Im Wettstreit um mobile Bezahllösungen droht das Schweizer Angebot Twint gegenüber Apple Pay ins Hintertreffen zu geraten. Im Frühling wurde die Fusion der Zahlungs-Apps «Paymit» und «Twint» angekündigt, im Herbst sollte das neue Twint starten. Doch bis heute hat Twint noch niemanden über Details informiert, wie Recherchen zeigen.

Beim Detailhändler Coop, dem engsten Partner von Twint, rechne man damit, dass das Ziel «Herbst» kaum einzuhalten ist, wie Bereichsleiter Christoph Baumgartner sagt. «Wir haben bis heute keine Informationen erhalten.» Auch notwendige, neue Verträge seien daher noch nicht ausgehandelt worden.

Migros Bank: Keine Spezifikationen

Auch unter Banken und Kreditkartenfirmen herrscht Rätselraten. Die Migros Bank wurde bis heute nicht an Twint angeschlossen, obwohl sie die Absicht dazu bereits im März angekündigt hatte. Nun sei man auf das neue Twint verwiesen worden, sagt Banksprecher Urs Aeberli. Spezifikationen habe man aber noch keine erhalten. «Wann dies der Fall sein wird, ist derzeit noch offen.»

Ein Kreditkarten-Manager, der bis heute nicht weiss, wie er seine Produkte an Twint koppeln kann, rechnet damit, dass dieses wohl erst im Winter oder im kommenden Jahr starten wird. Ein Unternehmer aus der Terminal-Branche wiederum sagt, er habe trotz mehrmaliger Anfragen noch immer keine technischen Spezifikationen zu Twint erhalten.

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Offiziell hält Twint nach wie vor am Ziel «Herbst» fest, wie ein Sprecher betont. Er betont aber vorsorglich schon einmal, dass der Herbst auch Ende November noch andauere.

Weko hat die Fusion noch nicht abgesegnet

Unklar ist zudem, ob und in welcher Art die Wettbewerbskommission die Fusion der beiden Apps Twint und Paymit erlauben wird. Die Fusionsmeldung sei erst Anfang August eingegangen, sagt ein Sprecher der Weko. Daher liefen die Abklärungen der Behörde noch immer. Möglich wäre, dass die Weko das Zusammengehen der Banken nur unter Auflagen bewilligt.

Derweil startet Apple Pay den Eroberungszug um Schweizer Kunden. Beim Kreditkartenanbieter Viseca, der nicht mit Apple kooperiert, hätten «mehrere zehntausend» Kunden bereits vergebens versucht, ihre Karten bei Apple zu registrieren, berichtet eine Quelle aus dem Umfeld der Bank. Die Graubündner Kantonalbank vertreibt aufgrund der bestehenden Nachfrage mittlerweile Apple-Pay-Kreditkarten von Swiss Bankers, obwohl sie selber eigentlich Viseca verbandelt ist.

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