durchschnittlich erfolgreichen Managern liessen sich nahezu 90% des Erfolgsunterschiedes auf solche Eigenschaften zurückführen, die Goleman unter dem Begriff der emotionalen Intelligenz aufführt. Noch grösseres Gewicht erhält diese Erkenntnis, wenn man emotionale Intelligenz nicht nur auf den Arbeitsstil von einzelnen Führungskräften, sondern auf die Kultur eines ganzen Unternehmens überträgt. Das Fazit: Langfristig erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich durch eine emotional intelligente Unternehmenskultur aus.

 

 

NACHGEFRAGT


«Es geht um Mitarbeiter, Firmen und Kunden»

Jürg Eggenberger ist Geschäftsleiter der Athemia AG (Kalaidos-Gruppe), Bern/Zürich.

Worum geht es in Ihrem Masterprogramm und den Seminaren?

Anzeige

Jürg Eggenberger: Wir bieten einen Master auf Stufe Fachhochschule, der sich mit Service Leadership auseinandersetzt ? das ist auch der Titel. Die Ausbildung beschäftigt sich mit drei Bereichen: Eigene Leadership und die ganzheitliche bzw. Servicekultur. Dabei beschäftigen wir uns mit der Sicht des Kunden.

Womit genau?

Eggenberger: Heutzutage wird immer mehr gefordert, den Kunden zu binden. Das kann man nur, wenn man Beziehungen aufbaut, wobei die Emotionalität etwas sehr Wichtiges ist.

Und die Führungskraft?

Die Führungskraft selbst ist der dritte Aspekt, der sich mit den Fähigkeiten und Emotionen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befasst, die oft an verschiedenen Orten arbeiten und in einer grossen Wertevielfalt tätig sind. Manager brauchen dazu Sozialkompetenz, Empathie, den gezielten Einsatz von Emotionen, Selbstbewusstsein und den Umgang mit den eigenen Emotionen.

Anzeige

Wie sieht der Praxisteil dieser Master-Ausbildung aus?

Eggenberger: Neben der Lernleistung ? die Teilnehmer müssen auch ein Tagebuch führen, darüber reflektieren und klare Massnahmen ableiten ? gibt es auch umsetzungsorientierte Dinge, wie ein Mystery-Shopping, um zu schauen, wie der Mitarbeiter an der Kundenfront ankommt.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es neben der MAS- Ausbildung?

Eggenberger: Athemia bietet neben dem Master of Advanced Studies MAS FH in Service Leadership ? ein berufsbegleitendes Studium über vier Semester, wobei das 4. Semester die Masterthesis ist ? eine ganze Palette an Seminaren über Führung, Kommunikation, Kundenorientierung, Projektmanagement und Methodenkonferenz an.