Airline-Manager sind nicht zu beneiden: Der ständig steigende Flugbenzinpreis frisst ihre Gewinne, die sie eben erst durch Einsparungen erzielt haben, gleich wieder weg. Besonders hart trifft es Billiganbieter wie Ryanair, Easyjet und Air Berlin.

Das rasante Wachstum der Discountflieger ist endgültig abgebremst – der Flottenausbau wird auch in der Schweiz zurückgestellt. Air Berlin will im kommenden Winter mindestens 14 Kurz- und Mittelstreckenmaschinen am Boden lassen und bis zu 50 Piloten an die Mitbewerber ausleihen. Angeblich liegen bereits Anfragen von Lufthansa-Tochter Swiss vor.

Sparen ist auch bei Ryanair und Easyjet angesagt. Sie wollen sich künftig das Einchecken von Gepäckstücken bezahlen lassen. Kostenloses Essen oder Trinken gibt es dort schon gar nicht mehr.

«Dann sind wir alle tot»

Die Explosion der Kerosinpreise macht den Expansionsplänen der Airline-Manager einen Strich durch die Rechnung. Scheinbar unaufhaltsam klettert der Fass-preis für Kerosin (159 l) Richtung 200 Dollar. Wenn dieses Niveau erreicht sei, «dann sind wir Fluggesellschaften alle tot», liess Air-France-CEO Jean-Cyril Spinetta die Öffentlichkeit wissen.

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Darauf will es Air-Berlin-Chef Joachim Hunold nicht ankommen lassen: Der hohe Spritpreis sei durch Termingeschäfte bis Ende des Jahres abgesichert, ein «Effizienzprogramm» schon auf den Weg geschickt, beteuert Hunold.

Das Programm beinhaltet auch Streckenstreichungen von Zürich aus und neue Gebühren für hiesige Online-Bucher: Gemäss Recherchen der «Handelszeitung» werden beispielsweise im neuen Winterflugplan, der ab 1. November 2008 gültig ist, die Verbindungen nach Alicante (Spanien) und Marrakesch (Marokko) gestrichen. Das soeben eingeführte «Service-Entgeld» für Online-Bucher (10 und 20 Euro) gilt auch in der Schweiz und schlägt mit umgerechnet 17 Fr. für die Kurzstrecke und 34 Fr. auf der Langstrecke zu Buche.

Auf gleichem Niveau wie im Sommer bleibt zum Winter die Frequenz nach Berlin und Düsseldorf mit jeweils 29 Flügen pro Woche. Neu hinzugekommen ist eine wöchentliche Verbindung nach Saarbrücken. Der Streckenausbau ab Basel ist gestoppt.

Während sich andere Billigflieger über Streckenkürzungen ab Schweizer Flughäfen noch bedeckt halten, zog Air Berlin bereits die Notbremse. Sparen, wo immer es geht, lautet die Devise. Der einstige Überflieger Air Berlin wird selber zum Gejagten, der Aktienkurs ist nicht einmal mehr zwei Drittel des Ausgabekurses im Mai 2006 wert.

Den deutschen Flugbetreiber trifft die Krise derzeit besonders hart, nachdem dieser mit den letztjährigen Übernahmen der Mitbewerber DBA und LTU zum zweitgrössten deutschen Flugunternehmen hinter Swiss-Eigentümer Lufthansa emporschnellte. Als Ferienflieger Richtung Süden, insbesondere Spanien, sieht sich Air Berlin als Nummer eins. Die Übernahmen der Regionalflieger von Nikki und Belair unterstrichen den Trend. In diesem Jahr sollte nun auch die Fernfliegerei vor allem Richtung Asien ausgebaut werden. Die Schweiz dient dabei sowohl Richtung Südeuropa als auch Richtung China als wichtiger Knotenpunkt.

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Doch jetzt ist Umdenken angesagt und schnelle Reaktion. Man schaue sich die Strecken jeden Tag neu an, meint Hunold, der als Mann schneller, kompromissloser Entscheidungen gilt.

Schlägt Lufthansa zu?

So wurde nach Bedenken des deutschen Bundeskartellamts sowie aufgrund der prekären Marktsituation vor zwei Wochen die als sicher geltende Übernahme des weiteren Ferienfliegers Condor kurzerhand abgeblasen.

Vielleicht schlägt Lufthansa-Swiss bei dem einen oder anderen Billigflieger zu, meinen Beobachter, sollte die deutsche Fluglinie gestärkt aus dem Streik gehen. Oder ein asiatischer Anbieter: Vergangene Woche kursierten Gerüchte, Air China suche in Europa nach einem Partner.