Dirk Schütz von Axel Springer Schweiz moderierte den Talk zwischen Emmi-Chef Urs Riedener, den er als «Legende des Schweizer Marketings» vorstellte, und Beat Mühlemann, Leiter Market Development Publicitas. Beide waren bis vor kurzem noch beim orangen Riesen angestellt, Ersterer als Marketingchef, Letzterer als Leiter der Marketingkommunikation. Wer hoffte, auch kritische Töne über ihren ehemaligen Arbeitgeber zu vernehmen, irrte sich. Man war des Lobes voll, zum Beispiel über ihre «gute Zusammenarbeit», das «grosse gegenseitige Vertrauen» oder die «grosse Autonomie, die man sich gegenseitig gewährte».

In den Migros-Jubel-Tenor stimmten auch die weiteren Redner ein wie Jean Etienne Aebi, Creativ Consultant und Präsident des Art Director Clubs, Stefan Erhart, Managing Partner Exxtra Kommunikation, und Caspar Coppetti, Strategie-Leiter der Young&Rubicam-Gruppe. «Migros ist die stärkste Marke bei allen Altersgruppen», war man sich einig. Das wurde mit Studien und Filmen von Strassenumfragen belegt.

Wenn Werber und Marketingleute öffentlich auftreten, dann tun sie das positiv. Auch an diesem Event: Selbst Migros-Kommunikationsleiterin Monica Glisenti war erstaunt über all das Lob, das der Nummer eins im Detailhandel zugesprochen wurde. Was aber auf den zweiten Blick nicht erstaunt: Schliesslich ist Migros bei allen Rednern der Auftraggeber oder der ehemalige Arbeitgeber.

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Die langen lauschigen Ausführungen wurden mit historischen Migros-Spots unterbrochen. Dabei amüsierten sich Gäste wie Jost Wirz, Vize-Verwaltungsratspräsident der Wirz Group, Urs Beer, IAA Swiss Chapter, und Geri Aebi von der Wirz Werbung. Nur etwas konnten selbst die wortgewaltigen Werber und Kommunikationsspezialisten nicht erklären: Weshalb Migros seit zwei Jahren schlechter abschneidet als Erzrivale Coop. An der Werbung zumindest scheint es nach den Reden der Referenten nicht zu liegen.