FLUGHAFEN ZÜRICH. Andreas Schmid ist ein Stein vom Herzen gefallen. «Wir sind sehr erfreut und dankbar, dass sich die Zürcher Bevölkerung deutlich für die moderatere der beiden Vorlagen ausgesprochen hat», resümiert der VR-Präsident der Zürcher Flughafenbetreiberin Unique den Abstimmungs-Sonntag gegenüber der «Handelszeitung». Seine Erleichterung ist verständlich: Eine Plafonierung des Flughafens auf 250000 Bewegungen pro Jahr wäre für Schmid unweigerlich mit einem baldigen Ende des interkontinentalen Drehkreuzes Zürich verbunden gewesen.

Ähnlich tönt es bei der Fluggesellschaft Swiss, die von einer Annahme der Initiative noch drastischer betroffen gewesen wäre als Unique. CEO Christoph Franz interpretiert das Resultat als klares Bekenntnis zu einer nachfrageorientierten Entwicklung des Flughafens. Im Vorfeld der Abstimmung hatte Franz angedeutet, dass Swiss bei einer Plafonierung rund ein Drittel ihrer Langstrecken-Aktivitäten hätte einstellen oder von Zürich an andere Flughäfen verlagern müssen. «Dazu kommt es jetzt glücklicherweise nicht», sagt ein Swiss-Sprecher.

Zwei Punkte trüben die Freude

Andreas Schmid ist überzeugt, dass sich der Flughafen und mit ihm der Wirtschaftsstandort Zürich zumindest mittelfristig entsprechend der Mobilitätsnachfrage innerhalb der Grenzwerte des vom Volk angenommenen Gegenvorschlags «ZFI+» entwickeln kann. Mit seiner Äusserung deutet er jedoch auf zwei wunde Punkte, welche die Freude über das Abstimmungsresultat trüben. Erstens: Auch der Gegenvorschlag kann im Sinne eines prosperierenden Flughafens kaum mehr als eine vorübergehende Lösung sein. Denn gemäss einer vom Bund kürzlich veröffentlichten Wachstumsprognose wird sich der Bedarf an Flugleistungen in der Schweiz bis ins Jahr 2030 verdoppeln. Die Grenze von 320000 Bewegungen, an welcher der Gegenvorschlag zumindest einen Stopp festlegt, dürfte demnach schon bald nicht mehr realistisch sein. «Auch das heutige Pistensystem und der aktuelle Betrieb weisen Grenzen des Wachstums auf», sagt Schmid. Die Frage nach dem langfristigen «Wie weiter?» werde sich deshalb ohnehin wieder stellen.Viel kurzfristigere Bedenken hat Andreas Schmid gegenüber dem zweiten Grenzwert von «ZFI+», der eine Limite von 47000 «vom Fluglärm stark belästigten Personen» vorsieht. Obschon man es bei Unique grundsätzlich als positiv erachtet, dass nicht nur Flugbewegungen gemessen werden, lauert hier eine Gefahr. Wenn nämlich das Bevölkerungswachstum rund um den Flughafen und in den An- und Abflugschneisen weiterhin so rasant verläuft, wird der Grenzwert erreicht, ohne dass die Anzahl der Flugbewegungen zunimmt. Ein markt- und nachfragegerechtes Wachstum würde damit unterbunden.

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Gegner drohen mit Aktivitäten

Dieses Szenario kann nach Ansicht von Swiss und Unique nur dann verhindert werden, wenn die Kantonsregierung ihre Raumplanung in der Flughafenregion überdenkt und anpasst. «Nur wenn hier Verbesserungen vorgenommen werden, kann der ZFI+ auf längere Sicht ein zweckmässiger Indikator sein», heisst es bei Swiss. Ein weiteres Problem des Lärmgrenzwerts sieht die Airline in den verkehrsstarken Tagesrandstunden. Hier könne der «ZFI+» plafonierend und deshalb einschränkend wirken.Klare Forderungen stellt derweil wenige Tage nach ihrer Abstimmungsniederlage auch die Gegenseite. Bis Ende 2008 müsse die nun gesetzlich verankerte Nachtruhe von 7 Stunden kompromisslos durchgesetzt werden, sagt Stefan Wey, der das Komitee der Flughafeninitiative präsidiert hat. Falls diese Frist nicht eingehalten werde, wolle man sofort wieder politisch aktiv werden, droht er.Auf ungebremsten politischen Druck setzen andere Bürgerorganisationen wie die Zürcher Unterländer IG Nord, der Bürgerprotest Fluglärm Ost oder der Schutzverband der Bevölkerung. Sie wollen der zurzeit noch im Kantonsrat hängigen «Behördeninitiative» so rasch als möglich zum Durchbruch verhelfen. Diese verlangt eine absolute Plafonierung bei 320000 Flugbewegungen, eine Nachtruhe von acht Stunden sowie ein striktes Pistenausbauverbot.