Führungsstark und unternehmerisch denkend»: So stellt sich Caspar Baader, Präsident der SVP-Fraktion im Bundeshaus, den neuen Chef im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vor. Das Anforderungsprofil beinhaltet auch Kritik am bisherigen Amtsinhaber Samuel Schmid, der für das nach ihm benannte «Sämi-Prinzip des Aussitzens» immer wieder belächelt wurde.

Mit seiner Forderung ist Baader, einer der Anwärter auf die Nachfolge Schmids, nicht allein. Gerade auch in Wirtschaftskreisen hofft man generell auf eine Persönlichkeit im VBS, «die jene Effizienz ausstrahlt, die man von der Armee erwartet», wie es Adrian Röthlisberger, Spezialist HR-Recruiting bei den BKW, formuliert. So habe der Verteidigungsminister durchaus eine «Vorbildrolle, in der er die Öffentlichkeit spüren lässt, dass er Führung und die damit verbundene Verantwortung echt und glaubwürdig wahrnehme».

Vorbildrolle des VBS-Chefs

Röthlisberger, Mitautor der zu Beginn dieses Jahres präsentierten Studie «Nutzen der unteren militärischen Kaderausbildung für angehende Führungskräfte in der Wirtschaft» der Universität Bern und der Consulting Gruppe Zürich AG, weist darauf hin, dass gerade Führungsschwierigkeiten auf der obersten Ebene dem Image der Armee als Ausbildungsort für Führungskräfte der Wirtschaft nicht dienlich seien. «In jüngster Zeit hat sich das Bild der Armee bei jenen verschlechtert, die selber keinen Dienst leisten», sagt Röthlisberger und formuliert vor diesem Hintergrund seinen Wunsch: «Der neue Departementsvorsteher muss zusammen mit dem neuen Armeechef die Diskussion in geordnete und zielgerichtete Bahnen lenken, damit man wieder weiss, wohin die Reise geht.» Wenn das gewährleistet sei, färbe das automatisch positiv auf die Armee als Kaderschule auch für die Wirtschaft ab.

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Damit ist auch angesprochen, wovon im Zusammenhang von Armee, Führung und Kaderausbildung immer wieder die Rede ist – das allgemeine politische Hin und Her um Stellenwert und Rolle der Armee heute. Hans Schatzmann, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), illustriert es mit einem aktuellen Beispiel: «Es ist einfach nicht gut, wenn die Politik jedes Jahr im Rahmen des Rüstungsprogramms die Ausrichtung der Armee von Grund auf neu diskutiert.»

Das meint auch Andreas Lauterburg, CEO der Europ Tec in Oftringen: «Nicht die Armee hat heute ein Problem, sondern die Politik, die nicht weiss, was sie mit der Armee will.» Der ständige Wechsel der Doktrinen sorge für Verunsicherung, kritisiert Lauterburg, der selber die Bedeutung der Höheren Kaderausbildung der Armee (HKA) gerade für KMU-Führungskräfte sehr hoch schätzt. Vom neuen VBS-Chef erwartet er, dass er in der politischen Debatte seine Führungsrolle wahrnehme und dann «mit einfachen und unmissverständlichen Formulierungen» der Öffentlichkeit die Leistungsaufträge der Armee darlege: «Erst wenn Klarheit im Denken und doktrinäre Konstanz herrschen, gibt es bei der Vermittlung jene Sicherheit, welche die militärische Kaderausbildung so wertvoll macht.»

Andreas Meyer, früher Instruktionsoffizier und heute Inhaber des Beraterunternehmens mypro, sagt es so: «Wenn sich die Armee auf die Werte zurückbesinnt, die sie stark gemacht haben, und sich auf ihren Auftrag konzentriert, profitiert über die Kaderausbildung auch die Wirtschaft.» Denn die entsprechende Ausbildung lehre die Offiziere, «mit schwierigen Situationen umzugehen, strategisch zu denken, zu delegieren, zu entscheiden und Verantwortung wahrzunehmen».

Auftrag klar vermitteln

Genau das würden die KMU von Führungskräften erwarten, die eine militärische Ausbildung absolviert hätten. «Vielfach werden diese Erwartungen nicht erfüllt», stellt Meyer fest und bringt dies auch mit den offenen Fragen um Sinn und Zweck der Armee in Verbindung. «Wichtig ist für mich deshalb, dass der neue Chef des VBS und der neue Chef der Armee Auftrag und Werte der Armee nach aussen klar vermitteln.

Dass die politische Diskussion um die Armee bald entschieden werde, hofft auch Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands. Er sehe jedoch keine Anzeichen, dass die Kaderausbildung der Armee bei den KMU als Folge der politischen Verunsicherung schlechter beurteilt werde. Probleme könnte es seiner Meinung nach höchstens auf der individuellen Ebene geben: «Wenn jemand den Nutzen einer militärischen Kaderausbildung für seine eigene Karriere definiert, kommt er möglicherweise unter dem Eindruck der öffentlichen Diskussion zu einem negativen Entscheid.»