Historisch tiefe Zinsen, stark schwankende Aktienmärkte, Rekordstände bei Edelmetallen und hohe Devisenverluste - all diese Herausforderungen stellten Anleger in den letzten Jahren auf die Probe. Auch in Zukunft ist mit Ausschlägen an den Finanzmärkten zu rechnen, die Chancen, aber auch Risiken bergen.

In der Finanzwirtschaft werden Risiken anhand historischer Kursschwankungen, der sogenannten Volatilität, gemessen. Entsprechend lassen sich die Anlageinstrumente in drei wesentliche Hauptrisikogruppen einteilen: Festverzinsliche Anlagen in der Referenzwährung mit geringem Risiko, festverzinsliche Anlagen in Fremdwährungen mit mittlerem Risiko und Aktienanlagen mit hohem Risiko. Über einen langen Zeitraum betrachtet, ergibt der Mittelwert der Kursschwankungen die Rendite. Dabei gilt, dass bei höheren Kursschwankungen auch eine höhere Rendite erwartet wird.

Der Privatanleger beeinflusst mit der individuellen Verteilung der Anlagemittel auf diese Risikogruppen Risiko und Erträge seines Portfolios. Entscheidend ist also, die passende Anlagestrategie zu definieren. Mitzuberücksichtigen sind dabei das Gesamtvermögen wie Liegenschaften, Hypotheken, Vorsorgegelder, Darlehen oder Beteiligungen. Erforderlich ist zudem eine Planung über zu erwartende Einnahmen und Ausgaben für die nächsten zehn Jahre. So lässt sich das Risiko auf dem Anlagevermögen im Kontext der Gesamtsituation definieren.

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Es gilt gemeinhin: Je risikoreicher eine Anlage ist, umso länger sollte der dafür vorhergesehene Anlagehorizont sein. Vermögenswerte, die kurz- bis mittelfristig benötigt werden, sind möglichst geringen Risiken auszusetzen. Eine alte Regel lautet: Zählt man das eigene Alter von der Zahl 100 ab, erhält man einen Anhaltspunkt, wie hoch die Aktienquote auf dem Vermögen sein darf.

Auch scheinbar risikoarme, festverzinsliche Anlagen bergen gewisse Unsicherheit. So sind bei Kontoguthaben oder Festgeldern das Gegenpartei- und das Bonitätsrisiko zu berücksichtigen. Viele Anleger stellten sich während der Finanzkrise die bange Frage, ob ihre Bank noch in der Lage ist, die ihr anvertrauten Gelder zurückzubezahlen. Die Fähigkeit der Unternehmen, Zinsen und Forderungen rechtzeitig zu tilgen, lässt sich von ihrer Schuldnerbonität ableiten. Rating-Agenturen wie Standard & Poor’s oder Moody’s erstellen laufend Einschätzungen über die Solvenz von Unternehmen. Allerdings kann diesen Einstufungen nicht blind vertraut werden - so schätzten beispielsweise beide Agenturen die Bonität von Lehman Brothers im September 2008, kurz vor der Insolvenz, noch mit einem A-Rating als investmentwürdig ein. Die Insolvenz führte zu massiven Verlusten auf Einlagen und strukturierten Produkten, die Lehman emittiert hatte.

Wer in Anleihen investiert, sollte zudem das Zinsänderungsrisiko beachten. Steigt der allgemeine Marktzins durch eine Zinserhöhung an, entstehen Kursverluste. Um das Ausmass der Schwankungen bei Zinsänderungen zu berechnen, verwenden Finanzexperten das Mittel der Duration, der durchschnittlichen Restlaufzeit aller Zahlungsströme einer Obligation. Je länger die Duration, umso grösser ist bei einem Zinsanstieg der Verlust auf festverzinslichen Anlagen. Aufgrund der historisch tiefen Zinsen haben viele institutionelle Anleger eine Verkürzung der Duration auf den Anleihenportfolios vorgenommen. Zudem gilt es, ein Augenmerk auf die Bonität des Anleihenschuldners zu legen. Verschlechtert sich die Bonität eines Unternehmens oder eines Staates, müssen Kursverluste wegen steigender Risikoprämien hingenommen werden.

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Bei Anlagen in Fremdwährungen kann das Wechselkursrisiko einen Strich durch die Rechnung des Anlegers machen. Die Schwäche des Dollars und des Euros im Jahr 2010 sorgte bei vielen, eher vorsichtigen Anlegern zu unerwarteten Verlusten. Die derzeit minim höheren Renditen der meisten Fremdwährungs-Anleihen im Vergleich zu Schweizer Obligationen rechtfertigen das hohe Fremdwährungsrisiko kaum. Übrigens: Selbst für Finanzprofis machen die zahlreichen Einflussfaktoren eine zuverlässige Devisenprognose zur Herausforderung.

Risikominimierung bei Aktien

Insbesondere Investitionen in Aktien sind starken Schwankungen ausgesetzt. Schon die grosse Bandbreite der Kurszielschätzungen der Analysten signalisiert: Voraussagen sind komplex und hängen von zahlreichen Faktoren ab. Konjunkturerwartung, Zinsentwicklung, Wechselkurs und die Psychologie der Marktteilnehmer sind bloss einige Parameter, die Aktienkurse beeinflussen. Das Unternehmerrisiko eines einzelnen Titels lässt sich durch eine Diversifikation in verschiedene Titel reduzieren.

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Grundsätzlich gilt: Keine Einzeltitel-Position zu mehr als 5 Prozent des Portfolios halten und in verschiedene Länder oder Branchen investieren. Ausserdem lassen sich Kursverluste mit der vorzeitigen Eingabe von Verkaufslimiten begrenzen.

Periodische Überprüfung

Die Risikoeinschätzung der gesamten Anlagesituation ist bei einem Grossteil der Anleger ein komplexes Unterfangen. Eine seriöse Bewirtschaftung der Vermögenswerte ist nur durch eine systematische Überprüfung von Chancen und Risiken möglich. Nebst dem Reporting der Bank, der Tagespresse und von Fachzeitschriften finden sich auch im Internet umfangreiche Informationen. Für viele Anleger ist es aber schwierig, die Flut an Informationen richtig zu beurteilen und auszuwerten. Deshalb sind periodische Beurteilungsgespräche mit dem Anlageberater der Bank das richtige Vorgehen, um Risiken und Chancen zu evaluieren und nicht später in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

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